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Wasser für Steinfelder Schlachthof soll nicht aus Holdorf fließen

Der Wasserverband bezieht Stellung zu der Diskussion. Er hält eine Förderung auf Steinfelder Gemeindegebiet für sinnvoll. Am Mittwoch gibt es ein Gespräch mit der Politik.

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Der Firmensitz von Gut Bergmark Premium Geflügel befindet sich am Rouen Kamp in Steinfeld. Foto: Timphaus

Der Firmensitz von Gut Bergmark Premium Geflügel befindet sich am Rouen Kamp in Steinfeld. Foto: Timphaus

Das für den geplanten Neubau eines Geflügelschlachthofs in Steinfeld benötigte Wasser soll nicht aus dem Wasserwerk-Standort in Fladderlohausen fließen. Das teilte der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband (OOWV) auf Anfrage mit. Regionalleiter Kay Schönfeld erklärte, dass der Verband diese Position sowohl gegenüber dem Investor als auch gegenüber der Gemeinde Steinfeld bei der konkreten Anfrage stets deutlich gemacht habe. Stattdessen wäre die dezentrale Förderung "kleinerer Brauchwassermengen auf Steinfelder Gebiet und außerhalb des Einflussbereiches des Wasserwerkes Holdorf ein Lösungsansatz, der weiter verfolgt werden sollte". Schönfeld beziffert die maximal zu liefernde Wassermenge mit 100.000 Kubikmeter pro Jahr. Auf diese Menge richte der OOWV seine Planung  aus.

Die Firma Gut Bergmark Premium Geflügel aus Steinfeld plant den Neubau des Geflügelschlachthofs im Südwesten der Gemeinde. An dem Standort sollen künftig bis zu 95.000 Hähnchen pro Tag geschlachtet und zerlegt werden. Dafür benötigt das Unternehmen Wasser - viel Wasser. Wie hoch der Wasserbedarf je Tier bei der geplanten Schlachterei ist, müsse jedoch der Investor beantworten, teilte Schönfeld mit. 

Nach Informationen unserer Redaktion hat der OOWV ein Konzept erstellt, welches den Bau eines Förderbrunnens auf Steinfelder Gemeindegebiet in Nachbarschaft zum geplanten Geflügelschlachthof vorsieht. Dieses Konzept soll der Steinfelder Politik an diesem Mittwoch (14. Oktober) in einem Informationsgespräch vorgestellt werden. Regionalleiter Schönfeld verneinte allerdings, dass es ein Konzept "oder gar konkrete Pläne" für solche eine Förderung gebe. Es müssten zunächst die politischen Weichen gestellt und genehmigungsrechtliche Dinge geklärt werden. Auch der OOWV benötige Planungssicherheit, bevor er Standortfragen beantworten könne. Schönfeld machte indes deutlich: "Aufgrund der ausgeschöpften Wasserrechte kann die Lösung aber nicht sein, einfach an den vorhandenen Standorten - wie hier in Holdorf - mehr Wasser zu fördern oder eine Mehrförderung zu beantragen."

Die Gut Bergmark Premium Geflügel plant den Neubau eines Geflügelschlachthofs in Steinfeld. Foto: TimphausDie Gut Bergmark Premium Geflügel plant den Neubau eines Geflügelschlachthofs in Steinfeld. Foto: Timphaus

Diese Nachricht dürfte auch in der Gemeinde Holdorf zumindest für etwas Erleichterung sorgen. Denn Steinfelds Nachbarkommune hatte die Schlachthof-Debatte mit Sorgen verfolgt. Politiker von CDU und SPD hatten angesichts der möglichen Entwicklung ein weiteres Absinken der Grundwasserstände in Holdorf befürchtet. Sie fragten sich auch, ob der OOWV bei höherem Verbrauch einen Antrag stellen würde, die Fördermenge zu steigern. Bis Ende dieses Jahres darf der Verband 4,67 Millionen Kubikmeter Wasser im Jahr fördern, danach nur noch 4,5 Millionen Kubikmeter. Der stellvertretende Bürgermeister Udo Schlarmann (CDU) hatte im jüngsten Umweltausschuss indes noch einmal deutlich gemacht: Ziel der Gemeinde Holdorf müsse es sein, dass die Fördermenge irgendwann auf 3,5 Millionen Kubikmeter im Jahr reduziert werde.

Allerdings stecke der OOWV auch in einem gewissen "Dilemma", wie Holdorfs Bürgermeister Dr. Wolfgang Krug erklärte. Der Verband habe nun einmal die wertneutrale Aufgabe, die Region mit Wasser zu versorgen. Darauf weist auch Regionalleiter Schönfeld hin: Der OOWV stehe in der Pflicht, nicht nur für die Bevölkerung, sondern auch für die Industrie und das Gewerbe innerhalb des Verbandsgebietes Trink- und Brauchwasser zu beschaffen, bereitzustellen und zu verteilen. Diese Aufgabe ist in der Satzung des OOWV festgeschrieben. Bei Versorgungsanfragen, gleich welcher Art, "ist der OOWV daher im Sinne der Entwicklung der jeweiligen Kommune immer bestrebt, nach Lösungen zu suchen, mit denen der Bedarf gedeckt werden kann", teilte Schönfeld mit. Es gebe daher bei Versorgungsanfragen kein kategorisches "Nein", aber auch keine uneingeschränkte Zusage - wie also auch im Fall Gut Bergmark.

Bis zu 200 Arbeitsplätze sollen entstehen

Als Standort für den neuen Geflügelschlachthof ist eine 5,5 Hektar große Fläche im Gewerbe- und Industriegebiet Nr. 62 "Industriegebiet Handorfer Straße II" vorgesehen. Das Areal liegt in Sichtweite des Firmensitzes am Rouen Kamp 6. Der geschäftsführende Gesellschafter Dirk Heidler taxiert das mögliche Investitionsvolumen für das Bauvorhaben auf 25 bis 30 Millionen Euro. Bis zu 200 Arbeitsplätze sollen geschaffen werden. Nach Angaben Heidlers handelt es sich um eine Betriebsverlagerung. Der jetzige Firmenstandort in Wildeshausen (ehemals Hähnchenschlachterei Kreienkamp) soll mittel- bis langfristig geschlossen werden.

Der Steinfelder Rat muss über das Grundstücksgeschäft noch beraten und abstimmen. Dies ist in der Sitzung am 5. November vorgesehen. Zuvor hatte das Gremium eine Entscheidung vertagt.  Der Verwaltungsausschuss hat dem Projekt zugestimmt. In der CDU-Mehrheitsfraktion gibt es laut des stellvertretenden Bürgermeisters  Hubert Pille einen mehrheitlichen Beschluss, dem Vorhaben des Investors zuzustimmen. Steinfelds Bürgermeisterin Manuela Honkomp teilte auf Anfrage mit, dass sie erst nach der internen Informationsveranstaltung mit dem OOWV Stellung zu dem Thema beziehen wolle.  

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