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Vechtaer Unternehmen zieht es verstärkt nach Diepholz

Im Kreis Vechta steigt der Flächendruck weiter an. Neue Gewerbegebiete sind schwer auszuweisen. Anfragen von Firmen mit Sitz im Kreis Vechta  kommen von allein, so der Diepholzer Wirtschaftsförderer.

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Hier wird gebaut: Im neuen Diepholzer Gewerbegebiet Reessingstraße sollen 200 neue Arbeitsplätze entstehen. Foto: Jansen

Hier wird gebaut: Im neuen Diepholzer Gewerbegebiet Reessingstraße sollen 200 neue Arbeitsplätze entstehen. Foto: Jansen

Etwa 200 neue Arbeitsplätze entstehen im Gewerbegebiet Reessingstraße, das die Stadt Diepholz geschaffen hat. Dort werden sich auch mehrere Firmen aus dem Landkreis Vechta ansiedeln. In dem Gebiet, das südlich der Moorstraße, nördlich der Dieselstraße und östlich Junkernhäusern liegt, sind fast alle Flächen verkauft oder verbindlich reserviert. Das berichtete jetzt Bernd Öhlmann, Geschäftsführer der Diepholzer Gesellschaft für Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing (Wista), im städtischen Ausschuss für Steuerung und Finanzen.

Insgesamt 16 Betriebe werden das Gewerbegebiet Reessingstraße füllen. Dann hat die Stadt Diepholz nur noch vereinzelte Flächen für die Ansiedlung beziehungsweise Erweiterung von Unternehmen. "Der Kaufpreis von 33,50 Euro pro Quadratmeter war kein Thema", berichtete Öhlmann von Gesprächen mit Firmen über das neue Gewerbegebiet. Dieses wird zurzeit erschlossen: Leitungen werden verlegt und Straßen gebaut.

Auf Anfrage will Öhlmann die Namen der Unternehmen aus dem Kreis Vechta, die sich in Bälde im neuen Gewerbegebiet ansiedeln werden, nicht nennen. "Aber überwiegend gibt es konkrete Absichten", will der Diplom-Kaufmann auch nicht exakt angeben, wie viele Grundstücke im Bereich bereits an Vechtaer Betriebe veräußert sind. "Dreiviertel der Flächen an der Reessingstraße sind jedenfalls bereits weg, für die übrigen gibt es sehr konkrete Voranfragen oder wir befinden uns in Verkaufsgesprächen", lässt sich der städtische Wirtschaftsförderer noch entlocken.

Vielfältige Gründe für den Standort in Diepholz

Die Gründe für die Unternehmer aus dem Kreis Vechta, ihren Standort in Diepholz zu wählen, sind vielschichtig, sagt Öhlmann. An erster Stelle nennt er allerdings den "Flächendruck" in den Kommunen des Kreises Vechta. Ein Teil der Betriebe fände keine Siedlungsmöglichkeiten in ihrer angestammten Kommune mehr. Andere verlegten ihren Firmenstandort, da bereits ein großer Teil der Mitarbeiter aus dem Landkreis Diepholz komme, wieder andere suchten die Kundennähe.

In der Regel handelt es sich um Komplettverlegungen von Unternehmen, sagt Öhlmann. Will heißen: Firmen, die in das neue Gewerbegebiet Reessingstraße ziehen, verlassen ihren Standort in einer Vechtaer Kommune. Was letztlich für die abgebende Kommune auch den Verlust der Gewerbesteuern bedeutet. Dass die Diepholzer Wirtschaftsförderung aktiv Unternehmen aus dem Landkreis Vechta abwirbt, das weist Öhlmann weit von sich: "Ein kategorisches Nein." Um augenzwinkernd hinzuzufügen: "Aber sicher haben viele Unternehmen über Mund-zu-Mund-Propaganda inzwischen gehört, dass man auch jenseits des Moores in Sachen Wirtschaft ganz gut betreut wird."

Derzeit verzeichne er zahlreiche "Anfragen, die von außerhalb kommen", und die auch er gar nicht alle positiv beantworten könne. Oft fragten – wie im Fall der bald an der Reessingstraße siedelnden Unternehmen – "mittelständische Firmen" an, die nach Diepholz umsiedeln wollen. "Aber eher aus dem westfälischen Raum".

Der Wirtschaftsförderer der Stadt Diepholz, Bernd Öhlmann. Foto: PrivatDer Wirtschaftsförderer der Stadt Diepholz, Bernd Öhlmann. Foto: Privat

Stadt begleitet Unternehmen mit Programmen wie "Diepholz digital"

Mittlerweile habe sich die Stadt aber durchaus einen Namen im E-Commerce-Sektor gemacht, unter "jüngeren, modernen digitalen Unternehmen". Die Stadt begleite diese mit Programmen wie "Diepholz digital" und "Diepholz bei Ebay". Gerade hätten sich Start-Ups aus Mecklenburg-Vorpommern und aus Bremen in Diepholz niedergelassen.

Die Wista ist eine Gesellschaft der Stadt Diepholz. Sie verfügt über ein Budget von 160.000 Euro im Jahr, mit dem sie Investitionen von Diepholzer Betrieben unter bestimmten Voraussetzungen fördern kann.

Doch auch Öhlmann kann Firmen nicht unendlich Gewerbeflächen anbieten. So fehlen in seiner Stadt die Mischgebietsflächen. Unternehmer suchen nach Öhlmanns Erfahrung auch die Möglichkeit, neben dem Betrieb zu wohnen, damit sie kurze Wege zur Firma haben. Solche Gebiete gebe es derzeit in Diepholz nicht, blickt Öhlmann auf die Ratspolitik, die solche Flächen schaffen könnte.

Steinkamp: Flächen sind schon seit langem ein "knappes Gut" im Kreis Vechta

Jochen Steinkamp, Sprecher des Landkreises Vechta, bestätigt nach Rücksprache mit der dortigen Wirtschaftsförderung, dass "Flächen schon seit langem ein knappes Gut im Landkreis Vechta sind. Sowohl beim Wohnbauland als auch beim Gewerbe ist die Nachfrage höher als das Angebot. Dies schlägt sich auch in den stetig steigenden Preisen nieder." Da der Wirtschaftsstandort Landkreis Vechta "überdurchschnittlich attraktiv" sei, bleibe die Nachfrage nach neuen Flächen hoch.

In welchen Städten und Gemeinden es derzeit am meisten kneift, wenn es um die Bereitstellung von Gewerbeflächen geht, "können wir als Landkreis nicht beantworten". Der Landkreis selbst besitzt keine eigenen Gewerbeflächen, die vermarktet werden könnten, erklärt Steinkamp. "Mögliche neue Flächen bedeuten gleichzeitig eine Verringerung der land- oder forstwirtschaftlichen Flächen." Daher müsse in der Tat über neue Wege in der Flächenbereitstellung nachgedacht werden. "Interkommunale Gewerbeparks" könnten eine der Möglichkeiten sein.

Der Landkreis habe im neuen Entwurf des Regionalen Raumordnungsprogramms (RROP) aufgezeigt, "wo die Entwicklung von neuen Gewerbestandorten künftig möglich wäre", sagt Steinkamp. Darunter seien auch Flächen, die für eine interkommunale Zusammenarbeit geeignet wären, "beispielsweise in Autobahnnähe".

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