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Viele Lehrstellen bleiben dieses Jahr leer

In den Landkreisen Vechta und Cloppenburg bereitet die Suche nach Auszubildenden den Unternehmen große Sorgen. Einige steigen auf neue Methoden bei der Stellenausschreibung um.

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889 freie Ausbildungsplätze im Oldenburger Münsterland: Unternehmen klagen zum Start des Ausbildungsjahrs über fehlende Bewerberinnen und Bewerber. Foto: dpa/Schmidt

889 freie Ausbildungsplätze im Oldenburger Münsterland: Unternehmen klagen zum Start des Ausbildungsjahrs über fehlende Bewerberinnen und Bewerber. Foto: dpa/Schmidt

Immer mehr Ausbildungsstellen im Oldenburger Münsterland bleiben unbesetzt. Laut einer Mitteilung der Agentur für Arbeit waren von 3166 Lehrstellen, die der Agentur gemeldet wurden, Ende August noch 889 unbesetzt. Das bedeutet, jede 4. Stelle ist frei. Dieser Trend werde besonders in der Zukunft Konsequenzen mit sich bringen, wie verschiedene Unternehmerinnen und Unternehmer in Südoldenburg berichten. 

Claus Bube ist Ausbildungsleiter bei Böckmann Maschinenbau in Holdorf. Jedes Jahr bildet er junge Menschen als Feinwerkmechaniker aus. 5 Ausbildungsplätze standen auch dieses Jahr wieder zur Verfügung – besetzt worden seien davon aber nur 2. "Wir haben schon etwas länger Probleme damit, Auszubildende zu finden", berichtet der Maschinenbaumeister. Seit ungefähr 10 Jahren hätten die Bewerbungen mehr und mehr abgenommen. "Vor den 2000er Jahren hatten wir hier 40 bis 50 Bewerbungen auf dem Tisch liegen."

Für die schwindende Nachfrage sieht er mehrere Ursachen: "Der Weg in die höheren Schulen wird immer einfacher. Heutzutage macht ein Realschüler noch fix das Fachabitur und geht studieren. Früher hat man nach der Realschule noch häufiger eine Ausbildung begonnen", erklärt Bube. 

Der Fachkräftemangel wird sich verschärfen

Besonders das Ansehen der Ausbildung sei laut dem Ausbildungsleiter bei den Jugendlichen gesunken. "Es ist schwere körperliche Arbeit und die Entlohnung ist nicht überaus hoch. Das wirkt auf viele erst einmal abschreckend." Dennoch wirbt er für eine handwerkliche Ausbildung. Denn: Der Fachkräftemangel werde sich durch diese Problematik weiterhin verschärfen. "Die Nachwuchs-Arbeitskräfte fehlen. Die Maschinen können nicht besetzt werden und der Kreislauf geht kaputt", berichtet Bube.

Auch das Friseurhandwerk berichtet von der gleichen Problematik. Irina Leinweber vom Friseursalon "Haarlights" aus Cloppenburg konnte dieses Jahr ihren angebotenen Ausbildungsplatz nicht besetzen. "Das Problem liegt nicht daran, dass es nicht die passenden Auszubildenden gibt, sondern daran, dass einfach keine Bewerbungen kommen", berichtet sie. Auch Leinweber glaubt, dass Ausbildungen auf junge Menschen vermehrt unattraktiv wirken. "Oft wird gesagt, dass man nur durch das Studium Geld verdienen kann. Aber nach der Ausbildung gibt es noch viele Möglichkeiten". 

Schüler sollen über Social Media erreicht werden

Die Wege, wie die Unternehmen versuchen, dem Problem entgegenzutreten, gestalten sich indes durchaus unterschiedlich. Die Böckmann Maschinenbau nimmt beispielsweise an sogenannten Lehrstellenbörsen teil, bei denen die Ausbildungsberufe vorgestellt werden. Irina Leinweber versucht es hingegen neben den gängigen Möglichkeiten, wie einer Stellenausschreibung bei der Agentur für Arbeit, auch über Social-Media-Plattformen. Am wichtigsten seien für sie aber Praktika. "Durch ein Praktikum merken viele, ob der Beruf etwas für sie ist oder nicht. Wenn es ihnen gefallen hat, überlegen sie oft, eine Ausbildung zu absolvieren. Daher finde ich, ist dies die beste Möglichkeit", so die Friseurin.

Gerhard Glup, Geschäftsführer der Bäckerei Glup aus Friesoythe, setzt indes darauf, die Ausbildung attraktiver zu gestalten – beispielsweise durch Aktionen und Vorteile in verschiedenen Bereichen. "Eine Mitgliedschaft im Fitnessstudio oder eine bessere Entlohnung wären vielleicht für viele wieder ein Anreiz für eine Berufsausbildung", sagt er. Das Unternehmen bilde jährlich Fachverkäufer, Bäcker und Konditoren aus. In einem Punkt sind sich Claus Bube, Irina Leinweber und Gerhard Glup einig: Für Ausbildungen sollte mehr an Schulen geworben werden, um Vorurteile abzubauen und dem Abwärtstrend, was die Ausbildungsplatzsuche angeht, entgegenzutreten. 

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