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Schlachtzahlen bleiben auf hohem Niveau

20 Prozent der in Deutschland geschlachteten Schweine lassen ihr Leben in den Kreisen Vechta und Cloppenburg. Im Oldenburger Münsterland werden immer mehr Hähnchen geschlachtet.

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Auch die Zahl der Gänse-Schlachtungen im Oldenburger Münsterland steigt leicht an. Foto:dpa/Wüstneck

Auch die Zahl der Gänse-Schlachtungen im Oldenburger Münsterland steigt leicht an. Foto:dpa/Wüstneck

Rund 11,25 Millionen Schweine wurden im Jahr 2019 in den hiesigen Schlachthöfen geschlachtet. Damit stammen etwas mehr als 20 Prozent aller in deutschen Schlachthäusern getöteten Schweine aus Betrieben im Oldenburger Münsterland (OM). Unter den ersten sechs der Top zehn der Schweineschlachtbetriebe finden sich mit Westfleisch, Vion, Danish Crown und Böseler Goldschmaus gleich vier Unternehmen mit Standorten in den Landkreisen Vechta und Cloppenburg.

Das OM gehört zu den agrarintensivsten Regionen Europas mit hoher Tierdichte sowie einer großen Zahl Lebensmittel verarbeitender Betriebe. Dennoch werden die in der Region geschlachteten Tiere nicht alle vor Ort aufgezogen. Ein großer Teil der Tiere wird aus einem weiten Umkreis an die Schlachthäuser geliefert.

Aus der Tabelle mit den Schlachtzahlen im OM lässt sich ablesen, dass diese im Schweine- wie auch im Rinderbereich relativ konstant geblieben sind. Während weniger Schweine geschlachtet wurden und sich darin der Bundestrend abbildet, nahmen die Rinderschlachtungen in der Region um rund 22.000 und gegen den Deutschland-Trend zu.

Die Zahl der im Kreis Vechta geschlachteten Masthähnchen steigt

Im Vergleich zum Jahr 2018 stieg die Zahl der im Landkreis Vechta geschlachteten Masthähnchen im Jahr 2019 um rund sieben Millionen (etwa zehn Prozent). Hintergrund für den Anstieg ist der Großbrand im März 2016 im Wiesenhof-Schlachthof Oldenburger Geflügelspezialitäten in Lohne. Die Schlachtzahlen wurden nach und nach wieder hochgefahren. Der Rückgang bei den Putenschlachtzahlen im Landkreis Cloppenburg um fast 360.000 Tiere – rund 6,4 Prozent weniger – lässt sich durch einen deutlichen Schwenk in den Haltungsbedingungen dieser Geflügelart erklären. Die Mäster verkleinern ihre Bestände und ziehen in den ihnen zur Verfügung stehenden Ställen immer weniger Tiere auf, zugleich werden weitere Ställe nicht genehmigt. Folge: Auch auf den Schlachthöfen werden weniger Tiere angeliefert.

Dr. Johannes Wilking, Vorsitzender des Kreislandvolkes Vechta. Foto: KLVDr. Johannes Wilking, Vorsitzender des Kreislandvolkes Vechta. Foto: KLV

Bereits seit Jahren ist der Fleischkonsum in Deutschland rückläufig und beträgt aktuell 59,5 Kilogramm pro Kopf und Jahr. Damit liegt der Fleischverzehr um neun Kilogramm unter dem europäischen Durchschnittswert. Dr. Johannes Wilking, Vorsitzender des Kreislandvolkes Vechta, sieht diesen Trend in den Schlachtzahlen bestätigt, die „durchgängig weiter zurückgehen“. Die bis auf den Schweinebereich weiter steigenden Zahlen im OM begründet er mit den in der Region vorhandenen modernen Schlachthöfen sowie den Betrieben der Weiterverarbeitung. Die wenigen Player am Schlachtmarkt wüssten ihre Anlieferung zu steuern, deshalb seien die Auslastungen der Schlachthäuser stabil oder nähmen sogar leicht zu.

Der Vorsitzende des Kreislandvolkes Cloppenburg, Hubertus Berges, warnt allerdings davor, die relativ stabilen Schlachtzahlen als Indiz dafür zu nehmen, dass die Mäster nach wie vor auf eine Intensivtierhaltung und hohe Besatzdichte setzen. Die Tiere kämen zum Teil von weit her. Angesichts kostenintensiver Transporte der Tiere sei die „Nähe zu den Schlachthöfen durchaus ein Wettbewerbsvorteil für die hiesigen Mäster. In Schleswig-Holstein zum Beispiel gibt es keinen einzigen Schweine-Schlachthof mehr, aber natürlich immer noch Schweinemäster.“

Hubertus Berges, Vorsitzender des Kreislandvolkes Cloppenburg. Foto: KLVHubertus Berges, Vorsitzender des Kreislandvolkes Cloppenburg. Foto: KLV

„Strukturbruch" in der Landwirtschaft hat längst eingesetzt

Immer weniger Tiere würden im OM gehalten, sagt Berges, denn vor dem Hintergrund von Tierwohldiskussion und Düngeverordnung habe der „Strukturbruch“ in der Region längst eingesetzt. Wilking bestätigt das: „Die Aufgabe unrentabler Mast und der Umstieg in die Aufzucht anderer Tierarten gibt es zwar, aber wir stellen fest, dass immer mehr Mäster ihren Betrieb gleich ganz aufgeben.“ Er spricht angesichts der Schwierigkeiten der Landwirte von „teilweisem Marktversagen“, an dem nicht die Bauern die Schuld trügen. Er kenne viele Betriebsinhaber, die angesichts zunehmender Regularik längst gedanklich mit „konkreten Ausstiegsszenarien“ und der Aufgabe ihres Hofes spielten. Sauenhalter seien besonders betroffen.

Wilking wie Berges kritisieren, dass Politik und Gerichte Tierhaltung in der bisherigen Form zwar verbieten, aber „keiner sagt, was denn in Zukunft verlangt wird. Auf dieser Basis kann keiner arbeiten und investieren“, sagt Berges.

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