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Vechtaer Firma baut am neuen Kran der "Polarstern" mit

Forschungsschiff "Polarstern": Der Hydraulikspezialist "eska" in Calveslage wird die vier Großteile des Krans innerhalb von wenigen Wochen ergänzen und gemeinsam mit anderen Firmen bestücken.

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Eska-Chef Stephan Kallage mit dem Konstruktionsplan an den beiden Teleskopelementen des neuen Krans für die „Polarstern“. Foto: Kühn

Eska-Chef Stephan Kallage mit dem Konstruktionsplan an den beiden Teleskopelementen des neuen Krans für die „Polarstern“. Foto: Kühn

Am 12. Oktober soll das größte und wichtigste Forschungsschiff des Alfred-Wegener-Instituts (AWI), die "Polarstern" von ihrer aktuellen Reise in den Heimathafen nach Bremerhaven zurückkehren. Während der MOSAiC-Expedition erforschen Wissenschaftler aus 20 Nationen die Arktis im Jahresverlauf. Seit rund einem Jahr driftete die Polarstern dazu eingefroren im Eis durch das Nordpolarmeer. Bevor das nach Aussage des AWI "wichtigste Werkzeug der deutschen Polarforschung" im Dezember zu seiner nächsten Reise aufbricht, stehen auf der Lloyd-Werft in Bremerhaven Reparatur- und Wartungsarbeiten an, die dieses Mal auch eine enge Beziehung zur Stadt Vechta aufweisen. Die "Polarstern" erhält einen neuen Bordkran, dessen vier große, bislang technisch noch "nackte" Einzelteile derzeit bei "eska-Hydraulik" in Calveslage lagern.

Der größte Bordkran der "Polarstern" wird ersetzt

In Dienst gestellt wurde die "Polarstern" im Dezember 1982. An durchschnittlich 310 Tagen im Jahr im Einsatz, die überwiegende Zeit in eisigen Polargebieten, wird das Schiff hoch beansprucht. Regelmäßige Wartung ist deshalb ein Muss, der Ersatz abgängiger Geräte und Anbauten unumgänglich. So ist es auch mit dem größten Bordkran des Schiffes, der ersetzt wird. In den vergangenen eineinhalb Jahren wurde dieser völlig neu konstruiert und wird von Eska jetzt vorinstalliert.

Der leistungsfähige Kran kann bis auf 32 Meter Länge ausgefahren werden und hebt dabei immer noch zwölf Tonnen Gewicht. "Kein Kran von der Stange", sagt Stephan Kallage, Inhaber von Eska. Der Kran entsteht unter der Federführung des Büros Müller und Schmoranzer aus Sande. Mehrere Firmen sind beteiligt, Eska ist der Projektierer im Hydraulikbereich, plant, liefert und montiert diese Komponenten für den Kran. Alles in allem ein Auftrag mit einem Wert im sechsstelligen Bereich, freut sich der 54 Jahre alte Kallage.

In sechs bis acht Wochen werden alle Komponenten bei Eska verbaut und zusammengefügt sein, sodass von Vechta aus in einem Schwertransport nur noch zwei Bauteile auf den Weg zur Werft nach Bremerhaven gebracht werden. Ende November soll die Endmontage auf dem Schiff erfolgen, der Germanische Lloyd als der „Schiffs-TÜV“ wird die Anlage technisch abnehmen.

Blick auf das starre Element des neuen Krans und den Sockel. Foto: Kühn Blick auf das starre Element des neuen Krans und den Sockel. Foto: Kühn 

Gerade wurden von Stanitech lackierte Anbauteile des Krans bei Eska angeliefert. Diese gruppieren sich mit weiteren Teilen aus Edelstahl und gemeinsam mit den Hydraulik- und den elektrotechnischen Komponenten um den Teleskopabschnitt des künftigen Krans in der Eska-Montagehalle. Im Außengelände sind bereits ein überdimensionales festes Kranarmelement und der drehbare Kransockel aufgebaut. Allein letzteres Kranteil wird später auf dem Schiff 5,80 Meter hoch sein. "Man bekommt Respekt vor den Dimensionen und der Tragkraft", sagt Kallage mit Blick auf die Montagearbeiten.

