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Riesiger Komposttunnel "dank" Corona

Die Covid-19-Folgen zeigen sich auch in Europas größter Baumschule für topfgewachsene Heckenpflanzen im saterländischen Scharrel.

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Der „Covid-19-Komposthaufen" der Baumschule Schlangen: sechs Meter hoch, 40 Meter lang und 1,4 Millionen Euro teuer.  Foto: © Foto- und Bilderwerk - <a href="http://www.bilderwerk.org/">www.bilderwerk.org</a>

Der „Covid-19-Komposthaufen" der Baumschule Schlangen: sechs Meter hoch, 40 Meter lang und 1,4 Millionen Euro teuer. Foto: © Foto- und Bilderwerk - www.bilderwerk.org

Im Rahmen eines Ortstermins mit Vertretern des Zentralverbands Gartenbau, des Bundes deutscher Baumschulen und der Bundestagsabgeordneten Silvia Breher (CDU) hat Baumschulinhaber Jan Schlangen aus Saterland über den coronabedingten Umsatzausfall in seiner Branche berichtet. „Der Beginn der Coronakrise Mitte März traf uns am absoluten Höhepunkt der Hauptsaison für Heckenpflanzen und brachte das Geschäft fast vollständig zum Erliegen“, so Schlangen. Grenzen schlossen sich, Käufer aus ganz Europa zogen Aufträge zurück.

Und auch, als erste Geschäfte wie Baumärkte innerhalb Deutschlands wieder öffneten, hielten sich dortige Einkäufer aus Angst vor erneuten Geschäftsschließungen und damit unverkäuflicher Ware mit Bestellungen extrem zurück. „Nach den zeitversetzten ungleichmäßigen Öffnungen der Verkaufsflächen nach Ostern wurde unsere Ware traditionell durch Beet und Balkon verdrängt. Dort wurden dann sehr gute Absätze erzielt – in unserem Marktsegment sieht die Situation jedoch gänzlich anders aus“, so Schlangen weiter.

1,4 Millionen Euro landen auf dem Kompost

„Die Crux dabei: Nicht abverkaufte Ware wird bei uns umgehend zu Kompost. Jede verfügbare Fläche auf unseren gut 50 Hektar wird direkt für das Anlegen von Folgekulturen für die kommenden Jahre benötigt.“ Und so wurde in Scharrel in den vergangenen Monaten aus Pflanzen im Großhandelswert von 1,4 Millionen Euro ein Kompostberg von 40 Metern Länge.

Sieht Wettbewerbsverzerrung, fordert Nachbesserungen bei den Förderprogrammen: Baumschul-Inhaber Jan Schlangen. Foto: © Foto- und Bilderwerk - a href=http:www.bilderwerk.orgwww.bilderwerk.orgaSieht Wettbewerbsverzerrung, fordert Nachbesserungen bei den Förderprogrammen: Baumschul-Inhaber Jan Schlangen. Foto: © Foto- und Bilderwerk - www.bilderwerk.org

Hatte Schlangen den 1975 gegründeten Betrieb erst im Januar 2020 aus den Händen seines Vaters übernommen und komplett umfinanziert, sollten sich die Folgen einer vorangegangenen dreijährigen Investionsperiode für geschäftliches Wachstum ab 2020 auszahlen – doch dann schlug Covid-19 zu.

In den Niederlanden winken andere Hilfen

Die Folgen skizzierte Schlangen weiter: „Die diversen aufgelegten Hilfsprogramme verfehlen uns. Das deutsche Programm für Überbrückungshilfen vom 3. Juni greift erst ab einem Umsatzausfall von mehr als 50 Prozent, woran wir Gott sei Dank vorbeige­schrammt sind. Stünde mein Betrieb jedoch ein paar Kilometer weiter westlich – in den Niederlanden – wären immerhin 223.000 Euro als Hilfe in Sicht. Hier blicke ich auf eine für mich nicht nachvollziehbare Wettbewerbsverzerrung für deutsche Baumschulen.“

Für den Inhaber des Betriebs habe sich allein für die Zeit von Mitte März bis heute ein Umsatzausfall von 1,14 Millionen Euro ergeben, der über Kredite in fast gleicher Höhe abgefedert werden musste.

Andreas Kröger vom Zentralverband Gartenbau betonte, dass es seitens der Politik für solche Fälle Einzelfallbetrachtungen und flexibler Hilfslösungen bedürfe – per Federstrich branchenweit Pauschalprogramme aufzusetzen und sich damit zu begnügen, reiche nicht aus.

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