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So bekommt Kunststoffabfall neues Leben

Das Lohner Industriemuseum zeigt, was mit Verpackungen aus der gelben Tonne passiert. Die Firma Pöppelmann hilft bei dem neuen Exponat "Kreis-Lauf".

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Der „Kreis-Lauf“ entstand im Rahmen einer Kooperation zwischen Industriemuseum und Unternehmen Pöppelmann: von links das Museumsleitungsteam Benno Dräger und Ulrike Hagemeier, Projektleiterin Julia Uptmoor, Benjamin Kampmann und Christoph Majchszak (alle Projektteam Pöppelmann). Foto: Honkomp/Pöppelmann

Der „Kreis-Lauf“ entstand im Rahmen einer Kooperation zwischen Industriemuseum und Unternehmen Pöppelmann: von links das Museumsleitungsteam Benno Dräger und Ulrike Hagemeier, Projektleiterin Julia Uptmoor, Benjamin Kampmann und Christoph Majchszak (alle Projektteam Pöppelmann). Foto: Honkomp/Pöppelmann

Die Kreislaufwirtschaft ist das Wirtschaftsmodell der Zukunft. Doch was genau bedeutet das eigentlich? Näheres ist jetzt im Industriemuseum Lohne zu erfahren. Mit der Erweiterung des Museumsbaus wurde der Platz frei für ein neues Exponat in der Kunststoff-Dauerausstellung: Es heißt "Kreis-Lauf" und zeigt, wie Kreislaufwirtschaft in der Kunststoffbranche funktioniert – und zwar schon jetzt und hier im Oldenburger Münsterland. Dieser neue Ausstellungsbeitrag entstand im Rahmen einer Projektkooperation, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens Pöppelmann.

Wie könnte man das Thema "Kunststoff und Nachhaltigkeit" im Museum aufgreifen? Mit dieser Frage hatte sich das Museumsteam an das Unternehmen Pöppelmann gewandt. Anlass waren Gespräche mit Besuchern, wie Museumsleiterin Ulrike Hagemeier berichtet: "Viele äußern sich erstaunt über die große Vielfalt an Kunststoffprodukten, die in Lohne hergestellt werden. Gleichzeitig werden aber auch kritische Fragen thematisiert. Der Plastikmüll in den Weltmeeren wird häufig angesprochen oder auch bezweifelt, dass der Müll aus den Gelben Säcken wirklich recycelt wird." Auch ihr ehrenamtlicher Kollege im Leitungsteam, Benno Dräger, hält es für sehr wichtig, im Rahmen der Museumsarbeit Möglichkeiten zum Dialog über solche Fragen zu eröffnen. Er betont: "Wir wollen nicht nur zurück in die Vergangenheit, sondern auch in die Zukunft der industriellen Entwicklung blicken."

Im Unternehmen Pöppelmann, dem Museum seit jeher eng verbunden, griff man die Anregung zu einer Kooperation gern auf. Pöppelmann-Geschäftsführer Matthias Lesch erklärt: "Die Geschichte der Kunststoffindustrie in der Region wird im Museum sehr anschaulich nachvollziehbar gemacht. Da ist es naheliegend, hier ebenfalls das wichtigste aktuelle und zukünftige Thema unserer Branche, nämlich die Transformation zur Kreislaufwirtschaft, darzustellen. Denn auch daran sind viele lokale Unternehmen führend beteiligt."

Die Geschichte beginnt mit dem Griff eines Kunden zu einem Quarkbecher

Bei Pöppelmann fand sich ein Projektteam unter der Leitung von Marketing-Leiterin Julia Uptmoor zusammen. Die Mitglieder setzten sich das Ziel, auch Gemeinschaftlichkeit der Herausforderung Kreislaufwirtschaft deutlich zu machen. Die Projektleiterin betont: "Es war uns von Anfang sehr wichtig, lokale und regionale Partner in unser Konzept mit einzubeziehen. Wir wollen den Museumsbesuchern einen Blick hinter sonst verschlossene Türen ermöglichen und zeigen, wie Recycling funktioniert: Und zwar nicht irgendwo, sondern bei uns vor Ort."

