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Regionale Stromnetze: Verkraften sie den Boom bei der Elektromobilität?

Die wachsende Zahl der Elektrofahrzeuge im Oldenburger Münsterland erfordert eine Vielzahl neuer Stromladepunkte. Die EWE Netz und die Westnetz GmbH sehen sich für die automobile Zukunft gerüstet.

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Der Ausbau der Ladeinfrastruktur muss voranschreiten: Verkraften das auch die regionalen Stromnetze? Foto: BMVI

Der Ausbau der Ladeinfrastruktur muss voranschreiten: Verkraften das auch die regionalen Stromnetze? Foto: BMVI

Die Elektromobilität erlebt derzeit einen Boom. So prognostiziert etwa das Niedersächsische Wirtschaftsministerium in seinen Informationen zur Elektromobilität, dass erwartet wird, dass bis zum Jahr 2030 rund 14,8 Millionen batterieelektrische E-Fahrzeuge und Plug-In-Hybride auf deutschen Straßen unterwegs sein werden. Damit diese Fahrzeuge auch alle rollen können, ist laut Landesregierung "eine wesentliche Voraussetzung eine flächendeckende und leistungsfähige Ladeinfrastruktur" nötig.

Zum wesentlichen Teil wird die Ladeinfrastruktur der Zukunft aus privaten Ladestationen bestehen. Das private Aufladen mit mindestens 11 kW Leistung an der zu Hause oder beim Arbeitgeber installierten Wallbox oder Ladesäule dürfte "einen Anteil von etwa 80 Prozent ausmachen, der verbleibende Anteil von 20 Prozent wird auf öffentliche Schnellladung entfallen", schreibt das Ministerium.

Ein Schnelladepark kann nicht an jeder Ecke entstehen

25 Prozent der deutschen Tankstellen sollen, so ist es der Wunsch der Politik, künftig E-Schnelladesäulen anbieten. Das hatte zuletzt Markus Feldhaus (Visbek), Sprecher des Nordbereichs des Bundesverbandes freier und unabhängiger Tankstellen gegenüber OM-Online erklärt. Doch Tankstellenbetreiber Feldhaus machte auch deutlich, dass es physikalische Grenzen gibt: "Immer steht die Frage im Raum, wie viel kW kann ich eigentlich am Standort installieren lassen, was gibt das Netz her?" Ein Schnellladepark, wie ihn sich die Politik vorstelle, könne angesichts begrenzter Netzkapazitäten nicht "an jeder Ecke" entstehen.

Rasant steigende Zulassungszahlen für batteriebetriebene Elektrofahrzeuge oder Plug-in-Hybride auch im Oldenburger Münsterland (OM Online berichtete) lassen schnell die Besorgnis aufkommen, ob das bestehende Stromnetz in der Region auf den Anschluss zahlreicher privater und öffentlicher Ladestationen vorbereitet ist. Gäbe es physikalische Grenzen, sind die Netzkapazitäten zeitnah erschöpft?

OM-Online befragte dazu die Netzbetreiber im Oldenburger Münsterland. Während die EWE Netz die Strominfrastruktur im Kreis Cloppenburg sowie in weiten Teilen des Kreises Vechta bereitstellt, ist der Verteilnetzbetreiber in Damme sowie in Teilen von Neuenkirchen-Vörden und Steinfeld die Westnetz GmbH, Tochterunternehmen der Westenergie, vormals "innogy".

Für die Umsetzung der ehrgeizigen Pläne im Bereich der E-Mobilität werden leistungsfähige Stromnetze benötigt. Foto: EWE AGFür die Umsetzung der ehrgeizigen Pläne im Bereich der E-Mobilität werden leistungsfähige Stromnetze benötigt. Foto: EWE AG

"Aktuell verzeichnen wir noch keine Engpässe", sagt Dietmar Bücker, Sprecher von EWE Netz auf die Frage, ob das vorhandene regionale Stromnetz in der Lage ist, die Anforderungen der E-Mobilität zu erfüllen. Mit steigender Marktdurchdringung seien aber so genannte "Hot Spots an Ladeeinrichtungen" zu erwarten, erklärt er. Dem könne "natürlich durch Netzverstärkung begegnet werden". Ein Ausbau sei jedoch kostenintensiv. Um die Kosten in einem vertretbaren Rahmen zu halten, sieht Bücker deshalb die "Steuerung von Ladeeinrichtungen durch den Netzbetreiber bei möglichen vereinzelten Netzengpässen" als unumgänglich an.

