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Stadt wirbt für neues Gründerprogramm

Frische Ideen sollen neues Leben in die Innenstadt bringen. Die Stadt stellt dafür 2021 und 2022 einen Fördertopf von jeweils 50.000 Euro zur Verfügung. Der erste Bewerbungsschluss ist der 5. April.

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Gründer, Macher, Denker: Ergreift eure Chance. Jetzt! Bürgermeister Tobias Gerdesmeyer und Wirtschaftsförderin Anne Nußwaldt mit den Informationsbroschüren für das neue Gründerprogramm der Stadt Lohne. Foto: Tombrägel

Gründer, Macher, Denker: Ergreift eure Chance. Jetzt! Bürgermeister Tobias Gerdesmeyer und Wirtschaftsförderin Anne Nußwaldt mit den Informationsbroschüren für das neue Gründerprogramm der Stadt Lohne. Foto: Tombrägel

"Neue Läden. Neues Leben" – so lautet das Motto des neuen Gründerprogramms der Stadt Lohne, das am 1. Januar 2021 gestartet ist. Die Idee: Frische Ideen sollen neues Leben in die Innenstadt bringen. Die Stadt stellt dafür in den Jahren 2021 und 2022 jeweils 50.000 Euro zur Verfügung. Eine Jury prämiert innovative und marktfähige Konzepte, die voraussichtlich die Innenstadt beleben. Die Prämie liegt bei mindestens 2.500 und höchstens 10.000 Euro. Der erste Bewerbungsschluss ist Ostermontag (5. April).

Lohnes Bürgermeister Tobias Gerdesmeyer nannte die Initiative während des Pressegesprächs, das die Stadt aufgrund der aktuellen Corona-Lage erstmalig als Videokonferenz durchführte, einen "Meilenstein", mit dem man neues Terrain betrete. Er begründete die bisherige Zurückhaltung mit der Frage, ob und wie stark die Stadt in marktwirtschaftliche Prozesse eingreifen dürfe.

Gerdesmeyer verwies darauf, dass es schließlich die SPD-Fraktion gewesen sei, die den politischen Anstoß gegeben habe. Im Ergebnis präsentiere die Stadt nun ein "sinnvolles und passgenaues Gründerprogramm". Der Bürgermeister dankte den Kooperationspartnern wie der Universität Vechta, die sich mit ihrem Know-how und ihren Kompetenzen bei dem Projekt einbringen.

Programm soll kein "bürokratisches Monster" sein

Lobende Worte fand das Stadtoberhaupt für Anne Nußwaldt. Die Referentin für Wirtschaftsförderung, die maßgeblich an der Entstehung des Konzepts beteiligt war, bezeichnete er als "die Mutter des Gründerprogramms".

"Wir wollten kein bürokratisches Monster erschaffen", sagte Gerdesmeyer. Aufgrund der Corona-Pandemie werde sich die schwierige Situation für die Kaufmannschaft weiter verschärfen, prognostizierte er. "Umso wichtiger ist es, dass wir fest an der Seite des Einzelhandels stehen." 

Mitten in Lohnes Guter Stube: Die Stadt schreibt auf der Gründerprogramm-Webseite, dass die Geschäfte, die bei Neue Läden. Neues Leben dabei sind, in der Regel keine grundsanierten Flächen seien. Das trifft auf die frühere Sport-Böckmann-Filiale durchaus zu. Foto: TimphausMitten in Lohnes "Guter Stube": Die Stadt schreibt auf der Gründerprogramm-Webseite, dass "die Geschäfte, die bei 'Neue Läden. Neues Leben' dabei sind, in der Regel keine grundsanierten Flächen" seien. Das trifft auf die frühere Sport-Böckmann-Filiale durchaus zu. Foto: Timphaus

Lohnes Bürgermeister sagte, er sehe schon jetzt Zeichen für einen Aufwärtstrend in der Innenstadt. Er nannte das am Marktplatz entstehende Wohn- und Geschäftshauses Nyhuis, die geplante Kleinkunstbühne sowie Eigentümerwechsel bei Immobilien in der City. Ins Detail wollte Gerdesmeyer jedoch nicht gehen. Eine frequenzsteigernde Wirkung für die Innenstadt wünsche er sich auch vom geplanten Neubau eines Famila-Marktes auf der früheren Hofstelle Küstermeyer. 

Petra Bammann von der Cima, die die Stadt im Rahmen der Städtebauförderung beim Zentrumsmanagement berät, ging auf die Entwicklung des Handels in Kleinstädten ein, der mit fortschreitendem Strukturwandel, wachsendem Online-Handel und veränderten Bedürfnissen der Kunden zu kämpfen habe. Die Folgen seien Filialisierung, Leerstände und der Rückzug von inhabergeführten Geschäften. Die Problemlage mache sich inzwischen auch in Großstädten bemerkbar. 

Gründer-Workshops sind ein wichtiger Baustein

Vor diesem Hintergrund bezeichnete es Bammann als elementar, die örtliche Händlerschaft zu unterstützen und neue Anbieter anzuwerben. Mit dem Gründerprogramm setze die Stadt ein "Aufbruchszeichen". "Es ist eine echte Chance."

Nußwaldt ging auf Details zum Gründerprogramm ein. Bewerben können sich junge Gründer, aber auch Selbstständige aus den Bereichen Einzelhandel, Gastronomie, Dienstleistung oder Handwerk, die bereits am Markt sind und sich in einem Ladenlokal in der Innenstadt ansiedeln möchten. "Wir wollen potenziellen Gründern schon sehr früh unter die Arme greifen."