So entstand die Idee für ein Rondell mit einer Fotostory, die im buchstäblichen "Kreis-Lauf" den Weg eines Quarkbechers vom Gebrauch bis zur Wiederverwertung des Verpackungsmaterials erzählt. Die Geschichte beginnt mit dem Griff eines Kunden zu einem Quarkbecher im Kühlregal des Lohner Markant-Marktes. Und hier endet sie auch – mit dem Kauf eines Basilikumtopfs, hergestellt aus wiederverwerteten Kunststoffabfällen, und zwar lediglich ein paar hundert Meter weiter an der Bakumer Straße in der Halle 14 im Pöppelmann-Werk 1. Der Kreislauf schließt sich; auch für die Museumsbesucher, die ihn umrundet haben.

Aufgenommen wurden die Fotos an den Originalschauplätzen – neben dem Markant-Markt Lohne gehören dazu auch die Unternehmen Siemer Entsorgung Vechta, Sortierkontor Bremen, SystecPlastics Hörstel, Pöppelmann TEKU und die Gartenbauzentrale Papenburg (GBZ). In zwei Exkursen werden zudem zwei weitere Beispiele der Verarbeitung von Post-Consumer-Rezyklat aus gebrauchten Kunststoffprodukten im Landkreis Vechta vorgestellt: in den Unternehmen Thees Plastic Recycling Dinklage und LKR Reyclate in Vechta. Beteiligt sind auch die Unternehmen SL Recycling in Bakum, WELA-Plast in Goldenstedt sowie die Abfallwirtschaftsgesellschaft Landkreis Vechta (AWV).

Gesamtkonzept der Gestaltung entwickelte Christoph Majchszak

Das Gesamtkonzept für die Gestaltung entwickelte Industriedesigner Christoph Majchszak, in der Fotostory übrigens als Kunde im Markant-Markt zu erkennen. Zusammen mit Grafik-Kollegin Margareta Schümann, die einen Großteil der Fotos aufnahm, unternahm er im vergangenen Sommer erlebnisreiche Exkursionen in die Welt des Recyclings – mit vielen interessanten Einblicken. "Mir war beispielsweise vorher nicht klar, wie gefürchtet besonders Akkus und Batterien oder auch nicht vollständig geleerte Sprühdosen in den Sortieranlagen sind. Regelmäßig kommt es dadurch zu Bränden und Explosionen, wenn sie fälschlicherweise in der gelben Tonne entsorgt wurden", erzählt er vom Gespräch beim Fotoshooting im Sortierkontor Bremen. Und natürlich wurde auch die Information über diese Brandgefahr mit in den Kreis-Lauf aufgenommen.

Die Story auf der Außenseite wird auf der Innenseite des Rondells ergänzt durch Infografiken zum Thema Kreislaufwirtschaft, inklusive deren Bedeutung für den Klimaschutz. Im Projektteam, zu dem auch Stephanie Meyer (Grafik) und Ruth Honkomp-Willenbring (Unternehmenskommunikation) gehörten, war für diese detaillierten Hintergrundinformationen vor allem Benjamin Kampmann gefragt. Er ist bei Pöppelmann zentraler Ansprechpartner des Unternehmens für alle Aktivitäten rund um Fragen der Kreislaufwirtschaft. "Kunststoff ist ein Wertstoff", macht er deutlich. Und: "Wir sehen die konsequente Weiterentwicklung der Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe als unseren größten Hebel, um auf unserem Weg zur Klimaneutralität die Nutzung von Rohöl für neue Kunststoffe und die Verbrennung von Kunststoffabfall zu reduzieren."

Wie groß das Interesse an dieser Thematik ist, habe sich unlängst auch bei der von Pöppelmann und dem Museum gemeinsam veranstalteten Forscherwoche zum Thema Kunststoff gezeigt, betont Julia Uptmoor: "Vor allem bei den Jüngeren zählen Umwelt- und Klimaschutz zu den wichtigsten Themen in ihrem Leben. Denn sie werden in der Welt leben, die wir jetzt gestalten."

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