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Sind Endverbraucher und Landwirte von steigenden Frachtkosten betroffen?

Die Übersee-Frachtraten explodieren förmlich. Das hat laut IHK Oldenburg auch Auswirkungen im Oldenburger Land. Stimmt das? OM online hörte sich bei Speditionen und Tierfutterherstellern im Kreis um.

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Entladung eines Massengutfrachters am Getreidehafen in Bremen. Foto: dpa / Wagner

Entladung eines Massengutfrachters am Getreidehafen in Bremen. Foto: dpa / Wagner

Reedereien, wie etwa Hapag-Lloyd, veröffentlichen in diesen Tagen blendende Zahlen, machen Gewinn. Nach etlichen Jahren der großen Konkurrenz auf den Weltmeeren verdienen die Reeder wieder Geld. Die hohe Nachfrage nach Schiffsraum und ein geringes Angebot lassen die Frachtraten steigen. Das hat Auswirkungen auf die Kalkulation der Verbraucherpreise von Produkten aus Übersee. Betroffen sind laut einer Umfrage der Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer (IHK) auch Unternehmen aus der Region. Spediteure sind laut Umfrage gezwungen, die Teuerungen an die Kunden weiter zu berechnen. Zudem behindern verzögerte Zulieferungen die Produktion.

Speditionen erwarten eher eine Kostensteigerung durch den Fahrermangel

Die Speditionen im Kreis Vechta zeigen sich bislang allerdings wenig betroffen von den Turbulenzen bei der Seefracht. So berichtet Ralph Borgmann, Geschäftsführer von Paul Schockemöhle Logistics in Mühlen, dass man in diesem Frachtsegment „kaum unterwegs“ ist. „Jedoch erwarten wir in 2021 auch eine deutliche Verknappung des Lkw-Laderaums in Deutschland und Europa“, sagt Borgmann. Bedingt durch den Fahrermangel und den demografischen Wandel „sowie aktuell durch die (...) schwierige Situation in der Transportbranche ist bereits der Fuhrpark in Deutschland und Europa, insbesondere auch Osteuropa, abgebaut worden“, erklärt der Frachtexperte. „Bei der aktuellen Wirtschaftslage in Deutschland und Europa fällt das gerade nicht wirklich auf, allerdings werden die Probleme verstärkt, sobald die Wirtschaft – hoffentlich – spätestens im zweiten Quartal wieder anspringt.“

Der Tenor bei der Spedition Paneuropa in Bakum ist derselbe wie in Mühlen. Es gebe wenig Berührungspunkte mit Seefracht, sagt Sprecher Nils Buchmann. Man erwarte aber am Markt „steigende Kosten aufgrund von wachsender Fahrerknappheit“.

Wenn auch nicht im eigentlichen Sinne Spediteur, so erhalten auch Tiernahrungshersteller der Region Rohstoffe wie Soja aus Überseeländern. Sind durch steigende Seefrachtraten auch die Endpreiskalkulationen für das Futter betroffen? Nicole Wiegmann, Sprecherin des Standortes Langförden von „For Farmers“, gibt die etwas ausweichende Mitteilung aus der niederländischen Zentrale des Unternehmens weiter: „In der Tat steigen einige Frachtraten aufgrund von Covid-19-Auswirkungen. Dementsprechend verwalten wir unsere Lagerbestände aktiv und berücksichtigen auch die Preisentwicklung der Fracht.“ Der Hersteller dürfte also die Preise durchaus anpassen und erhöhen.

Die Tierfutterhersteller beziehen ihre Rohstoffe überwiegend aus der Region

Beim Deutschen Verband Tiernahrung (Bonn) ist dem Sprecher der Geschäftsführung, Dr. Hermann-Josef Baaken, „das Problem“ bekannt. Dieses habe „natürlich auch Auswirkungen auf die Rohstofflieferungen und Lieferung spezieller Vorprodukte“. Von Lieferengpässen sei der Futtermarkt zurzeit aber nicht betroffen. Baaken rückt eine häufige Fehlannahme zurecht: „Grundsätzlich werden große Anteile des Futters mit regionalen Rohstoffen hergestellt. Lediglich circa 10 Prozent der eingesetzten Rohstoffe werden importiert.“

Bernd Bröring, Geschäftsführer der Bröring-Unternehmensgruppe in Dinklage, einer der größten Tierfutterproduzenten in Deutschland, bestätigt Baaken: Man wisse um die gestiegenen Kosten. Von den Steigerungen sei Bröring jedoch nicht direkt betroffen. „Unser Unternehmen bezieht den Hauptanteil der Rohwaren für die Futtermittelproduktion regional, insbesondere direkt aus der heimischen Landwirtschaft.“

Bei der Landwirtschaftlichen Bezugsgenossenschaft Damme (LBD) sieht man sich ebenfalls nicht betroffen von hohen Frachtkosten. Der überwiegende Teil des eigenen Futters stamme aus der Region, heißt es von dort. Für das derzeit hoch nachgefragte Soja nutze man langfristige Lieferverträge, um sich gegen Preissteigerungen abzusichern.

„Vorwürfe, Reedereien würden künstlich Preise hochtreiben, gehen fehl.“Christian Denso, Sprecher des Verbandes deutscher Reeder

Christian Denso, Sprecher beim Verband deutscher Reeder in Hamburg, rät zu Gelassenheit. „Vorwürfe, Reedereien würden künstlich Preise hochtreiben, gehen fehl.“ Die Nachfrage etwa nach Containertransporten sei viel stärker als von allen Experten erwartet gewesen. „Spätestens seit Herbst sind deshalb so gut wie alle verfügbaren Containerschiffe im Einsatz.“

Denso macht an einem Beispiel deutlich, dass „Transportkosten mit der geringste Faktor bei einem Produkt sind – dank der Schifffahrt“. Ein iPad oder einen Fernseher von Asien nach Europa zu transportieren, der im Laden für 500 Euro oder mehr verkauft werde, „kostet umgerechnet nur wenige Cent beziehungsweise Euro“. Heißt: Sei es nun Container- oder Massenfracht, der Schiffstransport falle preislich kaum ins Gewicht.

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