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Tierwohl hat's beim Fleischer leichter

Die traditionelle Landfleischerei kann flexibel reagieren und die Kundschaft scheint dort bereit zu sein, einen höheren Preis zu zahlen. Allerdings gibt es immer weniger Geschäfte.

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Auslauf und frische Luft: Das Prinzip der „Offenställe“ wird den Kunden auf einem großen Bildschirm gezeigt. Foto: Thomas Vorwerk

Auslauf und frische Luft: Das Prinzip der „Offenställe“ wird den Kunden auf einem großen Bildschirm gezeigt. Foto: Thomas Vorwerk

Da soll sich noch jemand zurechtfinden: "Aus schonender Haltung", "aus nachhaltiger Tierhaltung", "Außenklima", "40 Prozent mehr Platz" oder "Tierwohl-Label in gelb". Hinzu kommen noch Bio-Siegel und individuelle Kennzeichnungen einzelner Lebensmittelketten.

Es liegen nicht mehr ausschließlich Produkte aus der Intensivtierhaltung in den Kühltheken. Der Markt hat reagiert - wozu in den vergangenen Jahren auch Schlagzeilen über Verstöße bei Aufzucht und Schlachtung geführt haben dürften.

"Umfragen zeigen, dass eine deutliche Mehrheit von Verbrauchern Fleisch aus artgerechterer Tierhaltung kaufen will. Dennoch liegt der Marktanteil von extensiv erzeugtem Rindfleisch in Deutschland bei weniger als fünf Prozent, bei Schweine- und Geflügelfleisch sogar unter einem Prozent", schreibt die Verbraucherzentrale.

Produkte aus konventioneller Haltung sind weiter im Angebot

Im Gegensatz zum breit aufgestellten Supermarkt und Discounter reagiert die kleine inhabergeführte Fleischerei anders auf die Situation: "Seit dem Sommer haben wir Schweinefleisch von Tieren aus Offenställen -  ein Stallkonzept mit besonders artgerechter Tierhaltung", sagt Maria Moors, Geschäftsführerin des Emsteker Traditionsunternehmens.

Zwar gebe es auch weiterhin Produkte aus konventioneller Haltung, doch den überwiegenden Anteil machen Schweine aus, die auf Stroh liegen und an die frische Luft gehen können. Im Geschäft laufen auf einem großen Bildschirm Filme, die bei Landwirten gedreht wurden und zeigen, wie die Tiere aufgewachsen sind.

Die Preise sind mit den neuen Produkten angezogen und vereinzelnd gebe es auch Kunden, die das Personal darauf ansprechen würden, berichtet Maria Moors. Der Großteil aber akzeptiert dies.

Daraus ein generelles Einkaufsverhalten abzuleiten, ist allerdings gewagt. Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) stellte in einer mehrjährigen Beobachtung fest, dass Verbraucher zwar immer qualitätsbewusster werden - 53 Prozent der Teilnehmer antworteten, „vor allem auf die Qualität“ zu achten, doch 49 Prozent haben "vor allem den Preis" im Fokus.

"Die Situation um das traditionelle Handwerk ist traurig."Dr. Michael Hoffschroer, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft

Wer den Kassenzettel im Blick hat, wird seinen Wocheneinkauf wohl nicht in der Land-Fleischerei bestreiten, der ohne industrielle Fertigung hochpreisiger ist. Allerdings haben diese Kunden auch immer weniger Gelegenheit dazu. Im Landkreis Cloppenburg listet die Kreishandwerkerschaft noch acht Innungsbetriebe unter den Fleischereien auf.

"Die Situation um das traditionelle Handwerk ist traurig", erklärt Dr. Michael Hoffschroer, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, im Gespräch mit der Redaktion.

Auszubildende sind Mangelware

Und auch Nachwuchs ist Mangelware. Dass der letzte Auszubildende bei Moors in Emstek seine Abschlussprüfung gemacht hat, ist schon ein paar Jahre her. Und mit Fachkenntnissen in der Fleischverarbeitung alleine ist es auch nicht getan. Buchhaltung, Einkauf, Kalkulation und Dokumentation nehmen einen guten Teil der Arbeit ein.

"Wenn ich meine Frau nicht hätte, die das alles erledigt, gäbe es die Fleischerei schon lange nicht mehr", sagt Handwerksmeister Rudolf Moors. So d��rfte es auch anderen Betrieben gehen.

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