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Schweinehalter fordern Neustart von Tönnies

So schnell wie möglich müsse der Betrieb in dem wegen Corona geschlossenen Schlachthof wieder aufgenommen werden, fordert die ISN. Die Bauern würden mit ihren Sorgen allein gelassen.

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Geschlossen: Tönnies darf nicht schlachten. Das hat bundesweit Folgen. Foto: dpa

Geschlossen: Tönnies darf nicht schlachten. Das hat bundesweit Folgen. Foto: dpa

Unter Landwirten regt sich Kritik an der anhaltenden Schließung des Tönnies-Schlachthofes im westfälischen Rheda-Wiedenbrück. Der Betrieb am größten deutschen Schlachthof ruhe seit genau zwei Wochen, und nach wie vor sei unklar, wann und wie es dort weitergehen solle, kritisierte der Vorsitzende der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN), Heinrich Dierkes, am Mittwoch in Damme. Notwendig sei nun ein Zeitplan für die Wiederaufnahme des Betriebs.

Es sei für die Landwirte ein unhaltbarer Zustand, dass sie noch nicht einmal ansatzweise wüssten, wie es weitergehe. Von der Schließung seien alle deutschen Schweinehalter betroffen, denn in dem Tönnies-Betrieb würden im Normalbetrieb zwischen 12 bis 14 Prozent der deutschen Schweine geschlachtet. Der Schlachthof sei damit "systemrelevant". Wöchentlich stauen sich der ISN zufolge in den Ställen zusätzlich bis zu 100.000 Schweine auf, die der derzeit nicht geschlachtet werden können. "Damit lässt man uns Bauern einfach im Regen stehen", kritisierte Dierkes.

Nach Angaben von Tönnies hat das Unternehmen mit rund 20 Prozent seiner Lieferanten feste Abnahmeverträge. In Rheda-Wiedenbrück würden normalerweise pro Tag je nach Marktlage zwischen 20.000 bis 25.000 Schweine geschlachtet. 30.000 sind seit 2019 von den Behörden genehmigt. "Wir verteilen jetzt die Tiere von unseren Vertragspartnern auf die Werke in Sögel, Weißenfels und Kellinghusen", erklärt Tönnies-Sprecher André Vielstädte. Wobei: Auch in Weißenfels laufen mittlerweile Corona-Tests. 

Auch die Ferkelzüchter plagen Sorgen

An eben diesen Standorten im Emsland, in Sachsen-Anhalt und in Schleswig-Holstein hat das allerdings Auswirkungen auf die Lieferanten im freien Markt. "In Sögel werden bislang viele Tiere aus den Benelux-Ländern geschlachtet", erklärte Vielstädte. Das sei derzeit auf Eis gelegt, um die Tiere der Vertragsmäster abnehmen zu können. Auch müssten die Lieferanten jetzt deutlich längere Fahrtwege wie nach Sachsen-Anhalt in Kauf nehmen.

Die Tierzüchter mästen auf ein mit dem Schlachter vereinbartes Zielgewicht hin. Bleiben die Tiere zu lange im Stall, hat der Bauer höhere Futterkosten. Werden die Tiere zu fett, drohen Preisabzüge. Mittelfristig wird es in den Ställen zu eng. Um darauf zu reagieren, könnte die Nachfrage bei den Ferkelzüchtern sinken.

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