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Warum (nicht nur) die Preise am Gebrauchtwagenmarkt im OM rasant ansteigen

Des Deutschen liebstes Kind wird immer teurer: Händler schätzen den Preissprung bei Gebrauchten von 2021 auf das Jahr 2022 auf 15 Prozent. Doch die Preise steigen nicht nur bei den Gebrauchten.

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Ein großes Angebot von Gebrauchtwagen: Der vollgestellte Verkaufsplatz ist längst Vergangenheit. Der Markt der älteren Pkw ist fast leergefegt, Gebrauchte sind teuer. Foto: dpa/Dedert

Ein großes Angebot von Gebrauchtwagen: Der vollgestellte Verkaufsplatz ist längst Vergangenheit. Der Markt der älteren Pkw ist fast leergefegt, Gebrauchte sind teuer. Foto: dpa/Dedert

Der Gebrauchtfahrzeughandel erlebt derzeit einen Boom. Die Preise für manches älteres Pkw-Modell liegen teilweise sogar höher als bei Neuwagen. Das hat eine aktuelle Auswertung des Marktbeobachters Deutschen Automobil Treuhand (DAT) ergeben. Die Gebrauchtwagenpreise zogen von 2019 auf 2020 um 18 Prozent, und 2021 noch einmal um knapp 7 Prozent an, meldet der aktuelle DAT-Report. Der sprunghafte Anstieg beruht laut Treuhand auf einem knappen Angebot und hoher Nachfrage, daher seien auch ältere Fahrzeuge sehr gefragt.

Lieferkettenprobleme und Produktionsausfälle durch Corona oder der eklatante Mangel an Mikrochips, von denen in einem modernen Auto heute weit mehr als 1000 Stück verbaut sind, führen zu Lieferengpässen in allen Neuwagensegmenten. Auch ein gewisser Nachholbedarf nach der Coronakrise sowie die in dieser Zeit angehäufte Kaufkraft treiben die Nachfrage, was wiederum zu langen Lieferzeiten bei den Autoherstellern führt. So mancher Neuwagenkunde weicht da ob der langen Wartezeit auf den Gebrauchtwagenmarkt aus. Doch auch dort tut sich mittlerweile ein Loch auf. Die Internetplattform mobile.de hat festgestellt, dass auf dem Gebrauchtmarkt im Januar 2022 etwa 33 Prozent weniger Fahrzeuge angeboten wurden, als noch im Januar 2021.

Hiltrud Abeln, Chefin des Autohauses Gelhaus in Bösel sagt, dass die Leasingrückläufer im Gebrauchtmarkt fehlen. Foto: AbelnHiltrud Abeln, Chefin des Autohauses Gelhaus in Bösel sagt, dass die Leasingrückläufer im Gebrauchtmarkt fehlen. Foto: Abeln

Hohe Preise treffen auch Kunden und Händler im OM

Die hohen Preise treffen auch die Kunden und Händler im Oldenburger Münsterland. Hiltrud Abeln von Auto Gelhaus in Bösel bestätigt das stark gestiegene Preisniveau für Gebrauchtwagen aller Klassen. Sie schätzt, dass die Preise für Pkw im Vergleich zum vergangenen Jahr um bis zu 15 Prozent höher liegen. Generell sei das Angebot an Gebrauchtfahrzeugen knapp. Gerade die jüngeren Fahrzeuge seien auch für die Händler kaum mehr zu haben. „Es fehlen einfach die Leasingrückläufer. Es sind nur wenige Jahreswagen verfügbar. Haben etwa Firmen ihre Leasingfahrzeuge früher regelmäßig nach kurzer Nutzungszeit zurückgegeben, so müssen sie diese jetzt weiterfahren, denn Neufahrzeuge sind aktuell nur schwer zu bekommen und haben Lieferzeiten von teilweise bis zu eineinhalb Jahren.“ Das knappe Angebot bedeute bei hoher Kundennachfrage letztlich „natürlich hohe Preise“.

Vom Preisanstieg sei der Markt der Kleinwagen nicht ausgenommen, sagt die Autohauschefin. Gerade diese würden bei Neukauf oft privat verkauft oder innerhalb der Familie weitergereicht, seien deshalb dem regulären Autohandel oft entzogen.

