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Schwegmann: "Wir fühlen uns gut aufgestellt"

Aufgrund des erfolgreichen Geschäftsjahrs 2019 mit 3,2 Prozent Wachstum bezahlt Berentzen den Aktionären auf Beschluss der Hauptversammlung eine Dividende von 0,28 Euro.

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Stolz auf die Auszeichnung: Berentzen-Vorstand Schwegmann mit dem von compamedia vergebenen Innovationspreis Top 100. Foto: Willi Siemer

Stolz auf die Auszeichnung: Berentzen-Vorstand Schwegmann mit dem von compamedia vergebenen Innovationspreis Top 100. Foto: Willi Siemer

"Auch wir spüren die Folgen der Corona-Pandemie in all unseren Geschäftsbereichen. Ich bin aber zuversichtlich, dass wir robust durch diese Krise kommen werden, da wir mit unserem Angebot und unseren Strategien breit aufgestellt sind", schildert Vorstand Oliver Schwegmann im Gespräch mit OM online die aktuelle Lage der Berentzen-Gruppe vor der erstmals virtuell veranstalteten Hauptversammlung.

Der komplette Ausfall von Festen und Veranstaltungen auch im privaten Bereich und die Probleme insgesamt der Gastronomie hätten zur Folge gehabt, dass die Umsätze zurückgegangen seien und auch der erfolgreiche Saftpressen-Bereich leide. Da das Unternehmen, das mit seinen rund 500 Mitarbeitern im jüngsten Geschäftsjahr 167,4 Millionen Euro Umsatz erzielt hat, seine Umsätze zu 80 Prozent in Deutschland mit dem gleichen Anteil im Lebensmitteleinzelhandel erziele, habe sich Berentzen bisher gut geschlagen.

"Wir können aktuell nur auf Sicht fahren."Oliver Swegemann, Vorstand von Berentzen

Die ursprünglich mit dem Geschäftsbericht 2019 am 26. März veröffentlichte Prognose für das Geschäftsjahr 2020 musste im Zuge von Corona unmittelbar wieder eingestampft werden. Eine neue konnte aufgrund der denkbaren sehr unterschiedlichen Szenarien noch nicht valide und abschließend erarbeitet werden: "Wir können aktuell nur auf Sicht fahren", so Schwegmann. Der Spirituosen-, Limonaden- und Mineralwasser-Hersteller fühlt sich insgesamt gut aufgestellt, das zeigt sich auch in der von den Verantwortlichen vorgeschlagenen und mit großer Mehrheit von den Aktionären beschlossenen Dividende von 0,28 Euro je Aktie.

Rendite von 4,4 Prozent

Auf Basis des aktuellen Aktienkurses entspricht dies für ein - nach Angaben des Vorstandes erfolgreiches 2019 - einer Rendite von rund 4,4 Prozent. Insgesamt werden damit etwa 2,6 Millionen Euro an die Anteilseigner ausgeschüttet. Außerdem entlasteten die Aktionäre in der Hauptversammlung Vorstand und Aufsichtsrat für das Geschäftsjahr. 2019 sei die Gruppe um 3,2 Prozent gewachsen und war damit,nach Angaben von Schwegmann besser als der jeweilige Wettbewerbsmarkt. Mit dieser Entscheidung schließe sich auch ein Antrag auf ein KfW-Darlehen aus. Grundsätzliches Ziel der im Regulierten Markt (General Standard) der Frankfurter Wertpapierbörse notierten Berentzen-Gruppe-Aktiengesellschaft seien nicht kurzfristige Kurssprünge, sondern langfristige Investoren zu binden.

Neu im Aufsichtsrat: Dagmar Bottenbruch

Mit dem Ablauf der Hauptversammlung endete das Aufsichtsratsmandat von Daniël M. G. van Vlaardingen. Auf den damit vakanten Sitz im Aufsichtsrat wählten die Aktionäre Dagmar Bottenbruch als Vertreterin der Anteilseigner neu in das Gremium. Er hoffe, dass dieses virtuelle Treffen eine einmalige Ausnahme bleibe, denn der persönliche Austausch sei für alle Beteiligten unverzichtbar, so Schwegmann. Weiteres wichtiges Ziel sei es, das Unternehmen noch unabhängiger vom Abfüll- und Lizenzgeschäft mit dritten Firmen zu machen und zielstrebig den Weg weiter vom regionalen Abfüller zum nationalen Markenartikler zu gehen.

Die Kündigung des Lohnfüll-Geschäfts durch Pepsi, die erfolgt sei, weil dort zunächst die eigenen Kapazitäten genutzt werden sollen, sei überraschend und werde bedauert. Andererseits beschleunige sie den bereits eingeschlagenen Weg, denn es sei ohnehin Ziel gewesen, diesen Bereich vom Kuchen zur Kirsche auf dem Kuchen umzuwandeln. Denn das Lohnabfüllgeschäft sei mit sieben Prozent ein Umsatz-Scheinriese, aber gleichzeitig ein Ertragszwerg. Wie das Unternehmen auf diese untergeordnete Entwicklung reagiere, sei noch nicht klar. Eine Möglichkeit seien strukturelle Anpassungen in der Produktion oder ein neuer Partner.

Innovation und Außenorientierung von Erfolg gekrönt

Als Bestätigung für das Ziel einer dauerhaften "Innovationskultur" in der ganzen Bandbreite der angebotenen und weiter neu zu entwickelnden Produkte sieht Schwegmann die  im Innovationswettbewerb "Top 100" vergebene Auszeichnung für Berentzen. Das seit 1993 von der "compamedia" verliehene Siegel bescheinigt den Haselünnern in der Größenklasse C (mehr als 200 Mitarbeiter) besonders in den Kategorien "Innovationserfolg" und "Außenorientierung/Open Innovation" bemerkenswerte Erfolge. Schon lange vor der Entwicklung eines neuen Produkts werde bei dem Getränkehersteller über neue Ideen gesprochen. Nicht nur intern, sondern seit 2018 zunehmend mit Partnern von außen, die von Spirituosen, Mineralwasser und Limonaden ebenso viel verstehen wie diese vor 250 Jahren gegründete Firma. Zum Kern der neuen Innovationsstrategie gehörten regelmäßige, gruppenübergreifende Kreativworkshops des Marketings mit Vertretern der Bar-Szene und der Fachmedien. 

Damit reagiere Berentzen darauf, dass die Konsumenten immer anspruchsvoller würden und gern neue Dinge ausprobieren möchten. "Da wollen wir mitspielen", betont der gebürtig aus Löningen stammende Vorstand. Dies soll unter anderem mit der 2019 eingeführten Trendgetränk "Kräuterbraut" geschehen, das an den Erfolg des Verkaufsschlagers "Mio Mio" anknüpfen soll. Von diesem Erfrischungsgetränk würden pro Jahr 30 Millionen Flaschen abgefüllt, Tendenz sei steigend.

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