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Warnstreik bei Vion in Emstek

‚Die Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) hat zum Arbeitskampf aufgerufen. "Dies ist erst der Anfang", sagt NGG-Geschäftsführer Matthias Brümmer und kündigt weitere Maßnahmen an.‘

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Arbeitskampf: Über 100 Mitarbeitende haben aus beiden Schichten die Arbeit niedergelegt. Foto: Thomas Vorwerk

Arbeitskampf: Über 100 Mitarbeitende haben aus beiden Schichten die Arbeit niedergelegt. Foto: Thomas Vorwerk

Für mehr und vor allen Dingen einen gerechten Lohn haben am Freitag beim Vion-Schlachthof in Westeremstek Mitarbeitende die Arbeit niedergelegt und im Betriebsablauf für Verzögerungen gesorgt. "Die Aktionen in der deutschen Fleischindustrie werden durchgeführt, weil auch nach der dritten Verhandlung kein verhandlungsfähiges Angebot vorliegt", sagt NGG-Geschäftsführer Matthias Brümmer. "Wir fordern einen Stundenlohn von mindestens 12,50 Euro und nach kurzer Einarbeitungszeit 14 Euro sowie einen Facharbeiterlohn von mindestens 17 Euro. Die Arbeitgeber haben bisher nur 10,50 Euro und ab 1. Juli 2023 nur 12,00 Euro angeboten."

Gut 50 Streikende hatten sich gegen Mittag vor der Einfahrt zum Schlachthof versammelt. Sie waren mit Warnwesten gekleidet, die den Aufdruck "Wir streiken" trugen. Außerdem wurden die Forderungen auf Papptafeln in den Landessprachen kund getan. Je nach Saison sind zwischen 1200 bis 1500 Mitarbeitende an dem Standort in Westeremstek beschäftigt, sagt die Betriebsratsvorsitzende Marion Rabbe.

Aktuell wird der Mindestlohn gezahlt

Aktuell gibt es den Mindestlohn von 9,50 Euro und nach Ermessen eine Zulage, rechnet die Betriebsratsvorsitzende vor. Wie diese Zulage sich errechnet, darüber sei der Betriebsrat nicht informiert worden. Die Mitarbeiter, die zuvor über Werkverträge angestellt waren, sind übernommen worden. "Ehemalige Werksvertragler haben Verträge als Berater bekommen und halten die Fäden in der Hand", sagt die Betriebsratsvorsitzende. 

9,50 Euro pro Stunde sind eine Sauerei, sagt NGG-Geschäftsführer Matthias Brümmer. Foto: Thomas Vorwerk"9,50 Euro pro Stunde sind eine Sauerei", sagt NGG-Geschäftsführer Matthias Brümmer. Foto: Thomas Vorwerk

Davon spricht auch Matthias Brümmer. Die vornehmlich rumänischen Mitarbeiter, die in der Frühschicht zur Arbeit gekommen waren, hätten sich durchaus streikbereit gezeigt, seien dann aber "massiv eingeschüchtert worden" und hätten "in Panik ihre Warnwesten abgelegt", so Brümmer. "Man versucht mit allen Mitteln, uns zu behindern. Das ist schlimmer als das, was wir bei Danish Crown erlebt haben" Um 4.30 Uhr habe er mit rund 60 polnischen Mitarbeitenden vor dem Werkstor gestanden. 

Thomas van Zütphen, zuständig für die  Unternehmenskommunikation von Vion Deutschland, kann die Vorwürfe nicht nachvollziehen. "Davon ist mir nichts bekannt. Ich war  selber vor Ort und kenne keinen Fall. Ich habe darum gebeten, dass Mitarbeiter, auf die Druck ausgeübt worden ist, sich melden", sagte er im Gespräch mit der Redaktion. "Wir respektieren das Recht auf Streik und jeder, der will, kann dies tun." Der Warnstreik sei angekündigt worden und im Unternehmen habe man entsprechend die Produktion reduziert, "um Mitarbeitern die Luft zu geben, zu streiken". Vion, so van Zütphen, geht davon aus, am Ende eine Einigung zu erzielen. "Wo die liegt, ob näher an 10,50 Euro oder an 12,50 Euro, kann ich aktuell nicht sagen."

Arbeitskampf geht weiter

Seitens der Gewerkschaft ist man gewappnet. Der Warnstreik sei erst der Anfang. Brümmer: "Ziel ist heute nicht, einen großen wirtschaftlichen Schaden anzurichten. Wir wollen ein Zeichen setzen." Nächste Woche sind nach seiner Aussage andere Betriebe an der Reihe, auch Tönnies. Bei Wiesenhof habe man jüngst erfolgreich verhandelt. "Es geht also, man muss es nur wollen." Wenn die Arbeiter nach Tarif bezahlt würden, bedeutet dies nach Brümmers Aussage einen Mehrpreis von sechs Cent pro Kilo für den Verbraucher an der Ladentheke. "Dazu ist jeder Kunde bereit."

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