Angesichts der eisigen Operationsfelder Arktis und Antarktis werden hohe Ansprüche an den Korrosionsschutz, die Funktionalität und Langlebigkeit des Materials und die Wartungsfreundlichkeit des 30 Tonnen schweren Krans gestellt, berichtet Kallage. "Die Ingenieure auf dem Schiff wollen Zuverlässigkeit und Einfachheit." Diese Ansprüche gelten auch für die Hydraulik und die am Markt erworbenen Teilkomponenten. "Alles muss bei Temperaturen von unter 30 Grad minus funktionieren. Standard gibt es da nicht."

Die später zu verbauenden Teile sind bereits um die Teleskopelemente des Krans in der Montagehalle verteilt. Foto: Kühn Die später zu verbauenden Teile sind bereits um die Teleskopelemente des Krans in der Montagehalle verteilt. Foto: Kühn 

Kallage aber weiß, dass er gemeinsam mit seinen zwölf Mitarbeitern seinen Teil der Arbeit am Kran verlässlich erfüllen wird. Gerade was Wasser angeht, hat Eska viel Erfahrung, hat man zuletzt doch mehrfach die abgängige Hydraulik von Brückenbauten und Hochwasserschutzanlagen erneuert. Hier verweist Kallage etwa auf die Rüstringer Brücke in Wilhelmshaven und Sielkonstruktionen in Ostfriesland. Gerade hat man vom Land Schleswig-Holstein den Auftrag für neue Hydraulikzylinder an der Schleibrücke erhalten, quasi "an Land gezogen". Der Auftrag ist rund 400.000 Euro wert. Ein Auftrag für die Sielkanalbrücke in Papenburg steht kurz vor dem Abschluss. "Das ist ein wachsendes Geschäftsfeld für uns, denn in diesem Bereich stehen viele Sanierungen an", sieht Kallage gute Geschäfte auch in der Zukunft.

Die Umsätze des Unternehmens sind seit der Gründung vor acht Jahren kontinuierlich gestiegen, auf zuletzt 3 Millionen Euro. "Auch Corona hat uns nicht richtig getroffen", freut sich der gelernte Landmaschinenmechaniker und Karosserie- und Fahrzeugbaumeister, der seine Erfahrung in der Hydraulik in langjähriger Tätigkeit in einem Unternehmen in der Region erworben hat. "Wir sind nicht die billigsten. Das liegt daran, dass wir auf Funktionalität und Qualität blicken, keine Serien fertigen, sondern uns auf den individuellen Auftrag konzentrieren. Dort sind angesichts herrschender Platz- und Einbauverhältnisse oft technisch anspruchsvolle Sonderlösungen gefragt – die kosten ihr Geld."

Die Kranwinde wird später ein 28 Millimeter dickes Seil aufnehmen. Foto: KühnDie Kranwinde wird später ein 28 Millimeter dickes Seil aufnehmen. Foto: Kühn

Eska ist auch Auftragnehmer deutscher Anlagenhersteller. Hydrauliklösungen aus Calveslage sind deshalb längst über den Globus verteilt. So kommen dann auch die Aufträge für Reparatur und Wartung für Eska mittlerweile aus der ganzen Welt, sodass die hauseigenen Monteure stetig auf Achse sind. Kallage ist selbst "Weltreisender in Sachen Hydraulik" und jettet für Wartungen um die Welt, landet etwa in China, Mexiko oder in arabischen Ländern – und sammelt dabei ganz nebenbei die Kontakte für die nächsten Aufträge. Eine seiner nächsten Reisen dürfte eine kürzere, und die auf der "Polarstern" sein, wenn es dann für Funktionsprüfung und die Einstellungsarbeiten am neuen Kran auf Tagesfahrt geht.

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