Einen wichtigen Baustein bilden die Workshops für angehende Gründer, die die Stadt in Kooperation mit dem „Exist“-Projekt der Universität Vechta ausrichtet (siehe Fakten). Im Vorfeld jeder Bewerbungsrunde – geplant sind 3 Runden pro Jahr – schulen Experten der Universität die Teilnehmer zu  3 unterschiedlichen Themen. "Es geht darum, die Ideen zu konkretisieren, ihre Machbarkeit zu prüfen und die Konzepte in Worte zu fassen", erläuterte Nußwaldt. Die prämierten Gründer erhalten überdies noch eine 1:1-Beratung.

Handels- und Gewerbeverein unterstützt Initiative

Die Stadt hat weitere Partner für das Gründerprogramm gewonnen, so zum Beispiel die Immobilieneigentümer. Sie gewähren besonders günstige Mietkonditionen für prämierte Gründer: Im ersten Halbjahr zahlen die Gründer nur die Nebenkosten, dann ist eine Staffelmiete vorgesehen. Erst nach einem Jahr wird der volle Mietbetrag fällig.

Außerdem haben die Gründer Anspruch auf einen Mietvertrag mit einer Mindestdauer von 1,5 Jahren. Natürlich kann die Mietdauer auch individuell verhandelt werden. Eine Liste der bereitgestellten Immobilien – zum Start sind 5 im Portfolio zu finden – ist unter www.gruenderprogramm-lohne.de zu finden.

Der Handels- und Gewerbeverein (HGV), das Sprachrohr von Händlern, Gastronomen und Dienstleistern, steht den angehenden Gründern mit dem Patenprogramm „Kenner für Könner“ mit Rat und Tat zur Seite. Außerdem ist eine kostenlose 12-monatige Mitgliedschaft möglich. HGV-Vorsitzender Detlef Bornhorst sagte dem Gründerprogramm die volle Unterstützung der Kaufmannschaft zu.

Bewerbungsformular ist bewusst einfach gehalten

Die Volksbank Lohne-Mühlen sowie die Landessparkasse zu Oldenburg (LzO) gewähren ein Jahr lang ein kostenloses Geschäftskonto. Die Oldenburgische Volkszeitung (OV) bietet günstige Konditionen bei Printanzeigen und der Produktion eines Imagefilms an. Der Landkreis Vechta ist mit einer kostenlose Beratung zu weiteren Fördermöglichkeiten dabei.

Die Bewerbung erfolgt online. Das Formular ist unter www.gruenderprogramm-lohne.de sowie www.lohne.de zu finden. Es ist laut Nußwaldt bewusst einfach und überschaubar gehalten.

"Wir freuen uns außerdem über Bilder oder ein verlinktes Video, damit die Jury sich einen plastischen Eindruck von den Gründern und ihren Ideen verschaffen kann."Anne Nußwaldt, Referentin für Wirtschaftsförderung bei der Stadt Lohne

Gründer müssen lediglich einige Fragen zu ihrem Konzept inklusive der Zielgruppe und dem Angebot, ihrer Person und ihren Qualifikationen, den geplanten Öffnungszeiten, den geplanten Online-Aktivitäten und ihren Ideen zur Ladengestaltung beantworten. "Wir freuen uns außerdem über Bilder oder ein verlinktes Video, damit die Jury sich einen plastischen Eindruck von den Gründern und ihren Ideen verschaffen kann", sagte die Referentin für Wirtschaftsförderung.

Es gibt bereits 2 "recht konkrete" Anfragen

Nußwaldt informierte, dass es bereits 2 "recht konkrete" Anfragen sowie weitere Interessenten gebe. Spruchreif sei noch nichts, aber die Resonanz nach den ersten Presseberichten habe sie optimistisch gestimmt, sagte sie. Allen Beteiligten müsse klar sein, dass das Gründerprogramm Zeit benötige, um sich zu etablieren – gerade vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie.

Laut Nußwaldt müsse die Innenstadt der Zukunft vielfältig gedacht werden. "Gastronomie allein ist nicht der Heilsbringer." Ziel für Lohne sei es, auch das Handwerk – wie schon im Mittelalter – zurück ins Zentrum zu holen. Als Beispiel nannte sie einen Goldschmied.

  • Info: Mehr zum Gründerprogramm der Stadt Lohne ist unter www.gruenderprogramm-lohne.de erhältlich. Interessierte Gründer melden sich bei der städtischen Wirtschaftsförderung. Ansprechpartnerin ist Anne Nußwaldt (Telefon 04442/886-1301, Mail anne.nusswaldt@lohne.de).

Fakten:

  • Im ersten Gründer-Workshop (8. Februar) dreht sich alles um die Ideengenerierung: Wilde Gedanken spielen, einfangen und sortieren.
  • Im 2. Teil (15. Februar) heißt es: Ein gutes Konzept ist (fast) alles!
  • Im 3. Workshop (17. Februar) geht es um den Businessplan light; eine erste Einführung in die unterschiedlichen Bereiche inklusive Finanzplan.
  • Die 3 Workshops, die aufgrund der Corona-Pandemie digital abgehalten werden, finden jeweils von 17.30 bis 19.30 Uhr statt.

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