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Waschen, Färben, Fönen nur nach Termin

Wenn Events ausfallen, trifft das auch die Friseurbranche. Meister Rainer Moormann aus Lutten bleibt dennoch optimistisch. Er plant sogar das Team zu erweitern.

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Maske muss sein: Rainer Moormanns Kunden sollen sich sicher fühlen. Die Hygieneregeln hält sein Betrieb ein. Foto: Heinzel

Maske muss sein: Rainer Moormanns Kunden sollen sich sicher fühlen. Die Hygieneregeln hält sein Betrieb ein. Foto: Heinzel

Die Kunden haben Verständnis; das Hygienekonzept funktioniert: So fällt das Fazit von Friseurmeister Rainer Moormann über die Zeit seit dem Ende des Corona-Lockdowns positiv aus. Kunden, die seinen Salon in Lutten betreten, müssen alleine kommen und einen Termin ausgemacht haben. Sie haben einen Mund-Nase-Schutz zu tragen und werden gebeten, zunächst die Hände zu desinfizieren. Anschließend füllen sie einen Zettel mit ihren Kontaktdaten aus. Erst danach widmet sich der Meister der Haarpracht - mit einer Kopfwäsche. Denn auch die ist Teil des Hygienekonzepts. 

Luft schnappen auf der Terasse

Ein Trockenschnitt darf aktuell nicht angeboten werden, sagt der 39-Jährige. Da ein Haarschnitt auf Abstand nicht funktioniert, tragen Friseur und Kunde durchgehend einen Mund-Nase-Schutz. Bei langwierigen Behandlungen haben die Kunden zwischendurch die Gelegenheit auf der Terrasse frische Luft zu schnuppern. Ein Punkt, der nach der Coronakrise beibehalten werden soll.

Getränke dürfen nicht angeboten werden und Zeitschriften werden ebenfalls aus hygienischen Gründen nicht zur Verfügung gestellt. Am Ende werden Sitz und Ablage gereinigt, der benutzte Umhang wandert in die Wäsche. Schere, Kamm und Co. werden sogar desinfiziert. "Ich habe die Verantwortung und die Pflicht, meine Kunden und meine Mitarbeiter zu schützen", sagt Rainer Moormann. Alles machbar, versichert der Meister. 

Seit Corona sei alles besser planbar

"Wir sind sehr zufrieden", sagt auch Moormanns Kollege Klaus Janssen aus Lohne. Dadurch, dass ohne einen festen Termin niemand Haare lassen darf, sei alles planbarer. Das wolle er auch nach dem Ende der Coronakrise beibehalten. Zumal er so viel mehr Zeit für den Kunden hätte. "Es macht mehr Spaß", beschreibt Janssen seinen aktuellen Gemütszustand. 

"Die sechs Wochen Einnahmeausfall während des Lockdowns holt man finanziell nicht mehr auf.“Rainer Moormann, Friseur

Der Markt allerdings war auch schon vor Corona hart umkämpft. Umso mehr ärgert es die Friseur-Innung Vechta und ihre Mitglieder, wenn sich nicht alle an die Regeln halten. Mehr Kontrollen wären daher gut, sind sich Rainer Moormann, Klaus Janssen und Monika Bregen, Obermeisterin der Innung im Kreis, einig. Schließlich hat die Umsetzung der Corona-Regeln finanzielle Folgen, weiß Monika Bregen. Denn wer so gut es geht auf Abstand bleibt, der hat weniger Platz für die Kunden und muss mehr verlangen, um die eigenen Kosten decken zu können. "Friseursalons die sich nicht an die Schutzvorschriften halten, haben auch weniger Kosten und können ihre Haarschnitte und sonstige Friseurdienstleistungen günstiger anbieten, als die Friseure die sich an alle Auflagen halten", schildert Obermeistern Bregen.

Rainer Moormann beispielsweise hat zwei Plätze weniger zur Verfügung. Seine Kapazität habe sich dadurch um ein Fünftel reduziert. Als Geschäftsmann hat er sich Gedanken gemacht und  scharf kalkuliert - mit dem Ergebnis, dass er seine Preise um ein bis anderthalb Euro angehoben hat. 

Im Mai hätte es einen sehr großen Ansturm gegeben, aber "die sechs Wochen Einnahmeausfall während des Lockdowns holt man finanziell nicht mehr auf", sagt Moormann. Seit letzter Woche flache der Kundenandrang wieder etwas ab. Das bestätigt Monika Bregen. In den ersten Wochen sei es "super gut angelaufen", jetzt werde es aber allmählich etwas zäher. "Das Einnahmeloch kommt jetzt", fürchtet  Rainer Moormann. Der Unternehmer schätzt, dass er im Juni 20 Prozent weniger Einnahmen als im selben Zeitraum 2019 generieren werde.

Nach jedem Kunden werden Platz und Ablage gereinigt. Foto: HeinzelNach jedem Kunden werden Platz und Ablage gereinigt. Foto: Heinzel

Wegfall von Großveranstaltungen ist großes Problem

Ein großes Problem für die Friseure sind die Fest-Verbote:  Kommunion, Konfirmation, Abtanz- und Schulbälle, Schützenfeste und die großen Hochzeiten fallen aus oder werden im sehr kleinen Kreis gefeiert. Keine Hochsteckfrisuren, keine Korkenzieherlocken: "Das sind Umsätze, die einfach wegfallen", berichtet der Lutter Friseur. 

Sonst sei vor allem der August mit dem Friseur-Besuch zum Stoppelmarkt "ein bombensicherer Monat". Auch dieses Geld werde fehlen. Der Lutter will aber nicht klagen. Er ist überzeugt: Wenn ein gesund aufgestellter Salon in der Vergangenheit gut gewirtschaftet habe, dann werde dieser auch die Coronakrise überstehen. Er blicke optimistisch nach vorne, betont Moormann. Die Arbeitsplätze seiner drei Auszubildenden und seiner drei Mitarbeiter seien sicher. Im August wolle er einen weiteren Azubi einstellen sowie eine Auszubildende übernehmen.

Friseure kooperieren in der Krise

Eine große Hilfe war in dieser Zeit die gegenseitige Unterstützung, welche die Friseure untereinander erfahren haben. So hat sich Rainer Moormann mit Klaus Janssen aus Lohne, Lukas Vagelpohl aus Mühlen, Christian Niehaus aus Visbek und Hildegard Behrens aus Dinklage abgestimmt und besprochen. Das habe "richtig gut geholfen". Monika Bregen betont die Zusammenarbeit innerhalb der Innung. "Wir haben alle gut kooperiert", sagt die Obermeisterin." "Wir sitzen schließlich alle im gleichen Boot", weiß Moormann.

Die Friseur-Innung Vechta bittet alle Betriebe und Kunden ausdrücklich die Arbeitsschutzstandards für das Friseurhandwerk ernst zu nehmen und zu beachten. Eine Lockerung der Schutzvorschriften für das Friseurhandwerk sind laut dem Zentralverband des Friseurhandwerks vorerst nicht geplant.

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