Möglichen Engpässen im Netz könnte man durch Ausbau begegnen – oder durch Steuerung

"Möglich ist ein Ausbau der E-Mobilität grundsätzlich überall, im Vorfeld muss die Einbindung allerdings berechnet werden", sagt Westnetz-Sprecherin Ruth Brand. "Bei jeder Veränderung der Strominfrastruktur, sei es durch die Errichtung einer Neubausiedlung, von Gewerbeflächen, von neuen Windrädern oder eben durch die Ausweitung der E-Mobilität", müssten die Anschlussmöglichkeiten, etwaige Stromeinspeisungen und -abnahmen individuell geprüft werden. Probleme für das Stromnetz sieht sie nicht: "Die Netze sind zukunftsorientiert ausgelegt."

Im Bereich der E-Mobilität gebe es für den Privatbedarf 11 kW-Wallboxen und 22 kW-Wallboxen. Darüber hinaus werden derzeit Schnellladesäulen (150 kW) und auch Schnellladeparks mit mehreren 150 kW-Säulen installiert, erläutert Brand. "Die Ladesäulenparks erfordern Leistungen bis hin zum Megawattbereich", ergänzt Bücker. Letztere Leistung könne nicht ohne Weiteres aus einem vorhandenen Niederspannungsnetz kommen, sagt der Sprecher. "Ladeparks benötigen in der Regel einen Mittelspannungsanschluss mit eigener Trafostation."

Die Infrastruktur von Ortsnetzen sei "abhängig von der regionalen Nutzer-Struktur" konzipiert, stimmt Bücker den Aussagen von Brand zu. Grundsätzlich könne in einem Ortsnetz eine deutlich höhere Anzahl an 11 kW-Ladeeinrichtungen installiert werden als 22 kW Schnelllader. 11 kW "reichen aus, um ein Fahrzeug über Nacht zu laden. 22 kW erfordern oftmals sehr kostenintensive Verstärkungen" beim Stromkunden. Die vorgeschriebene Meldung der neuen "Stromtankstelle" an den Netzbetreiber sei wichtig, denn nur so erfahre dieser, welche Lasten er berücksichtigen muss.

In der Stadt Damme sowie in Teilen von Steinfeld und Neuenkirchen-Vörden gibt es bereits 300 Ladepunkte

Den Boom bei den Elektrofahrzeugen spürt EWE-Netz. "Wir verzeichnen eine stark steigende Tendenz an Anmeldezahlen von Wallboxen und Ladesäulen", berichtet Bücker. Derzeit seien es rund 700 Anmeldungen monatlich im eigenen Netz. Die vorhandene Zahl an privaten Ladepunkten in den beiden Kreisen Cloppenburg und Vechta kann Bücker nicht nennen, Kollegin Brandt kennt diese für ihre Region allerdings schon: "Im Bereich Damme, Steinfeld und Neuenkirchen-Vörden sind insgesamt rund 300 Ladepunkte installiert."

Neben den privaten Anlagen gebe es in beiden Landkreisen "diverse Anfragen verschiedener Kunden", die größere Ladestationen planen. Wo diese entstehen werden, dazu will Bücker aus Datenschutzgründen keine näheren Angaben machen.

"Der Ausbau der E-Mobilität schreitet rasant voran", sagt Brand. Aktuell seien zahlreiche neue Ladepunkte in Planung, deren Bau vom Bund gefördert wird. Bundesweit sollen so bis zum Jahr 2023 insbesondere 1.000 neue Schnellladeparks entstehen. Angst wegen einer Netzüberlastung hat Brand auch angesichts solcher Vorhaben nicht, ganz im Gegenteil: "Wir unterstützen diese Entwicklung."

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