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Servicekräfte bleiben dem Gasthof Evers in Lüsche treu

Während bundesweit Gastronomiebetriebe händeringend Personal suchen, kann Veronika Evers ihre jungen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hausintern für die Arbeit am Gast schulen.

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Zertifikat in der Hand: Beim Gasthof Evers in Lüsche findet einmal im Jahr ein hausinterner Servicelehrgang für neue Servicekräfte statt. Chefin Veronika Evers (links) legt viel Wert darauf, dass ihre Mitarbeitenden sicher im Umgang mit Gästen sind.   Foto: Meinecke

Zertifikat in der Hand: Beim Gasthof Evers in Lüsche findet einmal im Jahr ein hausinterner Servicelehrgang für neue Servicekräfte statt. Chefin Veronika Evers (links) legt viel Wert darauf, dass ihre Mitarbeitenden sicher im Umgang mit Gästen sind.   Foto: Meinecke

Wie decke ich den Tisch richtig ein und wie decke ich ihn danach effizient wieder ab? Welchen Wein kann ich dem Gast empfehlen, wie kann ich ihm den Aufenthalt so angenehm wie möglich gestalten? Als Servicekraft im Restaurant oder im Festsaal hat man bei der Arbeit immer wieder mit vielen verschiedenen Menschen zu tun. Damit junge Anfängerinnen und Anfänger nicht völlig unvorbereitet ins kalte Wasser springen müssen, findet beim Gasthof Evers in Lüsche einmal im Jahr ein Servicelehrgang für die neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter statt.

In diesem Jahr haben acht Frauen und ein Mann im Alter von 16 bis 22 Jahren an dem hausinternen Lehrgang teilgenommen, lässt Chefin Veronika Evers wissen. 12 Stunden umfasste das Training und schloss mit einem fünfgängigen Essen ab, zu dem die Teilnehmenden Freunde und Familie einladen durften. Insgesamt 60 Personen umfasste schließlich die Abschlussveranstaltung. „Die Eltern waren schon stolz auf ihre Kinder“, hat Evers beobachtet. Ihr sei es wichtig, dass ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Sicherheit am Gast haben. Gerade mit 16 Jahren seien viele noch schüchtern. „Nach 1 Jahr erkennt man sie dann nicht mehr wieder“, sagt sie und lacht.

20 bis 25 Servicekräfte stehen zur Verfügung

Die Idee für diese hausinterne Schulung hatte Veronika Evers vor Jahren selbst und hat das Konzept für den Lehrgang ausgearbeitet. Das koste selbstverständlich auch Geld, sagt sie, aber das halte sie für sinnvoll investiert. Insgesamt kann der Gasthof aktuell auf einen Pool von 20 bis 25 Servicekräften zurückgreifen. Die meisten seien Studierende, Auszubildende, Schülerinnen und Schüler aus Lüsche und der näheren Umgebung, erzählt Evers. Damit teilt sie offenbar nicht das Problem, das bundesweit Gastronomie-Betriebe haben: Sie finden als Folge der Corona-Pandemie keine Servicekräfte mehr.

Spurlos vorbeigegangen ist die Pandemie an dem Gasthof Evers aber nicht. Zuletzt fand auch der Servicelehrgang 2019 statt. „Wir durften ja nichts“, fasst Veronika Evers es knapp zusammen. Sie erinnert sich daran, dass Mitte März 2020 der italienische Abend mit rund 180 Gästen stattfinden sollte. Doch mit Beginn der Pandemie „hagelte es Absagen“, sagt sie. „Was machen wir jetzt?“, war die Frage, die im Raum stand. Kurzerhand organisierte das Team eine Außer-Haus-Veranstaltung mit Abholservice. Und danach? Das Virus war gekommen, um zu bleiben und an Feierlichkeiten mit vielen Menschen war nicht mehr zu denken. Der erste Lockdown überkam das Land. Die Gastronomie musste schließen.

Der Gasthof Evers musste für seine Mitarbeitenden Kurzarbeit anmelden. „Wir waren wie gelähmt“, schildert Veronika Evers. Es habe „so tolle Besprechungen“ für Hochzeitsfeiern gegeben – „alles weg“. Zukunftsängste überkam das Ehepaar Veronika und Dieter Evers. Doch es musste weitergehen und so boten auch sie, wie viele andere Gastronomiebetriebe, weiterhin einen Abholservice an. Der sei auch gut angenommen worden, sagt Evers.

Leute sind vorsichtig gewesen

Zwar durfte der Betrieb im Mai 2020 wieder starten, doch insgesamt verliefen die Sommermonate „einigermaßen schleppend“, so Evers. Die Leute seien noch zurückhaltend gewesen. Das Biergarten-Event als Ersatzveranstaltung für die jährliche Kirmes – das sei sehr gut angekommen. „Die Leute haben mich für verrückt gehalten“, sagt Evers und lacht. Doch es habe sich gelohnt.

Im vergangenen Jahr haben sich die Ersten wieder getraut, Hochzeit zu feiern – unter Einhaltung von strengen Hygieneregeln. „Die Leute wollten wieder feiern“, sagt Veronika Evers. Probleme mit Menschen, die beispielsweise den Impf- oder Testnachweis nicht erbringen wollten, habe sie nicht erlebt. Auch die eigenen Mitarbeitenden erfüllen die 2G-Regelung, lässt sie wissen.

Jetzt geht es wieder bergauf

Zwar gehe es jetzt wieder bergauf, doch die vergangenen 2 Jahre haben den Gasthof finanziell hart getroffen, gibt die Chefin zu. Die Einnahmen seien weggebrochen, man sei persönlich heruntergefahren. Das sei schon eine psychische Belastung gewesen, verrät Evers. Da sei es durchaus eine Herausforderung gewesen, sich wieder aufzuraffen und hochzufahren.

Nun sei sie froh, wieder alle Servicekräfte voll einsetzen zu können. „Die Mitarbeiter sind das höchste Gut“, sagt Veronika Evers. Die nächste große Hochzeitsfeier stehe nach Ostern an. Ab Mai „geht's rund“, sagt sie lächelnd. Der Gasthof habe bereits viele Anfragen für größere Feierlichkeiten für die Sommermonate und auch schon für das kommende Jahr. Dann können die jungen Servicekräfte endlich zeigen, was sie in dem Lehrgang gelernt haben.

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