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Unternehmer bemängeln lange Wartezeit

Sind die Auflagen  für Bauherren mittlerweile zu hoch? Lastrups Bürgermeister findet ja - die Kreisbehörde widerspricht. Die Vorgaben hätten sich nicht geändert.

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Bescheid erhalten (von links): Frederik und Christian Klugmann errichten in Lastrup ein neues Büro nebst Lager. Bürgermeister Michael Kramer überreichte die Förderung. Foto: Meyer

Bescheid erhalten (von links): Frederik und Christian Klugmann errichten in Lastrup ein neues Büro nebst Lager. Bürgermeister Michael Kramer überreichte die Förderung. Foto: Meyer

Für Christian Klugmann könnte es zurzeit nicht besser laufen. Der Heizungs- und Sanitärexperte errichtet gerade einen neuen Stammsitz im Lastruper Gewerbegbiet Hohes Feld. Sein Sohn Frederik (25) wird den Betrieb in absehbarer Zeit übernehmen. Und auch Corona kann den Bauboom, von dem die Klugmanns profitieren, bislang nicht stoppen. Von Bürgermeister Michael Kramer gab es jetzt außerdem noch Geld, genau genommen 37.500  Euro aus der Landesförderung für kleine und mittlere Unternehmen (KMU).

Es ist der Höchstbetrag, denn Klugmann benötigt nicht nur größere Räumlichkeiten, sondern wahrscheinlich bald auch mehr Personal. Mehr als 20 Mitarbeiter beschäftigt er bereits. Demnächst sollen weitere hinzukommen. 1983 hatte sich Christian Klugmann, der einen Meister in Anlagenmechanik besitzt, selbstständig gemacht und eine Erfolgsgeschichte geschrieben, die typisch für die Region ist. Eine Corona-Delle kann er in seiner Branche nicht ausmachen. Noch sei die Auftragslage gut, Vorhaben, die bereits angelaufen sind, würden auch zu Ende gebaut. Über die Zukunft sage das natürlich noch nichts aus. Sowohl der 65-Jährige als auch sein Sohn, der zurzeit nebenbei seinen Abschluss zum Betriebswirt macht, bleiben aber optimistisch.

Projekt musste einige bürokratische Hürden nehmen

Über die öffentliche Förderung freuen sich die beiden zwar. Noch schöner hätten sie es gefunden, wenn ihr Projekt weniger hohe bürokratische Hürden hätte nehmen müssen, bevor die Bagger am Hohen Feld anrollen durften. Die Bearbeitung ihres Bauantrages habe deutlich länger als erwartet gedauert. Vor allem über die statischen Anforderungen an ihren Neubau haben sich die beiden Handwerker gewundert. "Im Fundament ist jetzt mehr Stahl als Beton drin", sagt Frederik Klugmann. Auch Michael Kramer hält so manche Bauauflage für überzogen. "Allein in den vergangenen zehn Jahren wurde die Latte immer höher gepackt."

"Allein in den vergangenen zehn Jahren wurde die Latte immer höher gelegt."Michael Kramer, Bürgermeister in Lastrup

Vor 50 Jahren seien Häuser auch nicht "einfach so" eingestürzt, obwohl die statischen Vorgaben deutlich weniger streng gewesen seien. "Wir müssen hier ja nicht mit einem Erdbeben rechnen, aber jeder versucht, sich rechtlich so gut wie möglich abzusichern." Die Landkreismitarbeiter nahm Kramer aber in Schutz. Sie machten die Regeln nicht, sondern müssten die immer länger werdenden Anträge bearbeiten. "Es ist aber klar, dass gerade die Wirtschaft zurecht darauf drängt, dass ihre Anliegen möglichst schnell an die Reihe kommen." Innerhalb von zwei Monaten müsse das geschehen, fordert Kramer. "Das wäre  optimal."

Erst müssen die Fachbehörden gehört werden

Beim Landkreis geben sie sich etwas mehr Zeit. Zielsetzung sei, eine Genehmigung für gewerbliche Vorhaben innerhalb von drei Monaten zu erteilen, erklärt Sprecher Frank Beumker auf Anfrage. Zuvor müssten die Fachbehörden gehört werden. Bei einem landwirtschaftlichen Betrieb könne es aber auch länger dauern, da Hallen dort je nach Lagergut besondere Anforderungen erfüllen müssten.

Ein Problem für die Sachbearbeiter: Vollständig eingehende Anträge bekommen sie nur selten zu Gesicht. Häufig fehlten wesentliche Unterlagen,  berichtet Beumker. "Zum Teil werden Festsetzungen aus den Bebauungsplänen nicht eingehalten, die dann eine Änderung der Planung oder die Prüfung, ob Ausnahmen oder Befreiungen möglich sind, erfordern."

Manchmal lief es auch in der Verwaltung nicht ganz rund

In der Behörde selbst lief es aber offenbar auch nicht immer ganz rund. Im vergangenen Jahr habe es aufgrund personeller Veränderungen und entsprechender Umstrukturierungsmaßnahmen "in Einzelfällen" längere Laufzeiten gegeben, räumt der Kreissprecher ein. Die Auswirkungen reichten bis in dieses Jahr hinein.  

"Bei landwirtschaftlichen Hallen entsteht manchmal dieser Eindruck, wenn man Hallenbauten vor 2007 und danach vergleicht."Frank Beumker, Pressesprecher Landkreis Cloppenburg

Die statischen Vorgaben hätten sich in den letzten Jahren aber nicht geändert, stellt Beumker klar. "Bei landwirtschaftlichen Hallen entsteht manchmal dieser Eindruck, wenn man Hallenbauten vor 2007 und danach vergleicht". Anfang 2007 änderten sich die zu berücksichtigenden Wind- und Schneelasten. Die Folge waren deutlich größere Fundamente. Ein weiterer Grund für ungewöhnliche statische Anforderungen seien Besonderheiten in der Bauweise.

Welche Statiken Bauherren vorlegen müssen, gibt die Niedersächsischen Bauordnung vor. Um schneller ans Ziel zu kommen, empfiehlt der Landkreis, wenn möglich, auf eine Muster-Halle zurückzugreifen. Der Hersteller liefert die geprüften Typenstatik dann gleich mit. Und das spart Zeit.

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