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"Sündenfall" in exklusiver Buchform beschert Emstekerin den Staatspreis

Theresa Wedemeyer ist gelernte Buchbinderin und erschafft mit ihrer Handwerkskunst Unikate. In Dortmund wurde sie am Wochenende für ihre Version mit Bibeltexten ausgezeichnet.

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Kleinod: Stolz auf ihre Arbeit und den damit verbundenen Staatspreis ist Theresa Wedemeyer. Foto: Thomas Vorwerk

Kleinod: Stolz auf ihre Arbeit und den damit verbundenen Staatspreis ist Theresa Wedemeyer. Foto: Thomas Vorwerk

Den renommierten Staatspreis „Manufaktum“ hat die Buchbinderin Theresa Wedemeyer aus Emstek gewonnen. Der seit Jahrzehnten vom Bundesland Nordrhein-Westfalen ausgelobte Preis gehört zu den bedeutendsten Kunsthandwerkerauszeichnungen der Bundesrepublik und ist für die Preisträger ein regelrechter Ritterschlag. Am Wochenende bekam die Emstekerin nun die von Ministerpräsident Armin Laschet unterzeichnete Urkunde überreicht. Dass sie als Siegerin feststand, wusste sie schon seit 2 Monaten. Allerdings wurde sie zum Stillschweigen verpflichtet.

Projekt war eigentlich für Oxford vorgesehen

Für ihren Beitrag hat sie eine Passage aus der Bibel herangezogen. Aus dem ersten Buch Moses wählte sie Genesis III, den Sündenfall und die verbotene Frucht. „Das Projekt wollte ich eigentlich nach England schicken. Dort gab es anlässlich des Jubiläums 400 Jahre 'Botanischer Garten Oxford' einen Wettbewerb, der aber verschoben wurde“, erzählt die mittlerweile in Münster lebende Frau die Entstehungsgeschichte. Pflanzen und wie sie das Leben der Menschen beeinflusst haben, das waren die Themen. „Das kann alles sein, von der Kleidung bis zur Behausung. Wenn ich aber darüber als Frau nachdenke, dann muss ich immer an den Apfel denken. Der Sündenfall, der Apfel und die Schlange. Da stehen ganz viele Bilder dahinter, die heute noch nachwirken.“

Spezielle Bindung: Aufwendig ist diese Arbeit, aber gerade das macht für Theresa Wedemeyer den Reiz aus. Foto: WedemeyerSpezielle Bindung: Aufwendig ist diese Arbeit, aber gerade das macht für Theresa Wedemeyer den Reiz aus. Foto: Wedemeyer

Die Jury sparte nicht mit Lob und die Begründung ist gespickt mit Fachbegriffen aus dem Buchbinder-Handwerk. „Es ist eine sehr aufwendige Arbeit, die aber gerade deshalb ihren Reiz hat“, fasst es Wedemeyer zusammen. Neben dem prachtvollen Wettbewerbsbeitrag gibt es eine kleine Auflage von 40 Exemplaren, die ebenfalls von Hand gefertigt, aber nicht ganz so extravagant gestaltet sind. Was allerdings nicht bedeutet, dass weniger Herzblut investiert wird. Jede Zeile ist Letter für Letter gesetzt, wobei zweifarbig gearbeitet wurde. Jeder Bogen wurde einzeln in die Presse gelegt und jedes Exemplar von Hand gebunden.

Arbeitszeit lässt sich kaum beziffern

Wie viele Stunden Arbeit insgesamt dahinter stecken, das kann die Emstekerin heute gar nicht mehr genau beziffern. Aber es gibt Liebhaber, die ihr handwerkliches Geschick zu schätzen wissen. Gleichwohl hat sie sich beruflich breiter aufgestellt. Sie unterrichtet an der FH in Münster, der „Münster School of Design“ sowie an der Akademie für Gestaltung. Darüber hinaus hat sie einen Job an der Landesbibliothek in Oldenburg. „Man muss flexibel sein. Aber ich bin froh, in so vielen verschiedenen Bereichen zu sein“, sagt sie. Aktuell arbeitet sie zudem an ihrem Meistertitel, der voraussichtlich im kommenden Jahr fertig sein soll. „Das Leben ist ein stetes Lernen“, scherzt die Handwerkerin.

Die Preisverleihung ist seit der Gründung 1963 kein einziges Mal ausgefallen. Nur Corona hat die Rahmenbedingungen geändert, was Wedemeyer mehr als bedauert. Normalerweise hätten rund 600 Gäste an der Veranstaltung im Dortmunder Konzertsaal teilgenommen, jetzt waren es nur die Laudatoren und Preisträger, die am Wochenende im Live-Stream zu sehen waren. „Das ist ein bisschen Gesichtspflege“, beschreibt die 30-Jährige diese Art von Veranstaltung. Denn auch die Nominierten, die keinen Preis bekommen, sind in der Ausstellung vertreten, die aktuell aber nicht gezeigt werden kann. „Es ist schade, dass sie die Würdigung und die damit verbundene Sichtbarkeit nicht bekommen.“

Höchstdotierte Auszeichnung ihrer Art

375 Arbeiten wurden eingereicht, 121 davon von der Fachjury ausgewählt und im Museum für Kunst und Kulturgeschichte seit dem 10. April ausgestellt. Allerdings musste das Haus schon 9 Tage später coronabedingt die Pforten wieder schließen. Die besten sechs Werke wurden ausgezeichnet und für die Preisträger gab es zusammen 60.000 Euro Preisgeld. Damit ist dieser Staatspreis die höchstdotierte Auszeichnung dieser Art in Deutschland.

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