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Sein Start-up will die Mode entschleunigen

Der gebürtige Cappelner Marc Thoben vertreibt seit Kurzem besondere Kapuzenpullis. Dabei legt der 40-Jährige besonderen Wert auf Qualität und Transparenz.

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Lässig: Marc Thoben und sein zweieinhalb Jahre alter Sohn Max präsentieren die Hoodies. Foto: © Thoben

Lässig: Marc Thoben und sein zweieinhalb Jahre alter Sohn Max präsentieren die Hoodies. Foto: © Thoben

Billigklamotten, die schon nach ein paar Mal waschen anfangen zu fusseln und langsam verblassen, hat wohl jeder schon mal in seinem Schrank gehabt. Die Freude über das günstig geschossene Kleidungsstück weicht in der Regel schnell, wenn das Schnäppchen nach kurzer Zeit allenfalls noch als Putzlappen taugt. Solche Erfahrungen will Marc Thoben seinen Kunden ersparen. Der gebürtige Cappelner hat nun mit „The Hoodie“ ein Start-up gegründet, das ein Zeichen gegen die Schnelllebigkeit der Modebranche und billig produzierte Kleidung mit kurzer Haltbarkeit setzen soll. Statt „fast fashion“ (schnelle Mode) ist „slow fashion“ (langsame Mode) angesagt. Kern der Geschäftsidee: qualitativ hochwertig produzierte Hoodies, also Kapuzenpullover.

Die verkauft der 40-Jährige, der seit mehr als zehn Jahren in Hamburg lebt, über seinen vor vier Wochen eröffneten Onlineshop. Und diese Hoodies haben es in sich – im doppelten Sinne des Wortes. Thoben, der seine Hoodies in Portugal produzieren lässt, schwört auf ägyptische Baumwolle, die in den Kleidungsstücken zu 100 Prozent zum Einsatz komme. Ihm sei es wichtig, dass „die besten Materialien“ genutzt würden. Und die ägyptische Baumwolle sei wegen ihrer „extrem langen Fasern“ sehr hochwertig und das Produkt dadurch sehr lange haltbar.

Hoodies kosten 120 beziehungsweise 130 Euro

„Auf die Preise habe ich dabei nicht geachtet“, gibt Thoben zu. Und somit haben es die Kleidungsstücke auch finanziell in sich. Für einen normalen Hoodie sind 120 Euro zu zahlen, für einen mit Reißverschluss
130 Euro. „Mir ist bewusst, dass dieser Preis sehr hoch ist und er sicher viele abschrecken wird“, sagt Thoben. Angesichts der Material- und Produktionskosten seien diese Summen aber „fair“. Diesbezüglich sei ihm Transparenz sehr wichtig. An einem 120-Euro-Hoodie verdiene er gerade mal etwa 20 Euro. „Warum soll ich daraus ein Geheimnis machen?“, betont er.

Die reinen Materialkosten lägen bei 40 Euro. Der Rest gehe für die Produktion und den Versand drauf. „Würden die Hoodies über einen Zwischenhändler verkauft werden, müssten sie um die 190 Euro kosten.“

"Ein großer Testballon"

„Das ist ein mutiges Projekt“, sagt Thoben. „Es ist ein großer Testballon.“ Von seiner Geschäftsidee leben könne und müsse er noch nicht. Denn der studierte Betriebswirt arbeitet nebenbei weiter im Marketing. Aber der Wunsch, sich selbstständig zu machen, sei schon immer da gewesen. Nur an der passenden Idee habe es gemangelt. „Es sollte etwas sein, womit ich mit identifizieren kann“, sagt der Wahl-Hamburger.

Die Idee für sein Start-up sei ihm schließlich bei der Suche nach einem passenden Hoodie für ihn selbst gekommen. „Ich mag diese großen Aufdrucke nicht“, so der 40-Jährige. Exemplare mit einem hohen Polyesteranteil seien nicht gut für die Umwelt und eine Langlebigkeit hätten solche Produkte auch nicht. So entstand die Idee für „The Hoodie“. Das Werbeerlebnis solle hinter dem Trageerlebnis anstehen. So entstünden saisonunabhängige Kleidungsstücke, die konsequent auf Prints, Logos sowie aufwändige Marketingkampagnen verzichten. „Mir war es auch wichtig, in Europa zu produzieren und nicht etwa in Bangladesch, wo man keine Kontrolle hat.“

In seiner Form sei der Onlineshop „einzigartig in Deutschland“, betont der Gründer. Es gebe sonst niemanden, der so „offen und ehrlich“ mit den Preisen und Kosten umgehe. Wie erfolgreich seine Geschäftsidee ist, werde sich in den kommenden Wochen und Monaten herausstellen. Die Coronapandemie spiele ihm jedenfalls nicht in die Karten. Zwar nähmen Online-Bestellungen generell zu. „Aber viele müssen ihr Portemonnaie in diesen Zeiten eher straffer halten.“ Von der Idee hinter seinem Start-up ist der 40-Jährige aber fest überzeugt: „Ich glaube, dass die Menschen beim Kleidungskauf für die Wertigkeit der Stoffe und der Verarbeitung bezahlen sollten, nicht für die Marke oder das Marketing dahinter.“ Der Preis habe früher einmal für die Qualität eines Kleidungsstücks gestanden. „Und genau dahin will ich mit ‚The Hoodie‘ zurück.“

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