Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Separatorenfleisch in der Wurst? Wiesenhof wehrt sich gegen Recherchen von NDR und Spiegel

Wird minderwertiges Fleisch bei der Wurstproduktion von Wiesenhof verwendet? Den Verdacht hegen NDR und Spiegel nach Recherchen. Der Konzern wirft den Journalisten unseriöse Untersuchungen vor.

Artikel teilen:
Der Wiesenhof-Hähnchenschlachthof in Lohne. Foto: dpa

Der Wiesenhof-Hähnchenschlachthof in Lohne. Foto: dpa

Steckt Separatorenfleisch in Wurstprodukten von Wiesenhof, Tönnies und Wiltmann? Diese Frage steht jetzt nach Recherchen des Norddeutschen Rundfunks (NDR) und des Nachrichtenmagazins Spiegel im Raum. Ein entsprechender Bericht ist für Donnerstagabend im ARD-Magazin Panorama angekündigt worden.

Noch vor der Ausstrahlung wehren sich nun die Unternehmen: Wiesenhof wirft den Journalisten unseriöse Untersuchungsmethoden vor und betont: Man könne definitiv ausschließen, dass in den Wurstprodukten von Wiesenhof Separatorenfleisch verwendet werde. Hierzu liegen Spiegel und NDR auch eidesstattliche Versicherungen vor, schreibt das Unternehmen mit Stammsitz in Rechterfeld.  Auch Tönnies hat nach Informationen der dpa die Vorwürfe dementiert.

Was ist Separatorenfleisch? Maschinen lösen das Fleisch von den Knochen. Am Ende entsteht eine breiartige Masse, die optisch Hackfleisch ähnelt, aber nur wenige Cent pro Kilo koste.

Separatorenfleisch muss gekennzeichnet werden

Lebensmittelrechtlich darf die Masse nicht Muskelfleisch genannt werden, weil durch den Verarbeitungsprozess die Strukturen der Muskelfasern verändert werden. "Knochensplitter und Knorpelteile bleiben hängen, alle weichen Teile wie etwa Muskulatur, Fett und Bindegewebe oder auch Rückenmark werden abgepresst", heißt es in einer Mitteilung des NDR. Gemäß EU-Verordnung muss auf Produkten, bei denen Separatorenfleisch verwendet wurde, ein entsprechender Hinweis für die Verbraucher gekennzeichnet sein.

NDR und Spiegel haben in Zusammenarbeit mit der Bremerhavener Hochschule 30 Geflügelwurst- und Geflügelfleischproben im Labor unter die Lupe genommen. Dabei handelt es sich um Produkte verschiedener Hersteller. 9 Proben seien positiv auf Separatorenfleisch getestet worden. 5 dieser Fleischwaren wurden von der "Zur Mühlen Gruppe", die zur Tönnies-Unternehmensgruppe gehört, hergestellt. Außerdem gelte der Verdacht bei zwei Produkten des Herstellers "Franz Wiltmann". Je einen Verdachtsfall gebe es bei Wiesenhof und beim Hersteller „Mecklenburger Landpute“. Bei diesen Produkten habe es keine entsprechende Kennzeichnung auf der Verpackung gegeben.

"Die Vorwürfe sind aus unserer Sicht haltlos."Unternehmenssprecher von Wiesenhof

Wiesenhof, Markenführer bei Geflügelprodukten, weist die Vorwürfe von sich: "Wir können mit Sicherheit ausschließen, dass in den Wurstprodukten der Marke Wiesenhof Separatorenfleisch verwendet wurde oder wird", erklärt ein Unternehmenssprecher am Donnerstag. Dazu hätten nicht nur der Geschäftsführer von Wiesenhof, sondern auch die Geschäftsführer der vorgelagerten Schlachtereien bereits gegenüber den Journalisten eidesstattliche Versicherungen abgegeben. "Die Vorwürfe sind aus unserer Sicht haltlos."

Man könne auch eine unbeabsichtigte Verwendung von Separatorenfleisch ausschließen. Die Verarbeitungsprozesse ließen das nicht zu. Die Abläufe werden vom geschulten Fachpersonal überwacht und durch amtliche Veterinäre kontrolliert. "Für die Untersuchungen werden ausschließlich behördlich anerkannte, akkreditierte und validierte Untersuchungsmethoden angewandt."

Kritik von Wiesenhof: Methodik wird nicht amtlich anerkannt

Genau an dieser Stelle knüpft jetzt die weitere Kritik von Wiesenhof an. Denn die Journalisten hätten eine Untersuchungsmethode angewandt, für die es keine amtliche Anerkennung gebe. In der Tat weisen NDR und Spiegel im Vorfeld der Ausstrahlung des Berichts darauf hin, dass Professor Stefan Wittke von der Hochschule Bremerhaven eine neue Methodik nutze. Er habe "ein neues, peer-review-geprüftes Verfahren entwickelt, um diese Zutat in Wurstprodukten nachzuweisen", heißt es in der Mitteilung des NDR.

Wiesenhof beruft sich auf die Einschätzung eines vereidigten Sachverständigen, der wie folgt zitiert wird: "Insofern habe ich die Auffassung, dass diese Arbeit nur maximal einen eingeschränkten Hinweis geben kann, dass in diesem Erzeugnis Separatorenfleisch eingesetzt wurde. Es ist wahrscheinlich, dass Fleischwarenhersteller nicht sachgerecht bewertet werden und fälschlicherweise der nicht deklarierten Verarbeitung von Separatorenfleisch beschuldigt werden.“ Die Journalisten wiederum halten dagegen, dass die bestehenden Untersuchungsmethoden nicht ausreichend seien. Bislang sei es "de facto kaum möglich" gewesen, Separatorenfleisch nachzuweisen.


  • Über das Thema berichten die ARD-Sendung „Panorama“ (NDR) am Donnerstag, 23. Juni, um 21.45 Uhr im Ersten sowie die Dokureihe „45 Min: Geheimsache Wurst – was essen wir da?“ am Montag, 27. Juni, um 22 Uhr  im NDR Fernsehen.

OM-hilft -  Helfen Sie mit! Das Oldenburger Münsterland hilft den Geflüchteten aus der Ukraine. Hilfsinitiativen, Wohlfahrtsorganisationen und viele mittelständische Unternehmen sind bereits dabei, die Hilfe vor Ort zu koordinieren. Und auch Sie können sich beteiligen. Wie und Wo? Das sagt Ihnen  die Webseite om- hilft.org

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Separatorenfleisch in der Wurst? Wiesenhof wehrt sich gegen Recherchen von NDR und Spiegel - OM online