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Weda liefert Fütterungsanlage für Europas größte Insektenzucht

550 Tonnen Nahrungssubstrat täglich werden in einer Insektenzucht in Polen an die Larven der Soldatenfliege verfüttert. Die Maden ernähren sich von Bioabfall.

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In Europas größter Insektenzuchtanlage werden Maden der Soldatenfliege produziert.  Foto: Weda

In Europas größter Insektenzuchtanlage werden Maden der Soldatenfliege produziert.  Foto: Weda

Die Dammann & Westerkamp GmbH (Weda) mit Sitz im Goldenstedter Gemeindeteil Lutten ist längst ein international anerkannter Komplettanbieter von Anlagen für die Schweinehaltung. Die vorhandenen Erfahrungen aus der Schweinefütterung nutzt man nun, um ein neues Geschäftsfeld zu erschließen: die Insektenfütterung. Das jüngste Projekt von Weda wurde in Polen umgesetzt. Hier hat man die komplette Insektenfütterungsanlage für den polnischen Futtermittelhersteller "HiProMine" geliefert. Das Unternehmen aus Robakowo bei Posen produziert mit den Larven der schwarzen Soldatenfliege insektenbasierte Proteine im industriellen Maßstab in Europas größter Insektenzuchtanlage. Mithilfe von Weda-Technik werden dort täglich 550 Tonnen Nahrungssubstrat produziert und an die Fliegenmaden verfüttert.

Die Produktion von insektenbasierten Proteinen gilt als Idealfall der Bildung von Nahrungsketten. Das Insekt bildet quasi eine "Brücke" zwischen verwertbaren Pflanzenabfällen und der Produktion nachhaltigen Tierfutters. Im Hintergrund steht, die wachsende Weltbevölkerung ressourcenschonend zu ernähren. Die Nutzung der Soldatenfliege als Futterinsekt kann dazu einen wichtigen Beitrag leisten.

Larven der Soldatenfliege werden in etwa 7 Tagen gemästet

Verglichen mit anderen Futtermitteln sind Insekten die einzige Proteinquelle, bei der sich das "Rohmaterial" zu 100 Prozent verwerten lässt. Bei der Herstellung der tierischen Proteine entstehen keine Abfälle. Ganz im Gegenteil ernähren sich die Larven der Soldatenfliege ausschließlich von organischen Abfallstoffen. Die Soldatenfliege Hermetia illucens zeichnet sich durch ihre extrem schnelle Entwicklung aus: Die Larven werden in etwa 7 Tagen gemästet. "Die Endprodukte sind frei von Antibiotika und gentechnisch veränderten Organismen", sagt Weda-Produktmanager Jens Feldhaus.

In den Insektenfütterungsanlagen von "HiProMin" kommen bewährte Technologien von Dammann & Westerkamp zum Einsatz. "Unser Engagement im Insektenfütterungsbereich lag einfach nahe", sagt Marketingchef Thomas Wilkens und verweist auf die "technische Verwandtschaft unserer Schweinefütterungsanlagen. Insektenfütterung ist definitiv ein total interessanter Markt für uns. Wir planen, unser Engagement noch zu intensivieren."

Insekten gelten als günstige, nährstoffreiche und ökologische Proteinquelle. Die Zulassung insektenbasierter Futtermittel besteht bereits für die Fütterung von Haustieren, Geflügel, Schweinen und in Aquakulturen. Prof. Dr. hab. Damian Jozefiak, einer der Gründer des polnischen Unternehmens und Lehrer an der Poznań University of Life Sciences, zeigt sich mit den Perspektiven seiner Zuchtanlage sehr zufrieden.

Der in den Weda-Anlagen hergestellte Futterbrei wird nahezu vollständig von den Maden gefressen

Auch die bisherige Kooperation mit dem deutschen Kooperationspartner bilanziert er als positiv: "Wir haben in Weda genau den richtigen Technologiepartner gefunden, der uns die nötige Produktionssicherheit bietet, die wir für eine nachhaltige Entwicklung dieses Geschäftsfeldes benötigen."

Im technischen Ablauf der Anlage steht die Zerkleinerung von Bio-Abfällen an erster Stelle. Diese werden aufgemischt und dann als "Futterbrei" auf einen Kasten gefüllt, der im Anschluss mit Fliegenmaden befüllt wird. Die Maden ernähren sich vom Substratbrei und werden kurz vor ihrer Verpuppung "geerntet". Die Kiste mit den Maden wird in eine Sortierstation transportiert, wo sie über Rüttelsiebe vom Restsubstrat getrennt werden.

Die zu Anfang eingebrachte Bioabfallmasse wird nahezu vollständig von den Maden gefressen. Es bleibt letztlich nur deren Kot, der als Dünger verwertet werden kann. Einige der Maden dürfen sich verpuppen und werden wiederum zu Fliegen, die in der Zucht verwendet werden. "An der Laven-Ernte sind wir nicht beteiligt", erklärt Wilkens. "Wir liefern aber alles, was zum Füttern und Lüften notwendig ist."

Die Insektenfütterung soll ein weiteres geschäftliches Standbein von Weda werden

Der Auftragswert der Anlage "liegt im deutlich siebenstelligen Bereich", will Wilkens nicht die exakte Höhe der Investition der polnischen Unternehmer preisgeben. Ein weiteres, gleichartiges Projekt in Deutschland, bei dem das Unternehmen aus Lutten mitarbeitet, wird in naher Zukunft bekannt gemacht, verspricht er. Weda hat bereits Insektenfütterungsanlagen nach Portugal und Skandinavien geliefert, die bereits erfolgreich in Betrieb sind.

Es gibt "weitere vielversprechende Anfragen", glaubt Wilkens an ein steigendes Auftragsvolumen im Insektenbereich. Weda wird sich deshalb mit dem neuen Geschäftszweig auch auf einem Stand bei der Fachmesse Eurotier in Hannover (15. bis 18. November) präsentieren.

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