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"Uns fehlt die Wärme für die Gebäude"

Biogasanlagen-Betreiber und die Stadt Löningen beklagen stetig zunehmende Zwangsabschaltungen durch den Netzbetreiber.

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Liefert Fernwärme für Löningen: Die Biogasanlage der Gebrüder Groß im Gewerbegebiet an der Lodberger Straße. Foto: Groß

Liefert Fernwärme für Löningen: Die Biogasanlage der Gebrüder Groß im Gewerbegebiet an der Lodberger Straße. Foto: Groß

Ein eigentlich sinnvolles Modell, das hilft, fossile Brennstoffe wie Gas und Öl beim Heizen von Schulen, Schwimmbädern, Krankenhäusern, Firmen und Wohnungen einzusparen, gerät im Oldenburger Münsterland durch einen Passus des Erneuerbaren-Energie-Gesetzes (EEG) in Gefahr. Denn dort ist gesetzlich festgelegt, dass alle Produzenten dieser Energie, von Windkraft über Solarenergie bis hin zu Biogas, am Einspeisemanagement (abgekürzt „Eisman“) teilnehmen müssen.

Dies ermöglicht der EWE per Fernschalte, ohne vorherige Ankündigung, die Motoren der Biogasanlagen abzuschalten - notwendig immer dann, wenn eine zu hohe Stromproduktion das Verteil- und Übertragungsnetz zu stark belastet und damit gefährdet. Das sei früher zweimal im Jahr geschehen, inzwischen seien die fünf Löninger Biogas-Anlagen davon jedes Wochenende betroffen, ärgert sich Rainer Diekmann aus Evenkamp. Wenn die Gasspeicher gefüllt seien, müsse das erzeugte Methan einfach abgefackelt werden, ohne Wärme erzeugen zu können. Dabei gehe es gar nicht ums Geld, denn wie alle anderen EEG-Produzenten auch werde der durch die Abschaltung nicht ins Netz gespeiste Strom dennoch weiterbezahlt, erläutert der Landwirt.

Bisheriger Rekord: 36 Stunden am Stück

Der längste bisherige Zeitraum seien 36 Stunden am Stück gewesen, berichtet Hermann Groß. Gemeinsam mit seinem Bruder Reinhard und ihren Söhnen betreiben sie eine der größten Biogasanlagen der Region. Vor allem aber versorgen sie mit der Anlage dutzende öffentliche Gebäude wie Schulen, Kindergärten, die Schwimmbäder, das Krankenhaus, Wohnkomplexe und viele Unternehmen in Löningen über das aufgebaute Fernwärmenetz mit Wärme. „Uns fehlt mit dieser Praxis die  Versorgungssicherheit. Denn diese plötzlich fehlende Wärme müssen wir durch eigene, mit fossilen Brennstoffen betriebene Heizungsanlagen kurzfristig selbst produzieren“, macht Löningens Bürgermeister Marcus Willen auf die Probleme der Stadt mit „Eisman“ aufmerksam. Der Gesetzgeber müsse über vernünftige Alternativen nachdenken, die jetzige Abschalte-Praxis sei keine Lösung. Gerade Biogas sei, anders als Energie aus Wind und Sonne, grundlastfähig und könnte im Gegensatz zu Windmühlen und Kollektoren nicht einfach an- und ausgestellt werden, so Willen.

Verärgerter Blick gen Landkreis Osnabrück

Die besondere Situation mache eine generelle Ausnahmeregelung notwendig, fordern die Löninger Betreiber. Sie begründen dies unter anderem mit der Notwendigkeit, die Versorgungssicherheit mit ökologisch erzeugter Wärme auch gewährleisten zu können. Weiteres Argument für eine Sonderrolle ist nach Aussage von Reinhard Groß der hohe Wirkungsgrad von weit über 70 Prozent der in den Anlagen eingesetzten Blockheizkraftwerke. Es widerspreche doch gerade den in den öffentlichen Debatten stets betonten ökologischen Gesichtspunkten, wenn man ausgerechnet die effizienteste Methode so benachteilige, so Groß.  Gleichzeitig werde aber in Offshore-Anlagen vor der Küste produzierter Strom bezahlt, der wegen fehlender Leitungen gar nicht ins Netz gespeist werden könne, kritisiert Diekmann.

Weiteres Ärgernis für die Löninger Anlagenbetreiber ist die Sonderstellung der Stadtgemeinde. Nur elf Kilometer weiter im Landkreis Osnabrück im RWE-Netz gebe es mindestens einen Anlagenbetreiber, der nicht einmal Abschalt-Vorrichtungen besitze, weil diese dort wegen des leistungsfähigen Hochspannungs- und Höchstspannungsnetzes nicht notwendig seien, so Hermann Groß. Gleichzeitig sind die leistungsfähigen Windanlagen in Menslage nicht ans RWE-Netz angeschlossen, sondern sorgen über die Einspeisung in Löningen häufig für Stromüberschuss.  

Es sei bereits seit Längerem ein Gespräch mit den Beteiligten geplant, reagierte die Bundestagsabgeordnete Silvia Breher aus Lindern auf Anfrage.

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