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Ortstermin am Höger Damm: Was wächst, was nicht?

Beim Feldbegang in Essen drehte sich vieles um die neuen Auflagen beim Düngen und beim Pflanzenschutz. Die guten Wetterbedingungen dürften die Folgen  zumindest in diesem Erntejahr noch überdecken.

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Nah dran: OM-Online-Reporter Casjen Duzat (rechts)  setzt Landwirt Andreas Thobe in Szene. Foto: Meyer

Nah dran: OM-Online-Reporter Casjen Duzat (rechts) setzt Landwirt Andreas Thobe in Szene. Foto: Meyer

„Ist der Mai kühl und nass, füllt's dem Bauern Scheun und Fass“: Die alte Bauernregel dürfte sich in diesem Jahr wieder bewahrheiten. Während des Feldbegangs in Essen kam schon fast Erntestimmung auf. Ein wenig müssen sich die Landwirte aber noch gedulden.

Wie schon im vergangenen Jahr fand die Rundfahrt nur in kleinem Kreis statt. Pflanzenbauexperte Klaus Sandbrink von der Landwirtschaftskammer war mit dem, was er rund um den Höger Damm in Augenschein nahm, insgesamt zufrieden. Vor allem vom Weizen, aber auch vom Raps erwartet er sich einiges. Das Wetter machte diesmal mit. Anders als in den Vorjahren hatte es im Frühjahr mehr als ausreichend geregnet. Doch nicht nur die Pflanzen brauchen das Wasser.  „Die Grundwasserstände haben das alte Niveau nach 3 Dürrejahren allerdings noch nicht erreicht", sagt Sandbrink.

Auch robuste Sorten verlieren ihre Resistenz

Für die Bauern ist es außerdem schwieriger geworden, das Getreide ausreichend gegen Schädlinge und Pilzerkrankungen zu schützen. Viele Pflanzenschutzmittel wurden inzwischen vom Markt genommen. Alternativen sind kaum vorhanden. Doch selbst robuste Sorten verlören ihre Resistenzen innerhalb weniger Jahre, erklärt Sandbrink.

Leidtragender dieser Entwicklung könnte der Raps sein. In seiner Blüte ist er zwar ein Blickfang, die Pflanze gilt zugleich aber auch als schwierige Diva. „Raps kann von Pilzen und vielen spezialisierten Insekten befallen werden“, weiß Klaus Sandbrink. Meist benötigt er mehrere Spritzungen, doch wie beim Weizen haben zahlreiche Wirkstoffe die Zulassung bereits verloren oder stehen kurz davor. Sandbrink geht deshalb davon aus, dass der Rapsanbau stark zurückgehen wird.

Der Mais muss aufholen – 2 Wochen liegt er in der Entwicklung zurück

Auf ihrer Tour steuerten die Landwirte auch ein Maisfeld an. Stärker als die übrigen Kulturpflanzen hat der Mais unter der kalten Witterung im Mai sichtbar gelitten und liegt in der Regel 2 Wochen hinter der üblichen Entwicklung zurück.  „Daran merkt man, dass er aus den Subtropen stammt“, sagt Sandbrink. „Teilweise ist die Saat im Boden verfault.“

In diesem Jahr haben sich außerdem besonders viele Vögel über die frisch gelegten Körner hergemacht. Im Extremfall mussten die Bauern ganze Felder nachsäen. Der Appetit von Krähe und Co. könnte in den kommenden Jahren weiter wachsen. Bislang schützten Beizmittel das kostbare Saatgut, doch auch  sie stehen den Landwirten laut Sandbrink nicht mehr zur Verfügung. 

Dass sich die neuen Verordnungen zum Umwelt- und Insektenschutz immer gravierender auf ihre Ernteerträge auswirken könnten, fuchst Landwirte wie Andreas Thobe. Gegen einzelne abgepickte Halme habe er ja nichts, sagt der Vorsitzende des landwirtschaftlichen Vereins Essen. „Das ist ganz normal.“ Wenn aber ganze Bestände in Gefahr gerieten, müssten er und seine Berufskollegen entsprechend reagieren können.

"Das Getreide konnte den Dünger sehr gut verwerten."Klaus Sandbrink, Pflanzenbauexperte

Seit diesem Jahr dürfen die Bauern auch deutlich weniger organischen Dünger ausbringen, als in der Vergangenheit. Die neue Düngeverordnung ist in Kraft, wer auf Feldern in sogenannten „roten Gebieten“ mit hoher Nitratbelastung wirtschaftet, muss den Stickstoffeintrag sogar noch kräftiger herunterfahren. „Das Getreide konnte den Dünger sehr gut verwerten“, stellt Sandbrink fest.

Er glaubt deshalb auch nicht, dass es im Herbst zur Nitratauswaschung, also zur Verlagerung überschüssigen Stickstoffs in das Grundwasser kommen wird. Anders ausgedrückt: Zu verschenken haben die Pflanzen inzwischen nichts mehr. Wann sich die Unterdüngung sichtbar auf den Ertrag auswirkt, bleibt abzuwarten. Andreas Thobe geht zumindest für 2021 noch von einer normalen Ernte aus. „Da hat das gute Wetter uns geholfen.“

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