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Süße Knolle wächst auch in Suhle

Der Markt für Süßkartoffeln wächst. Aus dem Nischenprodukt könnte durchaus ein Trend werden, denn die Tropenpflanze fühlt sich im Norden wohl.

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Gut gewachsen: Die Süßkartoffeln fanden in Suhle gute Bedingungen vor. Foto: Meyer

Gut gewachsen: Die Süßkartoffeln fanden in Suhle gute Bedingungen vor. Foto: Meyer

Dass es sich bei seinen Süßkartoffeln streng genommen gar nicht um echte Erdäpfel handelt, musste Antonius Hinrichs erst einmal lernen, als er im Frühsommer mit dem Anbau der Sorte "Beauregard" begann. Doch trotz seiner Unerfahrenheit ist die Ernte recht gut ausgefallen. "Das Wetter hat mitgespielt", freut sich der Landwirt aus Lastruper Bauerschaft Suhle.

Die Nutzpflanze aus der Familie der Windengewächse ist in Deutschland eine echte Rarität. Auf nur 200 Hektar wurde sie 2020 ausgebracht. Auch Hinrichs beließ es vorerst  bei nur wenigen Quadratmetern und erntete komplett von Hand. Der Gemüsebauer hat sich zwar auf Sonderkulturen spezialisiert, traute der vor allem in Mittelamerika und Afrika beheimateten Knolle aber nicht so recht. Das Ergebnis überraschte ihn daher. Zum Glück habe es ausreichend geregnet, sagt er. Neben viel Wasser benötige die Pflanze warme Temperaturen. Mit Frost könne sie dagegen gar nicht umgehen.

Wärme helfe übrigens auch bei der Konservierung. Um sie haltbar zu machen, sollten Süßkartoffeln nach dem Roden am besten in einer Wärmekammer erhitzt werden, weiß Hinrichs. "Dann lassen sie sich anschließend lange lagern." Er selbst kann das nicht leisten, seine Ernte setzt er deshalb beim Direkthandel ab. 

Pflanzen benötigen ausreichend Wasser

Süßkartoffeln sind Kletterpflanzen, deren Stängel meist kriechend auf dem Boden liegen. Schon darin unterscheiden sie sich von der "normalen" Kartoffel. Die Pflanzen bevorzugen einen leichten, sandig bis sandig-lehmigen Boden, der tiefgründig und gut drainiert sein sollte. Sie wachsen besonders gut im leicht sauren pH-Bereich. Schwere Böden mit der Gefahr von Staunässe sind dagegen zu meiden. Empfohlen wird ein Anbauabstand von drei Jahren. Gedüngt wird vor allem mit Kali, weniger mit Stickstoff, weil er das Ausbilden der Knolle hemmen kann. Da der Wasserbedarf bei 300 bis 400 mm liegt, sollte es möglich sein, die Fläche zu bewässern.

Neue Sorten, aber eben auch die fortschreitende Klimaerwärmung machen den Anbau der Süßkartoffel hierzulande erst möglich – was eine nur bedingt gute Nachricht ist. Immerhin: Bei den Verbrauchern erfreut sich die Pflanze bereits größerer Beliebtheit. Das Importvolumen verdoppelte sich in den Jahren zwischen 2016 und 2019 auf 40.238 Tonnen. 

Bietet viele Varianten: Süßkartoffeln lassen sich auch mit Couscous, Gemüse und Frischkäse füllen. Foto: dpabiskuitwerkstatt.deWinterBietet viele Varianten: Süßkartoffeln lassen sich auch mit Couscous, Gemüse und Frischkäse füllen. Foto: dpa/biskuitwerkstatt.de/Winter

In der Küche lässt sich die Süßkartoffel vielseitig verwenden. Man kann sie kochen, backen und auch braten. Geschmacklich erinnert sie leicht an Kastanie und Kürbis. Verarbeitet wird sie meist zu Suppen, Püree oder Gratin. Inzwischen gibt es auch Pommes frites aus Süßkartoffeln. Antonius Hinrichs mag sie am liebsten gebacken. "Dann schmeckt sie ein wenig wie das Innere von Kroketten", sagt er. Sollte der Absatz stimmen, wird der Suhler seinen Versuch auch im kommenden Jahr fortsetzen.

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