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Warum ein Kunststoffbetrieb aus Lohne sein Geld auch mit Gründächern verdient

Die Firma Atka vertreibt unter der Marke "Topgreen" seit 25 Jahren erfolgreich Gründachsysteme. Für die Inhaber Jürgen und Frank Sieve birgt die ökologische Alternative viele Vorteile.

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Eine grüne Oase statt eines tristen Flachdachs: Über die Vorteile einer Dachbegrünung informieren (von links) Topgreen-Leiter Jan-Bernd Westendorf und die Atka-Geschäftsführer Jürgen und Frank Sieve. Foto: Timphaus

Eine grüne Oase statt eines tristen Flachdachs: Über die Vorteile einer Dachbegrünung informieren (von links) Topgreen-Leiter Jan-Bernd Westendorf und die Atka-Geschäftsführer Jürgen und Frank Sieve. Foto: Timphaus

Gründächer liegen im Trend. Das können Jürgen und Frank Sieve bestätigen – und zwar nicht nur, weil die beiden Brüder bei ihren Eigenheimen selbst auf diese ökologische Alternative setzen. Was bisher wohl nur wenigen bekannt ist: Die Inhaber des Lohner Unternehmens Atka Kunststoffverarbeitung sind selbst als Hersteller von Gründachsystemen aktiv – und das schon seit 25 Jahren.

Unter der Marke "Topgreen" bietet Atka 3 unterschiedliche Kunststoffpfannen und -schalen an, die je nach Ausführung sowohl auf Flachdächern als auch Steildächern eingesetzt werden. Auch das erforderliche Substrat und die Sedummatten beziehungsweise -sprossen, die letztlich fürs Grün auf den Dächern sorgen, werden am Südring vertrieben. Seit Kurzem verkauft die Firma überdies einen Flachdachbausatz für Garagen, Carports, Hausdächer und Gartenhäuser.

Im Paket, das auf eine Fläche von 10 Quadratmetern ausgelegt ist, sind Flachdachschalen, Substrat, Schutzvlies und ein Gutschein über Sedumsprossen enthalten. "Lediglich den Rundkies für den Randstreifen und die Wurzelschutzfolie müssen die Kunden zusätzlich erwerben", sagt Jan-Bernd Westendorf, der im Betrieb für die Marke "Topgreen" verantwortlich ist.

Ein Prototyp: Auf dem Gänsehof Tapphorn in Brockdorf entstand einst eines der ersten Atka-Gründächer. Foto: AtkaEin Prototyp: Auf dem Gänsehof Tapphorn in Brockdorf entstand einst eines der ersten Atka-Gründächer. Foto: Atka

Mit dem Bausatz können Privatpersonen eigenhändig einen Beitrag zu Klimaschutz und Biodiversität leisten, sagt Frank Sieve. "Mit etwas handwerklichem Geschick kann man sein Flachdach selbst eindecken." Der Paketpreis liegt bei etwa 450 Euro. "Für größere Projekte kann man uns gerne ansprechen."

Aber wie kommt ein Kunststoffbetrieb eigentlich dazu, Gründächer zu verkaufen? Frank Sieve erzählt: "Der Sommer 1995 war sehr heiß. Wir produzieren unter anderem für die Landwirtschaft. Bauern berichteten immer wieder über Probleme mit den Tieren in ihren Stallungen aufgrund der Hitze. Das hat unseren Vater Gregor sehr beschäftigt." Im Urlaub auf Sylt sah der Seniorchef dann ein Gründach – und hatte einen Einfall. Denn: Gründächer haben aufgrund der Verdunstung des gespeicherten Regenwassers einen kühlenden Effekt. "Also hat unser Vater eine Gründachpfanne entwickelt", sagt Jürgen Sieve.

"Topgreen"-System funktioniert auch auf Steildächern

Einer der ersten Prototypen war das Nebenhaus auf dem Gänsehof Tapphorn in Brockdorf. Seitdem wurden mit Topgreen-Pfannen viele Dächer begrünt: die Mensa des Gymnasiums Lohne, das Seminargebäude auf dem Hof Göttke-Krogmann in Kroge oder die Schule "Ottoburg" im niederländischen Rijswijk – immerhin das größte begrünte Steildach Europas.

Dass sich mit den Topgreen-Systemen auch Dächer mit einem Neigungswinkel von bis zu 45 Grad eindecken lassen, ist ein Alleinstellungsmerkmal. "Damit sind wir ziemlich allein auf dem Markt", sagt Frank Sieve. Er erklärt, dass bei noch steilerem Winkel die Winderosion ein Problem ist.

Anfangs sei man auf Messen belächelt worden, sagt Jürgen Sieve. Doch mittlerweile seien Gründächer im Kommen, stellt Westendorf fest – auch aufgrund des politischen und gesellschaftlichen Wandels hin zu mehr Nachhaltigkeit und Klimaschutz. Mittlerweile existieren einige Förderprogramme. Auch die Stadt Lohne will künftig den Bau von Gründächern finanziell unterstützen.

Ein Beitrag zum Klimaschutz: Die Firma Atka bietet seit Kurzem auch einen Flachdachbausatz für Endkunden an. Foto: AtkaEin Beitrag zum Klimaschutz: Die Firma Atka bietet seit Kurzem auch einen Flachdachbausatz für Endkunden an. Foto: Atka

Aber kann Kunststoff überhaupt nachhaltig sein? Auf jeden Fall, sagt Frank Sieve. "Unsere Pfannen können nach einigen Jahrzehnten abgebaut und vollständig recycelt werden." Es handle sich um 1A-Typware, ergänzt sein Bruder Jürgen. Die Flachdachschalen indes bestehen aus Recyclingmaterial.

Und welche Vorteile haben Gründächer – außer dem bereits genannten Kühleffekt? Die Sieves nennen zunächst den Wärmeschutz im Winter. Außerdem halten Gründächer sehr lange. Westendorf spricht von einer Lebensdauer von bis zu 50 Jahren. Gründächer filtern die Luft von Staub und Schadstoffen, mindern Lärm. Sie halten Regenwasser zurück und gleichen damit Niederschlagsspitzen aus. Und schließlich sind Gründächer ein Lebensraum für Tiere und Pflanzen. "Im Sommer brummt es richtig auf dem Gründach. Man kann einen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt leisten", sagt Frank Sieve.

Gründächer fordern die Gebäudestatik heraus

Klar ist aber auch: Gründächer stellen besondere Anforderungen an die Dachkonstruktion und Statik des Gebäudes. Schließlich beträgt die Dachlast je nach Kategorie – Extensiv- oder Intensivbegrünung – etwa zwischen 100 und 200 Kilogramm pro Quadratmeter. Den Pflegeaufwand eines extensiven Gründachs bezeichnet Jürgen Sieve als gering. "Da geht man einmal im Jahr mit Langzeitdünger drüber. Das reicht."

Am Ende entscheidet auch das Auge, wie Frank Sieve sagt: „Gründach? Das muss man mögen.“

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