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Schweinehalter fordern Corona-Nothilfen

Die Interessengemeinschaft ISN mit Sitz in Damme schlägt Alarm: Schlachtstau und Preisverfall führten dazu, dass Existenzen auf dem Spiel stehen.

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Es wird immer enger in den Ställen: Mäster werden ihre Schweine schwer los. Foto: dpa / May

Es wird immer enger in den Ställen: Mäster werden ihre Schweine schwer los. Foto: dpa / May

Die Corona-Krise bringt immer mehr Schweinehalter in Bedrängnis. Es gehe „um die Existenz“, heißt es in einer Mitteilung der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) mit Sitz in Damme von Freitag.

Als Hauptursache nennt die ISN die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie. Es sei "ein erheblicher Schweinestau entstanden, der durch Einschränkungen bei den Schlachtungen hervorgerufen wurde". Außerdem führe der "dramatische Schweine- und Ferkelpreisverfall die Betriebe aktuell in eine finanzielle Notlage". Dadurch sei den deutschen Schweinehaltern bereits ein Schaden von etwa 1,3 Milliarden Euro entstanden.

"Die Lage der Schweinehalter ist extrem ruinös. Die Betriebe brauchen jetzt schnelle und unbürokratische Corona-Hilfen analog zur Gastronomie."Dr. Torsten Staack, ISN-Gechäftsführer

Die ISN, die etwa 10.000 Mitglieder zählt, fordert deshalb: Für die "in diese Notsituation geratenen Schweinehalter" müsse es "Corona-Nothilfen geben". Diese sollten dem Modell der staatlichen Corona-Hilfsgelder für die Gastronomie entsprechen. Hier erhalten die von den aktuellen Schließungen betroffenen Betriebe 75 Prozent des Umsatzes, den sie im November des Vorjahres verbuchen konnten.

"Die Lage der Schweinehalter ist extrem ruinös. Die Betriebe brauchen jetzt schnelle und unbürokratische Corona-Hilfen analog zur Gastronomie", sagte ISN-Geschäftsführer Dr. Torsten Staack. Und weiter: "Schließlich sind die Schweinehalter aufgrund von Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie unverschuldet in diese katastrophale Lage geschlittert."

Staack betonte: Das Preisgeschehen der vergangenen Monate zeige "klar, dass der Schweinepreis aufgrund der Corona-bedingten Einschränkungen, sei es in der Gastronomie und Veranstaltungsbranche, beim Export oder in den Schlachthöfen, eingebrochen ist".

Oldenburger Münsterland von Krise besonders betroffen

Stack sagte auch: "Jedem sollte klar sein, dass jedes Schweineschnitzel und jede Bratwurst, die jetzt weder im Restaurant noch auf einer der vielen ausgefallenen Veranstaltungen gegessen werden können, beim Absatz fehlen."

Staack nannte gegenüber OM online folgende Zahlen: In Deutschland seien im November 4,5 Millionen Schweine vermarktet worden, die Einbußen bei den Haltern beliefen sich auf 350 Millionen Euro. In Niedersachsen sei in diesem Monat von 100 Millionen Euro Verlust auszugehen, für Dezember geht die ISN von 120 Millionen Euro aus. Das betreffe insbesondere das westliche Niedersachsen, wo im Oldenburger Münsterland und im Emsland Schwerpunkte der Schweinemast liegen.

Der Verlust pro Tier liege für Mäster derzeit bei 60 Euro. Der Schweinepreis ist unterdessen erneut abgesackt – auf 1,19 Euro pro Kilo. Im März lag er noch bei mehr als zwei Euro pro Kilo Schlachtgewicht. Als wirtschaftlich gilt ein Preis von 1,70 bis 1,75 Euro pro Kilo.

Warnt vor schlimmen Auswirkungen auf Betriebe und Regionen: ISN-Geschäftsführer Dr. Torsten Staack. Foto: ChowanietzWarnt vor schlimmen Auswirkungen auf Betriebe und Regionen: ISN-Geschäftsführer Dr. Torsten Staack. Foto: Chowanietz

Dieses Preisniveau gilt der ISN auch als Orientierung, um die Höhe der geforderten staatlichen Ausgleichszahlungen zu bemessen. "Wir müssen einen Weg finden, wie man sich dem Betrag annähert",  sagte Staack.

Er nannte auch diese Zahlen als Berechnungsgrundlage: Bei den Preisen für Ferkel gebe es im November einen Rückgang von 58 Prozent im Vergleich zum November des Vorjahres. Im Dezember werde ein Preisrückgang von 75 Prozent erwartet – im Vergleich zum Vorjahresmonat. Bei Mastschweinen gebe es im November ein Minus von 40 Prozent im Vergleich zum November 2019. Im Dezember sei von einem Rückgang um 45 Prozent im Vergleich zum Dezember 2019 auszugehen. Staack sagte mit Blick auf die geforderten Nothilfen, es müsse ein „einfaches Modell“ zur Berechnung geben, und zwar anhand der gehandelten Tiere.

Schweinestau begann mit Schließung von Tönnies

"Wenn die Politik jetzt nicht handelt, nimmt sie sehenden Auges in Kauf, dass viele Familienbetriebe ihre Schweinehaltung aufgeben müssen. Dies hätte nicht nur weitreichende Folgen für ganze Landstriche, es bringt sogar die Selbstversorgung mit heimischem Schweinefleisch in Gefahr", sagte Staack.

Der ISN-Geschäftsführer sprach sich gegen die ebenfalls diskutierte Bezuschussung der privaten Lagerhaltung von Schweinefleisch aus. Das sei "nicht zielführend, weil das Geld nicht bei den Bauern ankommt".

Staack: "Schweinehalter können ihren Betrieb nicht einfach so anhalten. Es werden weiter Ferkel geboren und die Tiere im Stall wachsen weiter und müssen auch weiter versorgt werden." Staack drängte deshalb hierauf: "Die Maßnahmen zur Auflösung des Schweinestaus und zur Öffnung der Exportmärkte müssen daher weiter konsequent umgesetzt werden."

Den derzeitigen Überhang an Schweinen in den Ställen beziffert die ISN auf 590.000 Tiere in Deutschland. Dieser Schweinestau begann im Frühjahr mit der wochenlangen Schließung von Deutschlands größtem Schlachthof Tönnies in Rheda-Wiedenbrück aufgrund massenhafter Corona-Infektionen von Beschäftigten. Es gab weitere Corona-Ausbrüche in Schlachthöfen. Die Unternehmen arbeiteten seither mit gedrosselter Kapazität.

Für Mäster bedeutet dies auch: Wenn sie ihre Tiere nicht los werden, kommt es zu Platzmangel im Stall, weil die Schweine stetig an Gewicht zulegen – es drohen Verstöße gegen den Tierschutz. Für zu schwere Schweine gibt es zudem erhebliche Abzüge vom Preis.

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