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Warum es bei Fahrrädern und E-Bikes knapp werden kann

Der Cloppenburger Händler Frank Belling ärgert sich über lange Lieferzeiten und hohe Frachtkosten bei Fahrrad- und E-Bike-Ausstattern

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Bremsscheibe oder Ritzel: Frank Belling und sein Einkaufsverband Bike & Co. befürchten eine drastische Verknappung von Fahrradteilen. ⋌Foto: Götting

Bremsscheibe oder Ritzel: Frank Belling und sein Einkaufsverband Bike & Co. befürchten eine drastische Verknappung von Fahrradteilen. ⋌Foto: Götting

Der Chef ist sauer: Stundenlang hat Frank Belling telefoniert und gerade mal zwölf Zahnradsätze für seine Werkstatt bekommen. Für den Rest hat ihm der Lieferant rund acht Monate Lieferzeit angekündigt. Ähnliches gilt für Bremsscheiben, Gangschaltungen und Ketten. „Die Situation auf dem Teilemarkt ist unglaublich und wir werden nach der Frühjahrsbelebung ganz schön Probleme bekommen“, so der Inhaber eines Fahrradfachhandels in der Cloppenburger Lange Straße.

Preis für einen Frachtcontainer haben sich verfünffacht

Im vergangenen Jahr habe die erste Welle der Corona-Pandemie schon vieles durcheinander gewirbelt. Nun kämen andere Faktoren hinzu. So hätten sich beispielsweise die Preise für Frachtcontainer aus Asien von rund 2000 Dollar auf 10 000 Dollar verteuert. Auch die allgemeinen Logistikkosten seien um das Sieben- bis Zehnfache gestiegen. Zu allem Überfluss hätten sich auch noch maßgebliche Teilehersteller in Asien entschlossen, ohne Rücksicht auf den E-Bike-Boom weiter zu produzieren. „Die wollen nicht investieren, sondern ihre bestehenden Anlagen auslasten und profitorientiert weiterarbeiten“, sind sich Belling und seine Tochter Jasmin sicher. Doch diese Arbeitsweise sei Gift für die Fahrradhersteller in Deutschland und für die Werkstätten der Fachhändler. Allein in ihrer Werkstatt seien elf Mitarbeiter beschäftigt. Die ersten Lücken seien schon erkennbar. Der Kinderfahrzeughersteller Puky könne kaum noch etwas liefern, und ein Fahrradträger der Marke Uebler sei im August 2020 bestellt worden und erst vor wenigen Tagen angekommen. Die großen Produkte wie Rennräder oder e-Bikes würden zwar in Deutschland entwickelt und montiert, die Teile dafür kämen aber aus Asien. So habe alleine der japanische Hersteller Shimano mit seinen zahlreichen Fabriken u. a. in China einen Marktanteil bei Fahrradteilen von 80 Prozent.

Fehlen die Teile aus Asien, stehen die Fabriken und Werkstätten still

Für die hiesigen Märkte bedeute diese Entwicklung, dass an den Fließbändern der Fabriken der Stillstand eintrete, der Fachhandel nicht mehr beliefert werden könne und Werkstätten keine Ersatzteile bekämen. Des Weiteren würden die gestiegenen Import- und Frachtkosten in die Kalkulationen der Betriebe einfließen, sind sich die Bellings sicher. Schon jetzt werde mit einer Teuerungsrate von rund 100 Euro für ein E-Bike und von rund 50 Euro für ein Fahrrad oder Kinderrad gerechnet. Auch die Verknappung der Teile dürfte nach den Regeln des Marktes zu einer Verteuerung führen, die am Ende der Verbraucher zu tragen habe. „Es ist sehr bedauerlich, dass man den deutschlandweiten Trend zu mehr E-Bikes von Seiten der Lieferanten nicht deutlicher unterstützt“, bedauert Frank Belling, der seit 18 Jahren als Fachhändler selbstständig ist. Noch sind im Fachgeschäft in der Lange Straße und auch bei den Kollegen die Regale witterungsbedingt gut gefüllt. Belling rät Interessierten zu frühzeitigen Entscheidungen, bevor Käufer von außerhalb kämen.

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