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Tarifgespräche: Firmen "gehen auf Zahnfleisch"

Es war ein erstes Abtasten: Die Tarifparteien haben Gespräche für die Metall- und Elektroindustrie aufgenommen. Erkenntnis: Die Positionen liegen weit auseinander.

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Symbolfoto: dpa

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Die Tarifparteien haben sich in der ersten Runde ihrer Gespräche für die niedersächsische Metall- und Elektroindustrie abgetastet, liegen nach Angaben der Arbeitgeber aber noch relativ weit auseinander. «Wir brauchen Stabilität und keine weiteren Kostenbelastungen», meinte der Verhandlungsführer des Verbands Niedersachsen-Metall, Torsten Muscharski, am Mittwoch. «Sonst laufen wir Gefahr, die Branche vor die Wand zu fahren.» Viele Betriebe sind vom konjunkturellen Einbruch in der Corona-Krise sowie den digitalen Umwälzungen im Automobil- und Maschinenbau doppelt betroffen.

Die IG Metall fordert vier Prozent mehr Geld. Muscharski warnte, ein Großteil der Branche gehe indes «jetzt schon auf dem Zahnfleisch». Es gebe für ihn derzeit keinerlei Spielraum für Entgelterhöhungen.

Nach einem «Not-Tarifvertrag», der während der ersten Corona-Welle im Frühjahr zentrale Punkte noch ausgeklammert hatte, starteten beide Seiten nun in Hannover die eigentlichen Beratungen. Aus Sicht der Gewerkschaft haben die Beschäftigten gerade aufgrund der schon hohen Belastungen mehr Einkommen verdient - auch, um so den Konsum als Stütze der Gesamtwirtschaft erhöhen zu können. «Die Nachfrage muss gestärkt werden, sie ist jetzt ein entscheidender Pfeiler für Wachstum», hatte IG-Metall-Bezirkschef Thorsten Gröger vorab gesagt.

Reduzierte Arbeitszeit soll nach Vorstellungen der Gewerkschaft zudem mit einem Teilausgleich beim Entgelt verrechnet werden können. Auch müssten wichtige Zukunftsfragen geregelt werden, die der Auto-Umbruch in Richtung Vernetzung und alternative Antriebe mit sich bringt.

"Der Einbruch der Wirtschaft war in diesem Jahr von historischem Ausmaß."Torsten Muscharski, Verhandlungsführer des Verbands Niedersachsen-Metall

Muscharski betonte für die Industrie: «Der Einbruch der Wirtschaft war in diesem Jahr von historischem Ausmaß. Über 80 Prozent unserer Betriebe haben 2020 einen Nachfrageeinbruch erlitten.» Der Hauptgeschäftsführer von Niedersachsen-Metall, Volker Schmidt, erklärte, die IG Metall habe den Ernst der Lage wohl weitgehend erkannt - der Verteilungsspielraum sei diesmal aber «gleich Null».

In Niedersachsen soll am 20. Januar 2021 weiterverhandelt werden. In Sachsen-Anhalt, das ebenfalls zum übergreifenden Metall-Tarifbezirk gehört, beginnt die erste Runde am Donnerstag. Start der Gespräche zum Haustarif bei Volkswagen soll am 13. Januar sein.

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