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Tschüss D-Mark, Hallo Euro: Friesoyther blicken auf Währungswechsel zurück

Auch nach 20 Jahren mit dem Euro ist die D-Mark nicht vergessen: Bänker Nikolaus Hüls berichtet von dem Andrang auf die Starterkits. Einzelhändler Heiner Schepers erlebt Kunden, die noch umrechnen.

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Die letzte Mark: Das Gedenkbuch zum Abschied der alten Währung bewahrt Volksbank-Vorstandsmitglied Nikolaus Hüls gut auf. Foto: Hahn

Die letzte Mark: Das Gedenkbuch zum Abschied der alten Währung bewahrt Volksbank-Vorstandsmitglied Nikolaus Hüls gut auf. Foto: Hahn

An den 16. Dezember 2001 kann sich Nikolaus Hüls noch gut erinnern. Kurz vor der Ablösung der D-Mark durch das Euro-Bargeld Anfang 2002 gaben die Banken erstmals Starterkits heraus. Schon damals arbeitete das heutige Vorstandsmitglied der Volksbank Barßel-Bösel-Friesoythe in dem Kreditinstitut in Friesoythe, ehemals Spadaka. "In der Schalterhalle gab es eine Riesen-Schlange. Jeder wollte das Kit haben", erzählt Hüls. 

Der Inhalt der begehrten Plastiktüte: 10,23 Euro in Münzen. Es sei extra ein Sonntag ausgewählt worden, erinnert sich Hüls, jeder sollte die Chance bekommen, die neue Währung zu erhalten. Vor 20 Jahren mussten dafür 20 D-Mark abgegeben werden, heute lässt sich ein Original-Starterkit für 11 bis 20 Euro bei der Handelsplattform Ebay erwerben. 

Mehr als 12 Milliarden D-Mark sind noch im Umlauf

Das Starterkit bewahrten einige in der trügerischen Hoffnung, dass es einmal viel wert sein wird, auf. Noch mehr Menschen horteten D-Mark: Mehr als 12 Milliarden sind nach Angaben der Deutschen Bundesbank von 2021 noch im Umlauf. Auch in Friesoythe komme es gelegentlich noch vor, dass D-Mark umgetauscht werde, berichtet Hüls. Deshalb habe das Kreditinstitut 2002 die Aktion "Her mit den Schlafmünzen" durchgeführt, erinnert er sich. Für den Caritas-Sozialfonds des ehemaligen Weihbischofs Max Georg Freiherr von Twickel seien ausländische Banknoten und D-Mark gesammelt worden. 

10,23 Euro für 20 D-Mark: Das Euro-Starterkit war vor 20 Jahren auch in Friesoythe sehr begehrt. Foto: Hahn10,23 Euro für 20 D-Mark: Das Euro-Starterkit war vor 20 Jahren auch in Friesoythe sehr begehrt. Foto: Hahn

Die Ausgabe des Bargelds brachte den Euro damals erst richtig ins Bewusstsein der breiten Bevölkerung. Die Banken jedoch hatten schon vom  1. Januar 1999 an elektronisch mit dem Euro als Buchungswährung zu tun, weiß Hüls. 20 Jahre später ist das Bargeld den Deutschen immer noch sehr wichtig, merkt der Bänker an. Laut einer Studie des Zahlungsdienstleisters Klarna aus 2021 ziehen die Deutschen im Vergleich zu anderen Ländern Bargeld deutlich anderen Bezahlmethoden vor. 

Außerdem erinnert sich Nikolaus Hüls an das Gefühl, das mit der Umstellung zu spüren war. Die Menschen seien sich unsicher gewesen, wie stabil die neue Währung ist. „Teuro“ wurde 2002 zum Wort des Jahres. Das habe auch daran gelegen, dass die D-Mark sich in der Vergangenheit durch das deutsche Wirtschaftswunder als Hartwährung bewährt hatte, erläutert Hüls. Auch jetzt noch würden sich einige ältere Kunden die D-Mark zurückwünschen. Damit gehören sie laut einer aktuellen Forsa-Umfrage zu einem Drittel der Deutschen.

Jeder zweite Deutsche rechnet noch in D-Mark um

Die Umfrage beweist auch, dass die D-Mark noch nicht aus den Köpfen verschwunden ist: Jeder zweite Deutsche rechnet laut Forsa bei größeren Anschaffungen in D-Mark um. Bernhard Stuke, Inhaber des gleichnamigen Schmuck- und Uhrengeschäfts in Friesoythe, kann die Zahl kaum glauben. "Ich hab nicht das Gefühl, dass die Leute noch umrechnen." Vor 20 Jahren hätten das einige Kunden getan, das habe sich aber schnell eingependelt.

Allgemein wäre die Umstellung für den seit 1862 bestehenden Laden ohne viel Aufwand von der Bühne gegangen. Es habe empfohlene Euro-Verkaufspreise gegeben, die Waren seien mit beiden Währungen bepreist worden, erzählt der Einzelhändler. Etwas sei ihm aber in Erinnerung geblieben: "Ich bin zur Bank hin und habe einen Leinensack mit Euro bekommen. Der war circa DIN A4 groß." Die darin erhaltenen Münzen und  Scheine waren als Wechselgeld gedacht. "Dabei", so Stuke, "hätten wir die Cent-Stücke eigentlich gar nicht gebraucht."

"Wir hatten vorher schlimmere Befürchtungen."Heiner Schepers, Einzelhändler

Heiner Schepers hingegen erlebt nach wie vor, dass ältere Kunden in D-Mark rechnen. Der Inhaber der gleichnamigen Friesoyther Buchhandlung erinnert sich, dass der Wechsel 2002 reibungslos funktionierte. "Wir hatten eine Kasse für Euro und eine zweite Kasse für D-Mark." Es sei, wenn auch selten, durchaus vorgekommen, dass ein 200-DM-Schein auf Euro herausgeben wurde. "Wir hatten vorher schlimmere Befürchtungen", blickt der Einzelhändler auf die Zeit vor 20 Jahren zurück.

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