Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Stallumbau bereitet Landwirten Kopfzerbrechen

Auf der Delegiertenversammlung des Kreislandvolks in Thüle war die Stimmung durchwachsen. Die Erzeugerpreise seien desaströs, hieß es. Dennoch fordere man Investitionen von Landwirten.

Artikel teilen:
Treffen in Krisenzeiten: Der Kreislandvolkverband tagte in Thüle. Foto: Alina Hogartz

Treffen in Krisenzeiten: Der Kreislandvolkverband tagte in Thüle. Foto: Alina Hogartz

Die Landwirtschaft in der Region durchlebt unruhige Zeiten. Das war  während der Delegiertenversammlung des Kreislandvolks Cloppenburg deutlich zu spüren. An dem Treffen in Thüle nahm auch  Landvolkpräsident Dr. Holger Hennies teil. Er bemängelte vor allem die Planungsunsicherheit auf den Höfen.

"Was dürfen wir noch und vor allem, was dürfen wir in den nächsten 20 Jahren noch", fragte der Landwirt aus der Region Hannover. Die Antwort falle ihm zurzeit schwer, gab Dr. Hennies zu.

Die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) hatte in dieser Woche ein drastisches Höfesterben vorhergesagt. Die Hälfte der Schweine haltenden Betriebe werde in den kommenden 10 Jahren aufgeben. Dr. Hennies betonte, dass die Höfe so schnell wie möglich wieder Geld verdienen müssten. Die Betriebe in der Region tragen nach seiner Einschätzung bereits zur Verbesserung der Nährstoffbilanz bei. "Sie haben einen enormen Sprung nach vorn gemacht", lobte der Landvolkpräsident.

"Tierwohl muss im Stall möglich sein."Bernhard Suilmann, Landvolk-Geschäftsführer

Gedankt hat es die Politik den Landwirten aus deren Sicht allerdings nicht. Vor allem die Ausweisung sogenannter roter Gebiete und die damit verbundenen Düngeeinschränkungen schmerzen nach wie vor. Einige Bauern haben inzwischen geklagt. Das Landvolk unterstützt sie dabei und hat auch ein Gutachten erstellen lassen, das die Auswahl der  Nitratmessbrunnen kritisiert. Landvolk-Geschäftsführer Bernhard Suilmann informierte über das weitere Vorgehen. Dass das Thema die Politik noch länger beschäftigen wird, hatte auch Niedersachsens Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) vergangene Woche bei einem Branchentreffen in Löningen bestätigt.

Ohne stabile Einkommen kein Transformationsprozess

Trotz desaströser Erzeugerpreise müssen sich die Landwirte  in absehbarer Zukunft mit dem Umbau ihrer Ställe beschäftigen. Das Thema Tierwohl dürfte die Agrarpolitik jeder künftigen Bundesregierung mitbestimmen. "Tierwohl muss im Stall möglich sein", forderte Suilmann und wies auf die Schwierigkeiten hin, im Bestand bauliche Änderungen vorzunehmen. Um den Transformationsprozess hinzubekommen, müssten sich die Bauern wenigstens auf stabile Einkommen verlassen können. 

Vorstand und Ehrengast (von links): Thomas König, Martin Roberg, Hubertus Berges, Dr. Holger Hennies, Anita Lucassen, Bernhard Suilmann und Andreas Thole. Foto: Alina HogartzVorstand und Ehrengast (von links): Thomas König, Martin Roberg, Hubertus Berges, Dr. Holger Hennies, Anita Lucassen, Bernhard Suilmann und Andreas Thole. Foto: Alina Hogartz

Auf eine zügige Regierungsbildung hofft jetzt Cloppenburgs Kreislandvolkvorsitzender Hubertus Berges. Dass möglicherweise ein Grünen-Politiker als Minister das Landwirtschaftsressort bekommen könnte, schrecke ihn inzwischen nicht mehr. Das Wort "Dialog" wiederholt der Elstener gegenüber OM Online gleich 3-mal. "Wir müssen Gespräche führen und erklären, wo die Probleme liegen." Womit Berges wieder beim Baurecht ist. "Wenn sich da nichts tut, passt am Ende nichts zusammen." Die Politik müsse begreifen, dass Landwirte darauf angewiesen sind, bestehende Strukturen zu nutzen. "Wir können einen Stall nicht mal eben wie einen Supermarkt nach ein paar Jahren abreißen und einen neuen hinstellen." Änderungen bräuchten Zeit, doch die liefe den Tierhaltern inzwischen weg. Dass sich die Erlössituation durch eine Senkung der Tierzahlen im Inland verbessern ließe, glaubt Berges nicht. "Sie würde nichts bringen, denn der Handel will keine Verknappung."

Auch Berges glaubt, dass es zu mehr Betriebsaufgaben kommen wird. "Die Stimmung ist unter Null, nicht nur bei den Schweinehaltern." Er spricht von einer "Zeitenwende", die für große Verunsicherung sorge.  "Alles prasselt jetzt auf einmal herein, wir finden keinen Ruhepol." Die Lage sei ernst, bestätigt Holger Hennies. Der Landvolk-Chef hat aber Hoffnung auf Besserung. "Es gibt ganz viel zu tun", sagte er in Thüle. Den Landwirten versprach er, sich für sie einzusetzen.

Sie wollen nichts verpassen, worüber das Oldenburger Münsterland spricht? Dann abonnieren Sie jetzt unseren Newsletter „Moin, OM!“. Er fasst für Sie das Wichtigste für den Tag auf einen Blick zusammen – immer montags bis freitags zum Start in den Tag.  Hier geht es zur Anmeldung

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Stallumbau bereitet Landwirten Kopfzerbrechen - OM online