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"Unwägbarkeit der Entwicklung zu großes Risiko"

Heidegret Steffens sagt den 34. Kunst- und Handwerksmarkt in Löningen ab. Dafür hat sich die Seidenmal-Künstlerin in Absprache mit Stadtmarketing-Manager Jörn Willen entschieden.

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Lädt zum Atelier-Besuch ein: Angesichts  des Ausfalls von Ausstellungen und Veranstaltungen öffnet die Löninger Seidenmal-Künstlerin Heidegret Steffens ihr Atelier nach Absprache  für Interessierte.   Foto: Willi Siemer

Lädt zum Atelier-Besuch ein: Angesichts des Ausfalls von Ausstellungen und Veranstaltungen öffnet die Löninger Seidenmal-Künstlerin Heidegret Steffens ihr Atelier nach Absprache für Interessierte.   Foto: Willi Siemer

Schweren Herzens hat sich Organisatorin Heidegret Steffens entschlossen, den eigentlich am 7. und 8. November geplanten „Löninger Kunst- und Handwerksmarkt abzusagen. „Das wäre die 34. Veranstaltung gewesen, und jetzt der erste Ausfall“, ärgert sich die Löninger Seidenmalkünstlerin.

Alle Einladungen habe sie bereits im Frühjahr klar gemacht, das Programm habe festgestanden. So habe der auf Bali lebende Holzschnitz-Künstler Hans-Peter Reichelt ebenso wie erstmals Manuela Reinhard aus Frankfurt mit ihren aus Kaffeetüten gefertigten Taschen zugesagt. Gefreut hätten sich nach dem Erfolg im vergangenen Jahr auch Wolfgang und Monika Potocki, die vom Chiemsee wieder nach Löningen gereist wären.

Viele Künstler hatten schon für den Markt in diesem Jahr zugesagt

Sie habe lange überlegt und auch mit Kollegen diskutiert, denn theoretisch wäre die Veranstaltung mit den coronabedingten Einschränkungen noch möglich gewesen. Aber gerade die vorgeschriebenen Abstände verhinderten den Austausch und das Gespräch zwischen Besuchern und Ausstellern insbesondere im Atmosphärischen derart, dass der Charakter der Veranstaltung verloren zu gehen drohe.  

Weiterer Grund zum Verzicht auf dieses nicht nur bei den Löningern beliebten Marktes im Forum Hasetal seien die Unwägbarkeiten in der weiteren Entwicklung des Virus. Es sei daher besser, schon jetzt die Reißleine zu ziehen, als von einer notwendigen Verschärfung kurz zuvor kalt erwischt zu werden, so die Künstlerin. Eine Rolle spiele auch die Tatsache, dass angesichts der Furcht vor Ansteckung und der gezeigten Vorsicht nicht mit den üblichen Besucherzahlen auf dem Kunst- und Handwerksmarkt gerechnet werden könne. Das sei natürlich für die Aussteller ein Problem. In diesen ohnehin für Künstler und Kunsthandwerker schwierigen Zeiten, in denen etliche Kollegen schon Sozialhilfe beantragt hätten, helfe es wenig, wenn zusätzlichen Kosten für eine weite Anreise keine oder nur geringe Einnahmen gegenüberständen, so Steffens.

Viele Künstler und Kunsthandwerker haben schon Sozialhilfe beantragt

Daher habe sie sich in Absprache mit Stadtmarketing-Geschäftsführer Jörn Willen zur Absage entschieden. Die Hoffnung aller Beteiligten sei jetzt, dass sich die Situation bis zum kommenden November durch einen Impfstoff grundlegend ändere und wieder Normalität einkehre. Auch sie persönlich treffe die Coronakrise hart, denn sie habe seit einem guten halben Jahr fast keinerlei Einnahmen mehr und 90 Prozent Umsatzeinbruch, denn alle Kunst- und Handwerkermärkte, an denen sie regelmäßig teilnehme, seien abgesagt, und eine Besserung nicht in Sicht. Mindestens ein Jahr ohne Ausstellungen sind für sie eine realistische Perspektive. Unabhängig davon, wie es mit Corona weitergehe, habe sie sich zu einer Strategie-Änderung entschlossen, so Steffens. Sie wolle nicht mehr 140 Tage im Jahr auf der Straße unterwegs sein, sondern sich gezielt die besten Ausstellungen heraussuchen und mehr zu Hause arbeiten.

Der Kostenapparat, der bedient werden müsse, sei mit den Standmieten, dem teuren Material und den Auto-Ausgaben so hoch, dass für die eigentliche Arbeit, das Entwerfen, das Färben, Bearbeiten der Seide und das Maßschneidern der Röcke, Kleider oder Blusen, kein großer Stundenlohn übrig bleibe.

Sie wolle sich darüber aber auf keinen Fall beschweren, ihre Arbeit mache ihr große Freude und sei erfüllend, denn zum einen sei der kreative Part herausfordernd und mache Spaß. Zum anderen gebe auch der Austausch mit neuen Kundinnen und die Arbeit für ihre treuen Abnehmerinnen ihrer Unikate ihr eine tiefe Befriedigung.  

Um angesichts der Probleme und Einbrüche in der Kunstszene den Interessierten zumindest ein klein wenig Atmosphäre und ein bisschen Kunst bieten zu können, will die Seidenmal-Künstlerin ihr Atelier in der Löninger Innenstadt zumindest zeitweise für Interessierte öffnen.   Sie lade ein, ihr bei der Arbeit mit dem vorgeschriebenen Abstand über die Schulter zu schauen. Feste Zeiten seien angesichts sonstiger Verpflichtungen nicht möglich.

  • Info: Näheres und Absprachen können unter Telefon 0151/53730291 erfolgen.

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