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"Tigernuss" lässt sich nur schwer knacken

In der Region macht sich derzeit das Erdmandelgras in Hackfrüchten breit. Auf die Äcker der Landwirte kommt es vor allem über Bodentransporte.

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Lästiger Einwanderer: Das Erdmandelgras fühlt sich vor allem auf Maisäckern wohl. Foto: Meyer

Lästiger Einwanderer: Das Erdmandelgras fühlt sich vor allem auf Maisäckern wohl. Foto: Meyer

Sie ist ein Import aus den warmen Subtropen: Die Erdmandel, auch Tigernuss genannt, breitet sich im Nordwesten aus. Dort, wo sie wuchert, haben heimische Pflanzen kaum eine Chance. Landwirte müssen deshalb gut aufpassen und rechtzeitig einschreiten, rät Dr. Josef Kuhlmann, Leiter der Fachgruppe Pflanze bei der Landwirtschaftskammer Cloppenburg.

Das widerstandsfähige Sauergrasgewächs, dessen nur erbsengroße, dafür aber steinharte Knollen einen mandelartigen Geschmack haben sollen,   bereitet den Ackerbauern zwischen Oldenburg und Dümmerlohausen bereits seit einiger Zeit Probleme. Gut 1000 Hektar seien in diesem Gebiet bereits von ihr befallen, schätzt Dr. Kuhlmann. Besonders gut gedeiht die Pflanze auf lehmigen und moorigen Standorten, etwa rund um den Dümmer, bei Großenkneten und im Raum Bösel. Auf ihre Felder haben sich die Landwirte das aggressive Kraut oftmals selbst geholt - wenn auch unwissentlich. „Sie reist häufig in Bodentransporten mit“, weiß Dr. Kuhl­mann. Etwa in Mutterböden aus Gartenanlagen. Wegen ihrer hübschen Blüte wird die Erdmandel nämlich auch als Zierpflanze genutzt. Weil es für sie in hiesigen Breiten in der Regel zu kalt ist, kommt es aber nicht zur Samenreife. „Sie kann sich nur über die Knolle verbreiten“, erklärt der Kammerexperte.

Während die Spanier der Erdmandel etwas Nützliches abgewinnen und aus ihr ein Getränk gegen Darmträgheit brauen, sorgt sie hierzulande überwiegend für Ärger. Ihr Unwesen treibt sie besonders in Hackfrüchten wie Mais und Kartoffeln. „Dort hat sie genügend Platz und Licht, um sich ungestört auszubreiten“, berichtet Dr. Kuhlmann. Besonders im Mais könne das zu hohen Ertragseinbußen führen. Weniger gut gefällt es ihr dagegen im Getreide. Weil die Erdmandel ein Spätstarter ist, der erst im Frühsommer so richtig mit dem Wachstum loslegt, hat sie in den dann bereits dicht bestockten Gerste-, Roggen,- oder Weizenbeständen so gut wie keine Chance. „Dort wird man sie auch kaum finden“, bestätigt Dr. Kuhlmann.

Knollen können 20 Jahre lang im Boden überleben

Landwirte melden sich inzwischen immer häufiger bei der Kammer und wollen wissen, was sie gegen das lästige Unkraut unternehmen können.   Dr. Kuhlmanns Tipp ist einfach: „Wehret den Anfängen!“ Sollte die Erdmandel im Mais auftauchen, bleibe nur die chemische Bekämpfung. Allein mit maschinellem Einsatz, also hacken und striegeln, komme man der tief sitzenden Knolle nicht bei. Die könne bis zu 20 Jahre im Boden überleben und dort neue Triebe bilden, sobald sie die Möglichkeit dazu bekäme. „Zum Glück steht uns noch eine Reihe von Pflanzenschutzmitteln zur Verfügung.“ Glyphosat gehöre aber nicht dazu. „Es zeigt keinerlei Wirkung“, berichtet Kuhlmann.

Landwirten rät der Experte   zu einer geregelten Fruchtfolge. Auf den betroffenen Flächen sollten sie auf den Anbau von Hackfrüchten verzichten. Auch Ackergras helfe, die Ausbreitung zu verhindern. Ganz wichtig sei vor allem die Hygiene. Bodenbearbeitungsgeräte müssen nach ihrem Einsatz gründlich gesäubert werden, damit die Erdmandel nicht von Feld zu Feld weiterverschleppt wird.

Wer das alles beachte, könne die widerstandsfähige Pflanze wirksam bekämpfen, betont Dr. Kuhlmann. Aus der Region vertreiben lasse sie sich aber wohl nicht mehr. „Es kommt jetzt darauf an, sie unter Kontrolle zu halten“.

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