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"Schmieden für den Frieden": Am Sonntag werden Nägel mit Köpfen gemacht

Die Resonanz von Kollegen und Unterstützern auf die Aktion begeistert den Initiator schon jetzt. Im Friesoyther Atelier "Eisenzeit" wird fleißig vorproduziert. Der Erlös wird zu 100 Prozent gespendet.

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Fertigung: Neben den 30 Zentimeter hohen Friedensnägeln werden auch kleine produziert, die ebenfalls in einen hölzernen Sockel geschlagen werden.   Foto: Wimberg

Fertigung: Neben den 30 Zentimeter hohen Friedensnägeln werden auch kleine produziert, die ebenfalls in einen hölzernen Sockel geschlagen werden.   Foto: Wimberg

Michael Kröger und David Müller haben in dieser Woche keine andere Aufgabe, als Nägel mit Köpfen zu machen. Rund 100 große haben sie schon im Friesoyther Atelier „Eisenzeit“ vorproduziert. Die kleinen, die ebenfalls in die hölzernen Sockel eingeschlagen werden, folgen nach und nach. Der klar formulierte Arbeitsauftrag ist erforderlich, um der Nachfrage am kommenden Sonntag (13. März) gerecht werden zu können.

„Wirklich beeindruckend“, freut sich Stadtschmied Alfred Bullermann über das Feedback, das sein „Schmieden für den Frieden“ angesichts des Ukraine-Krieges schon jetzt erfährt. Sowohl von Berufskollegen, als auch von vielen Interessenten aus ganz Nordwestdeutschland, die die gute Sache unterstützen möchten und bereits Friedensnägel bestellt haben. Bei Bedarf können sie auch zu einem späteren Zeitpunkt abgeholt werden oder werden sogar verschickt. „Unter anderem gehen vier an eine Familie nach Bremen“, berichtet der 61-Jährige.

Interessierte können selbst Hand anlegen

Schmiede aus verschiedenen Teilen des Bundesgebiets sowie den Niederlanden, Irland und mit Otto Tameling auch aus Friesoythe werden ab 13 Uhr am Amboss stehen und weitere Nägel fertigen. Wer will, kann auch mal selbst Hand anlegen und sein 30 Zentimeter großes Unikat dann für 100 Euro mit nach Hause nehmen. Im eisernen Kopf eingestanzt wird eine Friedenstaube, ihr zu Füßen das Wort „Peace“.

Eine Handvoll Frieden: Der Schmied des Cloppenburger Museumsdorfes, Michael Kröger, absolviert in Friesoythe zurzeit eine Umschulung und produziert in diesen Tagen ausschließlich die 30 Zentimeter hohen Friedensnägel. Foto: WimbergEine Handvoll Frieden: Der Schmied des Cloppenburger Museumsdorfes, Michael Kröger, absolviert in Friesoythe zurzeit eine Umschulung und produziert in diesen Tagen ausschließlich die 30 Zentimeter hohen Friedensnägel. Foto: Wimberg

Zu 100 Prozent soll der Erlös an Menschen aus dem Kriegsgebiet fließen. Damit das Geld genau da ankommt, wo es ankommen soll, sind die verschiedenen Rotary-Clubs der Umgebung mit im organisatorischen Boot, „die ihr internationales Netzwerk nutzen können“, unterstreicht Initiator Bullermann und legt Wert auf die Feststellung, dass die Veranstaltung rund um seine Werkstatt an der Friesoyther Kirchstraße „keine elitäre, sondern öffentlich ist. Jeder, der Zeit und Lust hat, ist eingeladen, zu schauen, mitzumachen und zu spenden.“

Die Friedensnagel-Aktion läuft bereits seit 2014 und wurde schon damals anlässlich des Ukraine-Konflikts ins Leben gerufen, als die Werkstatt von Bullermanns Kollegen Viktor Burduk beschossen wurde. 2022 lebt der Schmiedemeister in Donezk wieder in Angst und berichtet über die Sozialen Medien „über eine kaum noch auszuhaltende Situation“.

Auf der Walz: David Müller ist 3 Jahre auf Wanderschaft und sammelt erneut auch im Atelier Eisenzeit handwerkliche Erfahrungen. Foto: WimbergAuf der Walz: David Müller ist 3 Jahre auf Wanderschaft und sammelt erneut auch im Atelier "Eisenzeit" handwerkliche Erfahrungen. Foto: Wimberg

Überall werde so viel unternommen, um den flüchtenden und verzweifelten Menschen zu helfen, „und wir möchten ebenfalls einen kleinen Beitrag leisten“, sagte Bullermann auch im Einklang mit seinem langjährigen Freund und Schmied Tom Carstens, der in seiner bayerischen Heimat zeitgleich zur identischen Friedensaktion einlädt.

Dass das Friesoyther Projekt so umfangreich vorbereitet werden kann, ist nicht zuletzt der helfenden Hand von David Müller zu verdanken. Im Sommer 2021 hat der 27-jährige Franke sich entschlossen, sich voll und ganz der Schmiedekunst zu widmen. Um professionelle Erfahrungen zu sammeln, heuerte er damals für ein paar Wochen auch bei Bullermann an, bevor er auf die Walz ging. 3 Jahre ist er insgesamt auf Wanderschaft und zurzeit zufällig wieder in Friesoythe, um sich handwerklich weiterzubilden. Nicht ganz so weit gereist ist Michael Kröger: Der Schmied des Cloppenburger Museumsdorfes absolviert zurzeit eine Umschulung zum Metallgestalter.

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