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Schweinezucht: "Mehr als plus-minus-null ist nicht drin"

Die Branche ist besorgt wegen der Afrikanischen Schweinepest. Wie schlimm es für die Schweinehalter wirklich kommen wird, ist zurzeit noch offen.

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Kein Stress: Christian Lübbe (links) und Fahrer Eugen Gertz verladen die Schweine. Die Fahrt wird kurz. Der Schlachthof ist nur rund drei Kilometer vom Stall entfernt.  Foto: Meyer

Kein Stress: Christian Lübbe (links) und Fahrer Eugen Gertz verladen die Schweine. Die Fahrt wird kurz. Der Schlachthof ist nur rund drei Kilometer vom Stall entfernt. Foto: Meyer

Viel Platz zum Rangieren hat der riesige Lkw nicht. „Als der Stall gebaut wurde, waren die Viehtransporter noch deutlich kleiner“, erklärt Christian Lübbe. Zum Glück ist Eugen Getzel ein guter Fahrer. 160 Schweine soll er heute zum Schlachthof bringen. Lübbe hat schon alles vorbereitet. Rund hundert Tage lang hat der Essener die Tiere betreut. Als er sie einstallte, waren sie noch kleine Ferkel. Jetzt wiegen sie um die 120 Kilogramm und sind damit schlachtreif.

Dass am Ende einer Mastperiode der Tod auf seine Schweine wartet, ist für Lübbe kein Problem. „Ich bin mir dessen ja von Anfang an bewusst.“ Wer Fleisch essen wolle, müsse eben akzeptieren, dass dafür Tiere sterben, sagt er. Die zur Schlachtung bestimmten Schweine hat der Landwirt am Abend zuvor aussortiert. Das erspare den Tieren zusätzlichen Stress, der sich auch negativ auf die Fleischqualität auswirken könnte, erklärt Lübbe. Welche Schweine schlachtreif sind und welche noch länger gemästet werden müssen, entscheidet er nach Gefühl. „Dafür bekommt man einen Blick.“

Einige Stunden vor dem Transport erhalten die Schweine kein Futter mehr

Damit sie besser laufen, erhalten sie einige Stunden vor dem Abliefern kein Futter mehr. Aus dem Stall treiben kann Lübbe sie dann ganz allein. Er benötigt dafür nur ein Brett und eine Art Paddel, das er wie eine Rassel hin- und herschwenkt. Fahrer Eugen muss aus Hygienegründen vor dem Stalleingang warten und übernimmt die Tiere dort, um sie zu verladen. Für ihn ist es die zweite Tour an diesem Tag. Er ist schon seit vier Uhr morgens unterwegs.

Seitdem bei toten Wildschweinen in Brandenburg erstmals die Afrikanische Schweinepest (ASP)  nachgewiesen wurde, steht der deutsche Schlachtschweinemarkt unter erheblichem Druck. Die ASP sei unter den Landwirten, aber auch bei den Transporteuren Gesprächsthema Nummer eins, berichtet Eugen Getzel. Seit drei Jahren fährt er für einen Löninger Viehhandel. Die Arbeit gefällt ihm – „auch wenn es stinkt“, wie er lächelnd hinzufügt. Der Essener Schlachthof, den Getzel regelmäßig ansteuert, habe die Sicherheitsmaßnahmen noch einmal erhöht. Die Sorge, dass der Erreger in einen Hausschweinebestand gelangen könnte, ist offenbar groß.

Christian Lübbe bleibt aber zuversichtlich, das bei ihm der schlimmste Fall nicht eintritt. Ein mannshoher Zaun soll Wildschweinen den Zugang zum Stallgelände verwehren. Den Preissturz konnten die Sicherheitsmaßnahmen allerdings nicht verhindern. 1,27 Euro erhält Lübbe derzeit für ein Kilo Schweinefleisch. Vor gut einer Woche waren es noch 20 Cent mehr. Im Frühjahr hatte der Preis sogar die magische zwei-Euro-Marke gerissen. Geld verdienen könne er zurzeit mit seiner Arbeit nicht, bestätigt Lübbe und rechnet vor: „Pro Tier bekomme ich 140 Euro. Für das Ferkel habe ich 70 Euro bezahlt. Das Futter kostet 60, macht 130 Euro.“ Hinzu kämen rund zehn Euro zusätzliche Kosten, etwa für den Tierarzt. Mehr als plus-minus-null sei diesmal wohl nicht drin.

Bislang profitierten die Mäster vom Asiengeschäft

Bislang profitierten die Mäster vor allem vom Asiengeschäft. Doch nach den ASP-Funden sperrten Länder wie China und Korea ihre Häfen für deutsches Schweinefleisch. Die Kritik an Fleischexporten kann Christian Lübbe indes nicht verstehen. „Es heißt immer, dass Deutschland überversorgt sei. Das stimmt aber nur, wenn wir unsere Schweine komplett verwerten würden.“ Weil die Deutschen aber lediglich Edelteile wie Koteletts oder Schinken äßen, müsse sogar Fleisch aus anderen europäischen Ländern eingeführt werden. Die Exporte weniger beliebter Teilstücke hätten dagegen geholfen, die Preise trotz der gestiegenen Auflagen einigermaßen stabil zu halten, erklärt er.

Nach gut einer Stunde sind alle Schweine verladen. Für den Weg zum Schlachthof benötigt Eugen Getzel nur wenige Minuten. „Alles regional“, sagt Christian Lübbe. Sobald sein Stall komplett leer ist, wird er ihn waschen und neue Ferkel bestellen. Er macht weiter – trotz ASP. Der Markt müsse sich erstmal sortieren, sagt er. Und dann – das hofft er wenigstens – würden die Zeiten auch wieder besser.

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