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Pinsel- und Zigarrenherstellung sollen Einblick in altes Handwerk geben

Altes Handwerk verliert mit der Zeit an Bedeutung und an Interesse. Das Industriemuseum Lohne will durch Vorführabende das Gegenteil erreichen.

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Stellen Zigarren her: (von links) Maria Quartmann, Hildegard Riesselmann, Herbert Pianta, Ulrike Hagemeier und Karin Brinkmann. Foto: Alidini

Stellen Zigarren her: (von links) Maria Quartmann, Hildegard Riesselmann, Herbert Pianta, Ulrike Hagemeier und Karin Brinkmann. Foto: Alidini

Das Industriemuseum in Lohne bietet ein vielfältiges Angebot über geschichtliche Vorgänge und Entstehungen, wie die Korkfabrik oder die Ausstellung der römischen Münzen. Neben diesen und weiteren Ausstellungen hat Museumsleiterin Ulrike Hagemeier mit weiteren Mitwirkenden ein neues Format entwickelt.

Unter dem Namen „Altes Handwerk im Museum“ soll am Donnerstag (2. September) erstmals das alte Handwerk der Pinsel- und Bürstenherstellung sowie der Zigarrenfertigung nähergebracht werden. Die Vorführung findet jeden ersten Donnerstag im Monat, von 18 bis 20 Uhr, statt. Dem Format ist kein Ende gesetzt, da es bereits vorher ein Teil des Museums war und es immer wieder Pinselsonntage zur Vorführung gab. Jetzt soll das Programm aber ein fester Bestandteil der im Museum vorhandenen Veranstaltungsformen werden. Die Vorführungen finden angesichts der aktuellen Corona-Situation mit Masken und Sicherheitsabstand statt, die Gruppengröße beschränkt sich auf 10 bis 15 Personen.

Lehrende in freudiger Stimmung über ihr Handwerk

Bereits 2005 wurde mit der Ausbildung der Pinselmacher begonnen. Die Vorführung hat 4 Mitwirkende, die Handwerksmacher: Herbert Pianta, Karin Brinkmann, Hildegard Riesselmann und Maria Quartmann. Sie haben die Herstellung der Pinsel und Zigarren erlernt und werden somit in beiden Vorführbereichen mitwirken und andere Teilnehmende lehren. Karin Brinkmann, Hildegard Riesselmann und Maria Quartmann sind auch Gästeführerinnen und haben während ihrer Führungen oft, auf Wunsch der Zuschauer, das alte Handwerk vorgeführt.

Sie betonen, dass sie die alten Handwerke aus großem persönlichen Interesse heraus ausübten. Das Handwerk der Pinselherstellung habe ihnen Bernd Wielage beigebracht. Die Zigarrenherstellung hingegen hätten sie sich selbst anhand von eigener Recherche aus Dokumentationsmaterial und Literatur angeeignet.

Die „Vielfältigkeit, Fingerfertigkeit und das Interesse, wie es früher abgelaufen ist“, nennt Maria Quartmann als entscheidende Gründe, sich dem Handwerk zu widmen. Auch für Hildegard Riesselmann steht fest, dass sie als „echte Lohnerin“ wissen wolle, „wie es damals gewesen sein muss“. Der geschichtliche Hintergrund und die Entstehung sind wesentliche Aspekte, die auch Herbert Pianta dazu bringen, sich handwerklich zu betätigen. Karin Brinkmann bezeichnet die Aufgabe, „etwas selber hinzukriegen“, als "sehr interessant und spaßig".

Zu den Vorführungen sei jedermann willkommen. Die meisten Gäste wüssten beispielsweise gar nicht, wie ein Pinsel eigentlich hergestellt wird, und sollen bei der Vorführung einen Eindruck vermittelt bekommen, welche Arbeitsschritte dafür genau vonnöten sind.

Stellen Pinsel her: (von vorne) Hildegard Riesselmann, Karin Brinkmann und Herbert Pianta. Foto: AlidiniStellen Pinsel her: (von vorne) Hildegard Riesselmann, Karin Brinkmann und Herbert Pianta. Foto: Alidini

Wichtig dabei: Ein Austausch ist ausdrücklich erwünscht. Den Zuschauerinnen und Zuschauern sei es gestattet, Fragen zu stellen und mit den Vorführenden in Kontakt zu treten. Falls sich bei dem einen oder der anderen größeres Interesse am Erlernen der alten Handwerkskunst entwickele, könnten in Absprache weitere Termine vereinbart werden, wenn jemand selbst die Herstellung von Pinsel und Zigarre erlernen möchte. Wenn jemand tatsächlich Interesse habe, „muss er ein Jahr durchhalten“, sagt Ulrike Hagemeier lachend. Es handele sich schließlich um ein Handwerk, das viel Übung und Zeit in Anspruch nehme. Hagemeier erklärt, man habe zunächst angenommen, dass die Zigarren in der Herstellung sehr aufwändig seien, aber nach eigenständigem Ausprobieren und Üben falle das Rollen immer leichter. Übrigens: Die Tabakerzeugnisse würden, anders als die Pinsel, nicht verkauft.

Verständnis vermitteln und Interesse wecken

Ziel der Gruppe sei es, den interessierten Zuschauern Geschichte näherzubringen. Laut Ulrike Hagemeier wolle man die alte Handwerkskunst bewahren und interessierte Besucherinnen und Besucher dafür begeistern, die Faszination dafür weiterzutragen, sodass die Arbeit nicht in Vergessenheit gerate. Zudem erhoffe sich das Industriemuseum, durch die Vorführabende auch junge Menschen zu animieren und zu begeistern, denn Nachwuchs fehle, berichtet Herbert Pianta.

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