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"Rote Gebiete": Landvolk Vechta bleibt weiter skeptisch

Das Land verspricht eine Verkleinerung der Zonen mit verschärften Düngeregeln. Bislang sind weite Teile des Kreises Vechta davon betroffen.

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Gülleausbringung: Auf mehr als 60 Prozent der Fläche des Landkreises sollen bei der Düngung scharfe Auflagen gelten – bislang. Nun könnten die Zonen kleiner werden. Foto: dpa / Hildenbrandt

Gülleausbringung: Auf mehr als 60 Prozent der Fläche des Landkreises sollen bei der Düngung scharfe Auflagen gelten – bislang. Nun könnten die Zonen kleiner werden. Foto: dpa / Hildenbrandt

Wo genau gelten künftig die verschärften Düngeregeln? Wo liegen die sogenannten "roten Gebiete" mit zu hoher Nitratbelastung des Grundwassers, in denen Landwirte höhere Auflagen beim Ausbringen von Gülle und Co. beachten müssen? Das ist weiter offen. Fest steht aber vorerst: Die "roten Gebiete" sollen neu bewertet und eingeteilt werden.

Die Landesregierung arbeitet an einer neuen Kulisse für die nitratsensiblen Zonen, wie Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) vergangene Woche im Landtag erklärte. "Die Gebiete werden im Vergleich zur bisherigen Kulisse kleiner werden", versicherte sie. Als Grundlage gilt eine vom Bund und den Ländern beschlossene Verwaltungsvorschrift zur neuen Düngeverordnung. Demnach soll das Verursacherprinzip stärker berücksichtigt werden. Heißt: Von den Einschränkungen beim Düngen sollen nur jene Landwirte betroffen sein, die zuvor das Grundwasser übermäßig belastet haben.

"Für uns ist entscheidend, dass jeder Landwirt durch Bodenprobungen und Nährstoffbilanzen nachweisen können muss, dass von seinem Hof keine Gefahr für zu hohe Nitrateinträge ins Grundwasser ausgeht."Dr. Johannes Wilking, Vorsitzender des Kreislandvolkverbandes Vechta

Zu den künftigen Auflagen zählt etwa die um 20 Prozent verringerte Nährstoffzufuhr unter dem Bedarf der Pflanze. Um dem Verursacherprinzip gerecht zu werden, soll auch das Netz der Messstellen überarbeitet werden.

Bislang gelten 39 Prozent der Landesfläche in Niedersachsen als rotes Gebiet. Im Landkreis Vechta sind es mehr als 60 Prozent der Gesamtfläche: Der gesamte Nordkreis ist ein "rotes Gebiet". Dann zieht sich ein immer breiter werdender Streifen über Lohne, Steinfeld und Damme bis nach Neuenkirchen-Vörden. Nicht betroffen sind der Dinklager Raum und das Grenzgebiet zum Landkreis Diepholz.

Landvolk unterstützt Klage gegen "rote Gebiete"

Wie bewertet der Kreislandvolkverband Vechta (KLV) die angekündigte Überarbeitung der "roten Gebiete"? Der KLV-Vorsitzende Dr. Johannes Wilking sagte: "Bei einer ernsthaften Überarbeitung des Messnetzes und einer konsequenten Anwendung des Verursacherprinzips ist eine Verkleinerung der betroffenen ,roten Gebiete' das einzig mögliche Ergebnis." Einige Signale aus Hannover würden den Verband "vorsichtig optimistisch" stimmen. So werde die Rolle des Dauergrünlandes "endlich richtig erfasst". Und eine Überarbeitung des Messnetzes fordere der KLV "schon seit langem".

Wilking betonte aber auch: "Beim Ackerland sind wir allerdings nach wie vor skeptisch." Der Grund: Es werde immer noch von einer pauschal hohen Nitratauswaschung ausgegangen. Die gebe es aber "in der Realität weitaus seltener auf dem Ackerland", als die Landesregierung "bisher unterstellt" habe.

Wilking: "Für uns ist entscheidend, dass jeder Landwirt durch Bodenprobungen und Nährstoffbilanzen nachweisen können muss, dass von seinem Hof keine Gefahr für zu hohe Nitrateinträge ins Grundwasser ausgehen." Nur so könne es ein Verursacherprinzip geben, "welches seinen Namen auch verdient".

Gutachten: Alle 20 Nitratmessstellen im Kreis mit Mängeln

Der KLV hatte mit 22 weiteren Kreislandvolkverbänden und dem Landvolk Niedersachsen ein Gutachten bei der Firma "Hydor Consult GmbH" unter der Leitung des renommierten Geologen Dr. Stephan Hannappel in Auftrag gegeben. Im Zuge der Expertise wurden die Messbrunnen analysiert, die vom Land zur Bewertung des Zustands der 41 Grundwasserkörper in Niedersachsen herangezogen wurden.

Das Ergebnis: Bei 97 Prozent von 648 untersuchten amtlichen Nitratmessstellen wurden Mängel festgestellt; in 251 Fällen waren es "gravierende Mängel". Bei den 20 Messstellen im Landkreis Vechta gab es laut dem Gutachten keine einzige ohne Mängel, sechs Messbrunnen haben "gravierende Mängel" (siehe Grafik).

Daraufhin haben acht Landwirte mit der Unterstützung des Landvolks vor dem Oberverwaltungsgericht (OVG) Lüneburg gegen die Festlegung der "roten Gebiete" geklagt. Das Argument: Auf der Grundlage falscher Daten könne es keine rechtlichen Bestimmungen geben. Mit einer Entscheidung werde Anfang des Jahres gerechnet, sagte Wilking.

Die verschärfte Düngeverordnung des Bundes, die auf Druck der EU zustande kam, wurde im März vom Bundsrat gebilligt. Die neuen Regeln sollen ab 2021 gelten.

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