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Projekt an Uni Vechta sucht Teilnehmer: Den persönlichen ökologischen Fußabdruck reduzieren

Vivien Breitrück forscht zu den Möglichkeiten von Verhaltensänderungen. Wie gelingt es am besten, dass Haushalte über ihren Energieverbrauch reflektieren und im Idealfall weniger CO₂ emittieren?

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Teilnehmer gesucht: Im Rahmen von „Stronghouse“ wird unter anderem der eigene Stromverbrauch kontrolliert. Foto: Uni Vechta

Teilnehmer gesucht: Im Rahmen von „Stronghouse“ wird unter anderem der eigene Stromverbrauch kontrolliert. Foto: Uni Vechta

Erster sichtbarer öffentlicher Schritt im Rahmen des "Interreg Stonghouse-Projektes", an dem sich das Fach Management Sozialer Dienstleistungen der Universität Vechta beteiligt, war eine Zeitungsanzeige. Dort rief die Uni gemeinsam mit dem Start-up CoBenefit Hausbesitzer im Oldenburger Münsterland dazu auf, sich für den gemeinsamen Einkauf von Solarprodukten registrieren zu lassen. Hintergrund: Durch Mengeneinkauf sollen Rabatte für zum Beispiel Photovoltaikanlagen oder Solardachziegel erzielt werden. 100 Teilnehmer wurden gesucht, 87 gefunden. Die Registrierung ist laut Internet inzwischen geschlossen.

Dass sich Menschen zusammenfinden, um Geld zu sparen, ist an sich nichts Ungewöhnliches. Nachhaltiges, klimaschutzfreundliches Bauen und Sanieren im Oldenburger Münsterland streben viele Menschen an, wollen viele Hauseigentümer. Wenn es bei aller guten Absicht auch gelingt, die Kosten für das private Umweltengagement im Rahmen zu halten – umso besser. Vivien Breitrück, Betriebswirtschafterin am Lehrstuhl Management Sozialer Dienstleistungen betrachtet den Sparwillen vieler Menschen allerdings mit dem Blick der Wissenschaftlerin. Zu ihren Forschungsinteressen zählen verhaltensökonomische Ansätze in der Stadt- und Regionalentwicklung, welche sie als Mitverantwortliche im Rahmen der Interreg Nordseeregion Projekte "LIKE!" und "Stronghouse" anwendet. Für sie ist die oben erwähnte Umweltrabattaktion zugleich der Test, "inwieweit sich Menschen im Oldenburger Münsterland mit Blick auf die CO₂-Reduzierung zusammenschließen, letztlich auch die Information über solch ein Projekt mit anderen teilen".

Energieverbrauchsverhalten wirkt sich unmittelbar auf den CO₂-Ausstoß aus

"Stronghouse ist ein Green Economy Projekt, kofinanziert durch das Rahmenprogramm Interreg VB North Sea Region", erklärt Breitrück. Koordinator ist die Gemeinde Drenthe in den Niederlanden. Das Projekt endet am 31. Dezember 2022. Über Stronghouse soll das Energiekonsumverhalten von Menschen untersucht werden. Dies vor dem Hintergrund, dass sich das Verbraucherverhalten unmittelbar auf den CO₂-Ausstoß auswirkt.

Vivien Breitrück untersucht die Auswirkungen einer Änderung im persönlichen Energieverbrauchsverhalten im Oldenburger Münsterland auf die Menge der Kohlendioxidemissionen. Foto: Uni VechtaVivien Breitrück untersucht die Auswirkungen einer Änderung im persönlichen Energieverbrauchsverhalten im Oldenburger Münsterland auf die Menge der Kohlendioxidemissionen. Foto: Uni Vechta

Letztlich geht es um CO₂-Einsparung im Privaten. Diese ist wichtig, damit die Nordseeregion zum klimaneutralen Raum werden kann. Breitrück untersucht, inwieweit "die Bürger im Oldenburger Münsterland mithelfen können, Energie und damit CO₂-Emissionen einzusparen". Das wird sie am Ende ihrer Forschungen in eingesparten Tonnen Kohlendioxid errechnen können. Zugleich wird sich die Frage beantworten lassen, ob „die politisch gesteckten Klimaziele hier vor Ort umsetzbar sind oder nicht“.

Im Grunde streben viele Menschen einen ökologisch nachhaltigen Lebensstil an, doch nur wenigen gelingt es tatsächlich, diesen in ihrem Alltag auch zu etablieren und zu leben. Haushalte zu energetischer Bausanierung, Smart Meter Ausstattung oder auch zur Nutzung erneuerbarer Energien zu motivieren, sind wichtige Schritte auf dem Weg zur Klimaneutralität, erklärt Breitrück. Haus- und Wohnungsbesitzern sollen daher über das Projekt Wege aufgezeigt werden, in energiesparende Maßnahmen und/oder alternative Energiequellen zu investieren. Die Uni Vechta ist Partnerin im Projekt, der Lehrstuhl Management Sozialer Dienstleistungen mit Professorin Dr. Vanessa Mertins und das Institut für Strukturforschung und Planung in agrarischen Intensivgebieten (ISPA / apl. Professor Karl Martin Born) sind die Hauptakteure.

Projektfrage: Auf welchem Weg kann eine Änderung des Energieverbrauchsverhaltens am besten angestoßen werden?

Der Gruppeneinkauf ist "ein Teilprojekt von vielen im Rahmen von Stronghouse", erläutert Breitrück. CoBenefit ist als Unternehmen selbst kein Teil von Stronghouse, sondern ein Netzwerkpartner. "Im Rahmen von Stronghouse ist für mich wesentlich die Forschung, ob genau dieses Geschäftsmodell bei den Menschen auf Interesse stößt oder eben nicht", so die Forscherin.

Während Cobenefit seine Initiativen fortsetzen wird, folgt für Breitrück schon der nächste Schritt, der Einsatz einer eigens für das Projekt entwickelten App. Die Teilstudie fasst die Wissenschaftlerin unter dem Titel "Smartphone basierte Potentialstudie zur Energieeffizienz" zusammen. In Bremerhaven und im Oldenburger Münsterland analysiert Breitrück den Einsatz der App und folgend die Nutzung intelligenter Energiesysteme (Smart Meter), mithilfe derer es Haushalten gelingen soll, den Energieverbrauch selbst zu managen. Per Smartphone oder Tablet PC erfassen die Teilnehmer daher ihren 14-tägigen Energieverbrauch über die zur Verfügung gestellte, kostenfreie App und erhalten in Echtzeit ihre Verbrauchsveränderung.

Für die Studie wurde eine eigene App entwickelt

Geht es zunächst um den Stromverbrauch, können im weiteren Verlauf der Studie weitere Energieverbräuche wie etwa der für die Heizung erfasst werden. Das wäre dann auch der Einstieg für Interessierte, sich für die folgende Smart Meter-Studie zu registrieren.

Teilnehmer im Alter ab 18 Jahre können laufend in den App- oder Smart-Meter-Forschungsversuch einsteigen – "je mehr Menschen mitmachen, je besser", sagt Breitrück. Es werden Haushalte aller Größen gesucht – vom WG-Bewohner bis zum Hausbesitzer oder auch der Gewerbebetrieb, die aktiv ihr Energieeffizienzverhalten verbessern wollen.

  • Info: Näheres zum Projekt und weitere Informationen erhalten Sie per E-Mail an vivien.breitrueck@interreg-stronghouse.eu.

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