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Tourismusbranche schöpft jetzt Zuversicht

Die Corona-Krise hat den Wirtschaftszweig besonders hart getroffen. Im Landkreis Vechta gibt es erste Zeichen, dass das Geschäft wieder anläuft.

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Strandvergnügen auf Abstand: So wie in Griechenland gelten auch in anderen südlichen Ländern Bestimmungen zum Schutz vor einer Corona-Infektion.  Foto: dpa / Partsalis

Strandvergnügen auf Abstand: So wie in Griechenland gelten auch in anderen südlichen Ländern Bestimmungen zum Schutz vor einer Corona-Infektion.  Foto: dpa / Partsalis

Kein Reiseverkehr, geschlossene Hotels und massenhafte Stornierungen von Urlaubsbuchungen. Die Corona-Krise hat die Tourismuswirtschaft besonders hart getroffen, im Inland und im Ausland.

Nun, nach drei Monaten, gibt es wieder einen Lichtblick für die Unternehmen – und ihre Kunden: Vom 15. Juni an werden laut einem Beschluss des Bundeskabinetts von Mittwoch die Reisewarnungen für 29 Länder in Europa aufgehoben. Stattdessen gibt es Reisehinweise zu spezifischen Risiken in den einzelnen Ländern, die aber als Urlaubsziele möglich sind.

Allerdings: Nicht alle Veranstalter bieten schon zum Stichtag 15. Juni Flugreisen an. Der Reisekonzern Tui will in der zweiten Junihälfte wieder Richtung Süden starten. Schauinsland Reisen plant, ab dem 26. Juni generell wieder Flugreisen anzubieten, Alltours ab 25. Juni.
Dennoch: Die Aufhebung der Reisewarnungen sei für die Tourismusbranche „ein außerordentlich wichtiges Signal“, sagte der Generalsekretär des Bundesverbandes der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW), Michael Rabe laut einer Mitteilung.

"Das nimmt langsam an Fahrt auf."Andreas Schwarmann, Geschäftsführer des "First Reisebüros Wilmering"

Auch im Landkreis Vechta gibt es unter Touristikunternehmen ein Aufatmen: „Positiv“ werde die Aufhebung der Reisewarnungen für 29 Länder aufgefasst, sagte Andreas Schwarmann, Geschäftsführer des „First Reisebüro Wilmering“ (Vechta). Schon seit einigen Tagen gebe es bereits eine Nachfrage für Urlaubsreisen in den Sommerferien, berichtete er. Gerade in Vechta gebe es viele Menschen, die gern verreisen wollen. „Das nimmt langsam an Fahrt auf“, sagte er.

Lange Zeit sei nichts gelaufen. Dennoch sei „gut zu tun gewesen“, um die Herausforderung zu meistern, die von Veranstaltern stornierten Reisen umzubuchen oder eben auch von Kundenseite her zu stornieren. Die halbe Mannschaft sei im Einsatz gewesen, berichtete er.

Von Hotel zu Hotel gibt es unterschiedliche Regelungen

Für die kommenden Wochen geht Schwarmann von einem neuen erhöhten Beratungsaufwand aus. Denn es gebe nun bei einigen Veranstaltern die Möglichkeit kostenloser Umbuchungen. Und es bestehe viel Informationsbedarf zu den unterschiedlichen Sicherheitsvorkehrungen und Hygienestandards in den einzelnen Ländern.

Auch von Hotel zu Hotel gibt es unterschiedliche Regelungen. Das betrifft beispielsweise Fragen zum Essen oder rund um die Nutzung des Swimmingpools. „Wir durchleuchten die rechtliche Situation und die Umsetzung“, erklärte Schwarmann mit Blick auf die Sicherheitsmaßnahmen.

Schließlich soll jeder Kunde zufrieden zurückkommen. Und den meisten Kunden sei klar, dass es während des Urlaubs Einschränkungen gebe. Manchmal würden diese sogar als positiver Begleiteffekt empfunden. Etwa wenn die Abstände zueinander beim Sonnenbad – ob am Pool oder am Strand – größer sind als sonst.

Busse müssen noch stehen bleiben

Schwarmann sagte auch: Reisende hätten im Flugzeug trotz Lüftung und Maskenpflicht „ein gewisses Restrisiko“ zu tragen. Außerdem: Welche Regelungen gelten, darin würden sich die einzelnen Fluggesellschaften unterscheiden. Manche würden in einer Dreiersitzreihe den mittleren Platz unbesetzt lassen, andere hätten eine abweichende Vorgehensweise.

Schwarmann geht aber davon aus, dass das Reisegeschäft wieder anläuft. Er wünsche sich, dass Kunden sich für den Gang in ein Reisebüro vor Ort entscheiden. „Das hilft, die Krise zu meistern“, sagte er.

"Der Flickenteppich in Deutschland und Europa ist eine Katastrophe"Thomas Bojes, Inhaber und Geschäftsführer von Schomaker Reisen

Thomas Bojes, Inhaber und Geschäftsführer von Schomaker Reisen (Lohne), sieht vor allem bei Individualreisen, auch in kleinen Gruppen, Potenzial für den Sommer. Skeptisch bleibe er allerdings bei Busreisen. Diese seien in Niedersachsen noch immer nicht erlaubt – und jedes Bundesland habe andere Regelungen. Auch in Europa gebe es einen „Flickenteppich“, das sei „eine Katastrophe“, sagte er.

Bojes fordert eine Freigabe des Reisebusverkehrs. Es müsse vernünftige und für Kunden zumutbare Bedingungen geben. Er selbst habe „kein Problem“, ein Fahrzeug mit 50 Plätzen zur Hälfte zu besetzen, die Bordtoilette geschlossen zu halten und nur verschlossene Getränke bereitzuhalten.

Die Frage sei aber immer, was am Zielort gelte. Denn: Eine Gruppenreise stehe und falle mit der Geselligkeit. Die sei bei zu weiten Abständen, etwa im Restaurant, nicht mehr gegeben.

Fordert Freigabe für Busreisen: Hans Höffmann. Foto: M. NiehuesFordert Freigabe für Busreisen: Hans Höffmann. Foto: M. Niehues

Der Vechtaer Reiseunternehmer Hans Höffmann (Höffmann Reisen) fordert ebenfalls die Freigabe von Busreisen. Wenn es den Linienverkehr gebe, dann sei nicht nachvollziehbar, warum der Reiseverkehr per Bus in Niedersachsen weiter verboten bleibe.

Zwar zeichne sich eine Freigabe ab dem 8. Juni ab, doch seien noch keine Sicherheitsbestimmungen bekannt. „Ich möchte, dass es gut läuft – und laufen kann“, betonte Höffmann.

Das sagte er auch mit Blick auf noch bestehende Unklarheiten bei allen Reisewegen ab dem 15. Juni. Und: Die Lockerung sei zwar ein Lichtblick, aber Höffmann geht auch davon aus, dass viele Menschen erst einmal beobachten, wie es läuft.

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