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Verbände fordern weitere Hilfsgelder für Schweinehalter

Die Afrikanische Schweinepest und die Corona-Pandemie haben Schweinehaltern enorm zugesetzt. Angesichts der angespannten Situation gab es Redebedarf am Montag.

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Symbolfoto: dpa

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Verbände fordern weitere Hilfsgelder für Schweinebauern in Niedersachsen. "Die Politik ist gefordert, mit weiteren Corona-Hilfen und verlässlichen Rahmenbedingungen, wie zu tierwohlgerechten Stallumbauten, zu stützen. Die Landesregierung kann hingegen mit Steuerstundungen helfen", sagte der Präsident des Bauernverbandes Landvolk, Holger Hennies, am Montag auf Anfrage. Hennies sprach von der schwersten Krise für Schweinemäster und Ferkelerzeuger seit 30 Jahren. Der Geschäftsführer der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN), Torsten Staack, forderte ebenfalls weitere Hilfsgelder.

Am Montag beriet Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) mit Vertretern von Verbänden und dem Handel über die Situation der Schweinehalter. Diese hat sich laut Ministerium verschlechtert, weil die Betriebe mit niedrigen Preisen zu kämpfen haben - etwa weil viele Veranstaltungen ausfallen oder Gastronomen weniger Fleisch einkaufen. Zudem hätten zahlreiche Länder wegen der Afrikanischen Schweinepest Handelsbeschränkungen für deutsches Schweinefleisch verhängt – dadurch fallen wichtige Absatzmärkte weg, etwa in Asien. Nach Angaben des Landesbauernverbandes Landvolk wird pro Kilo Schwein derzeit 1,25 Euro gezahlt, 1,80 Euro sei jedoch mindestens notwendig, um kostendeckend arbeiten zu können.

Exportmärkte seien sehr wichtig, weil dort auch Teile des Schweines Abnehmer fänden, die in Deutschland weniger gefragt seien, wie die Füße des Tieres, erläuterte Staack. Er sprach nach den Beratungen von einem «vagen» Ergebnis, er habe jedoch ohnehin nicht mit einem Durchbruch gerechnet.

Otte-Kinast: Angebot an Schweinen ist noch zu groß

Otte-Kinast forderte mehr Hilfe von der Bundespolitik. "Die Landwirtschaft ist der Motor im ländlichen Raum. Wenn der stottert, dann läuft hier nichts mehr rund." Die Not der Schweinehalter wachse täglich. Bei der Agrarministerkonferenz werde Niedersachsen einen Antrag einbringen, um zwischen Bund und Ländern ein abgestimmtes Vorgehen gegen die Krise zu erreichen. Die Agrarministerkonferenz ist vom 29. September bis 1. Oktober in Dresden.

Otte-Kinast verdeutlichte zudem, dass jeder seinen Beitrag zur Krisenbewältigung zu leisten habe. Das Angebot an Schweinen sei noch immer zu groß, zudem müsse sich der Handel klar zur deutschen Produktion bekennen. Mit höheren Tierwohl- und Umweltstandards sollen neue Einkommensmöglichkeiten für Landwirte eröffnet werden. Konkrete Beispiele nannte die Ministerin zunächst nicht.

Bei den digitalen Beratungen waren auch mehrere Handelspartner vertreten, nach eigenen Angaben etwa Rewe oder die Schwarz-Gruppe, zu der Lidl oder Kaufland gehören. Die Politik müsse alles dafür tun, die Afrikanische Schweinepest einzudämmen und Exportmärkte wieder zugänglich zu machen, da deren Wegbrechen enorme Schwierigkeiten verursacht habe, hatte die Schwarz-Gruppe vor den Gesprächen mitgeteilt.

„1,25 Euro für das Kilo Schweinefleisch, 35 Cent für den Liter Milch – die Erzeugerpreise für Bäuerinnen und Bauern haben nichts mehr mit Kostendeckung und Gewinnerwirtschaftung zu tun. Sie sind strukturzerstörend und würdelos.“Georg Janßen, Bundesgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft

"Seit Jahren war absehbar, dass die starke Exportorientierung in der Schweinefleischproduktion zu einem Preisabsturz führen würde, wenn die afrikanische Schweinepest in Deutschland ankommt", kritisierte die agrarpolitische Sprecherin der Grünen-Landtagsfraktion, Miriam Staudte. Nach Angaben einer Sprecherin des Landwirtschaftsministeriums werden 35 Prozent der deutschen Schweineerzeugnisse exportiert – Zahlen zu Niedersachsen lagen zunächst nicht vor.

"1,25 Euro für das Kilo Schweinefleisch, 35 Cent für den Liter Milch – die Erzeugerpreise für Bäuerinnen und Bauern haben nichts mehr mit Kostendeckung und Gewinnerwirtschaftung zu tun. Sie sind strukturzerstörend und würdelos", kritisierte Georg Janßen, Bundesgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft.

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