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Verbandschef: Geflügelpestvirus ist hochaggressiv

Nach dem ersten Ausbruch der Geflügelpest bei Wildvögeln dauerte es einige Wochen, bis der Virus auch in Nutztierställen im Landkreis Cloppenburg landete. Vor allem Putenhalter sind betroffen.

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Symbolfoto: dpa

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Trotz vieler Sicherheitsmaßnahmen auf den Geflügelhöfen sind vor allem im Landkreis Cloppenburg in den vergangenen Tagen viele Putenbetriebe vom Ausbruch der Geflügelpest betroffen gewesen. Für eine Zwischenbilanz des aktuell entstehenden Schadens sei es noch zu früh, sagte der Präsident des Zentralverbandes der Deutschen Geflügelwirtschaft und Vorsitzende der Niedersächsischen Geflügelwirtschaft, Friedrich-Otto Ripke.

Er glaube nicht, dass die Betriebe Sicherheitsmaßnahmen vernachlässigen, denn dann riskierten sie auch Schadensersatzkürzungen aus der Tierseuchenkasse. Das könnte existenzbedrohend sein, betonte Ripke.

Ausbruch vor 3 Jahren verursachte Schaden von 17 Millionen Euro

"Wir haben aus 2017 einiges gelernt", sagte er. Damals kam es zum letzten großen Geflügelpest-Ausbruch in Niedersachsen, auch damals vor allem in Landkreisen Cloppenburg und Oldenburg. Der wirtschaftliche Schaden damals war für die Landwirte immens. Allein die Tierseuchenkasse verzeichnete seinerzeit einen Schaden von bis zu 17 Millionen Euro.

Wie damals haben auch wieder Betriebe einen Schaden, die keine Puten halten. So verweigere etwa ein niederländischer Schlachthof die Abnahme von gesunden Masthähnchen aus den Beobachtungsgebieten. Auch der Export von Bruteiern von Elterntierhähnen nach Russland und in die Niederlande falle weg, obwohl dieser nach EU-Recht noch möglich sei, sagte Ripke.

Präsident des Zentralverbandes der Deutschen Geflügelwirtschaft und Vorsitzende der Niedersächsischen Geflügelwirtschaft: Friedrich-Otto Ripke. Foto: picture alliance  Sebastian Gollnow dpaPräsident des Zentralverbandes der Deutschen Geflügelwirtschaft und Vorsitzende der Niedersächsischen Geflügelwirtschaft: Friedrich-Otto Ripke. Foto: picture alliance / Sebastian Gollnow /dpa

Aus dem Geflügelpestausbruch vor vier Jahren habe die Branche einiges gelernt, betonte Ripke. Die Betriebe schützen ihr Lagerstroh vor den Kontakt mit Wildvögeln, lagern es zum Beispiel im Stall, statt es von draußen hineinzufahren. Auch zahlreiche andere Sicherheitsmaßnahmen sollen verhindern, dass etwa Kot von Wildtieren in die Ställe kommt. Allerdings ließen sich Putenställe nicht hermetisch abriegeln, die Längswände müssten aus Gründen der Tiergesundheit gelocht sein, dass Außenluft hineinkommt. Zum Teil werde aber schon die Windseite mit einer Folie abgedeckt.

"Das haben wir noch nie gehabt, dass wir an der schleswig-holsteinischen Küste 12.000 Wildtiere tot aufgefunden haben."Friedrich-Otto Ripke, Präsident des Zentralverbandes der Deutschen Geflügelwirtschaft

Das aktuelle Virus scheine sehr aggressiv zu sein, sagte Ripke. "Es ist schlimm. Das haben wir noch nie gehabt, dass wir an der schleswig-holsteinischen Küste 12.000 Wildtiere tot aufgefunden haben." Auch in Mecklenburg-Vorpommern oder auf den Halligen habe es noch nie so viele Ausbrüche gegeben.  Auch viele Wildtiere, wie etwa Stockenten, tragen das Virus weiter, ohne selber zu erkranken.

Besonders die Fälle in den Gemeinden Garrel und Bösel bereiten den Veterinären im Cloppenburger Kreishaus Sorgen. "Es ist kritisch, dass in den Gemeinden Garrel und Bösel trotz der hohen Wildvogelpopulation und der alle Jahre wiederkehrenden Geflügelpest immer wieder so viele Puten eingestallt werden", sagt Dr. Karl-Wilhelm Paschertz, Leiter des Amtes für Veterinärwesen und Lebensmittelüberwachung. Deshalb sei es "wichtig, dass sämtliche Biosicherheitsmaßnahmen in dieser geflügeldichten Region eingehalten werden".

Wie schwierig die Geflügelpest-Situation für die Landwirte ist, berichtete ein betroffener Geflügelzüchter gegenüber OM online. Die Infektion lasse sich anfangs kaum erkennen. „Die Puten haben normal gefressen und auch sonst keine Symptome gezeigt.“ Doch dann sei alles zu schnell gegangen. „Das Virus ist sehr aggressiv", sagt auch er.

Seit dem Herbst ist in Europa ein für Tiere hochansteckender Geflügelpest-Virus unterwegs. Zunächst wurde der Erreger des Typs H5N8 bei Wildtieren an den Küsten gefunden. Den ersten Ausbruch im Landkreis Cloppenburg gab es kurz vor Weihnachten in Kellerhöhe. Kurz darauf waren weitere Betriebe betroffen - auch im Nachbarlandkreis Oldenburg. 

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