Im Markt fehlen Gebrauchtwagen aller Klassen

Manuel Tepe ist Verkaufsberater beim Skoda-Vertragshändler und VW-Service Eckert in Cloppenburg. Der lokale Automarkt sei schon längst ein europäischer, sagt er. Zum einen würden die Kunden die Preise im Internet und international vergleichen, und zum anderen verkaufe auch er als Händler mittlerweile fast 30 Prozent seiner Fahrzeuge an Kunden „und Autohändler“, die weit entfernt seien.

Grundsätzlich fehlten im Markt die Gebrauchtwagen aller Klassen. Er schätzt die Preissteigerungsrate im Vergleich zum vergangenen Jahr auf weit mehr als 15 Prozent. Diese Angabe sei „zu niedrig“, auf eine höhere Zahl legt er sich aber nicht fest. Tepe hat in der Regel rund 200 Gebrauchtwagen im Angebot, jetzt sind es gerade mal nur noch 60. „Ich muss aktiv zukaufen, da keine Halbjahres- oder Jahreswagen nachkommen. Das gilt auch für andere Autohändler. Es gibt Kollegen, die haben gerade gar nichts mehr auf dem Hof.“ Da alle zukaufen müssten, würden die Preise zusätzlich befeuert.

Manuel Tepe vom Skoda-Vertragshändler und VW-Service Eckert in Cloppenburg muss selbst Gebrauchtwagen ankaufen, um seinen Kunden ein vielfältiges Angebot bieten zu können. Foto: KühnManuel Tepe vom Skoda-Vertragshändler und VW-Service Eckert in Cloppenburg muss selbst Gebrauchtwagen ankaufen, um seinen Kunden ein vielfältiges Angebot bieten zu können. Foto: Kühn

Es fehlten die Leasingrückläufer, die jungen Autos der Mietwagenunternehmen oder auch werkseigene Fahrzeuge der Hersteller. Die Basis allen Übels: „Die Hersteller können aufgrund der Lieferkettenprobleme die üblichen Stückzahlen nicht ausliefern.“ Da die Neufahrzeuge fehlten, würden die in Gebrauch befindlichen länger genutzt. „VW-Werksangehörige zum Beispiel haben sonst ihre Autos nach einem halben oder dreiviertel Jahr weiterverkauft. Jetzt fahren sie diese schon 2 Jahre und länger, denn für den Arbeitgeber ist es weitaus attraktiver, die Autos, die er noch bauen kann, in den Markt zu bringen, statt sie verbilligt an die Mitarbeiter zu geben.“

Ohnehin sei festzustellen, dass sich die Hersteller im Neuwagensegment auf Bau und Auslieferung der margenstarken, größeren Modelle konzentrierten, sagt Tepe. Nicht umsonst gebe es faktisch keine Kleinwagen am Markt mehr, und wenn, dann kämen diese erst „nach einer Wartezeit von einem dreiviertel bis zu einem Jahr zum Besteller“.

Auch die Neuwagenpreise ziehen an

Da das Preisniveau der Gebrauchten sehr hoch sei, empfehle er aktuell Kunden, „die Wartezeit mitbringen können“, einen Neuwagenerwerb, so der Verkaufsberater. Das Neuwagengeschäft laufe derzeit sehr gut. Die Kunden vor Ort im Oldenburger Münsterland seien nach wie vor bereit, Geld für Autos auszugeben. Das gute Geschäft mit den Neuwagen brauche er aber auch, sagt Tepe, denn er verkaufe halt viel weniger Gebrauchtfahrzeuge, „weil nichts da ist“.

Auch im Neuwagensegment zeigen sich bei einem gleichartigen Fahrzeug, das vor vier Jahren auf dem Markt war, Preiserhöhungen von „um die 20 Prozent“, sagt Tepe. Warum das so ist? „Die Nachfrage nach neuen Autos ist gerade sehr hoch. Da braucht es keine großflächigen Rabattaktionen der Hersteller für ihre Neuwagen mehr.“ Von einem „überhitzten Markt“ spricht Tepe mit Blick auf den E-Automarkt: „Da kann es schon sein, dass man letztlich für einen jungen Gebrauchten dasselbe Geld zahlen muss wie für ein Neufahrzeug.“

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