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OM-Kliniken wollen digitale Gesundheitsregion etablieren

Die Krankenhäuser der Schwester-Euthymia-Stiftung und das St. Marienhospital in Friesoythe stellen einen Antrag beim Land auf eine Projektförderung. Die Summe: 7 Millionen Euro.

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Optimistisch: Die Vertreter der Kliniken des Oldenburger Münsterlandes mit den Buchstaben, die für das Krankenhauszukunftsgesetz stehen. Foto: Pekeler/Schwester-Euthymia-Stiftung

Optimistisch: Die Vertreter der Kliniken des Oldenburger Münsterlandes mit den Buchstaben, die für das Krankenhauszukunftsgesetz stehen. Foto: Pekeler/Schwester-Euthymia-Stiftung

Die Krankenhäuser des Oldenburger Münsterlandes wollen gemeinsam einen großen Schritt in die Zukunft der medizinischen Versorgung machen – mit einem Modellprojekt. Dieses sieht vor, eine digitale Gesundheitsregion von Damme bis Friesoythe zu schaffen.

Teil davon sollen unter anderem die kardiologische Fernüberwachung von Patienten, ein Telehebammenservice und die telemedizinische Ergänzung der Vor-Ort-Behandlung in Sachen Kinderheilkunde sein.  Ziel ist es, die Einrichtungen im stationären und ambulanten Bereich, Rettungsdienste und Patienten miteinander zu vernetzen.  

Hierfür haben die Krankenhäuser der Schwester-Euthymia-Stiftung und das St. Marienhospital in Friesoythe einen Antrag auf Förderung des Gemeinschaftsprojektes in Höhe von 7 Millionen Euro beim Land Niedersachsen gestellt, wie es am Montag in einer Mitteilung der Kliniken hieß. Eine Entscheidung des Landes werde in den kommenden Monaten erwartet, sagte ein Pressesprecher auf Anfrage von OM online.

"Auch durch Telemedizin werden Versorgungslücken gelindert oder gar geschlossen"Ulrich Pelster, Vorstand der Schwester-Euthymia-Stiftung

"Wir möchten für den Patienten digitale Angebote schaffen, die eine optimale Versorgung ermöglichen",  wird Stiftungsvorstand Ulrich Pelster in der Mitteilung zitiert. "Auch durch Telemedizin werden Versorgungslücken gelindert oder gar geschlossen", sagte er weiter.

Das Land Niedersachsen hatte dazu aufgerufen, sich auf die Mittel des Förderbudgets über das Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG) mit einem Leuchtturmprojekt zu bewerben. Dem kamen die  Krankenhäuser St. Marienhospital Vechta, St. Josef-Hospital Cloppenburg, St. Franziskus-Hospital Lohne, St. Marienhospital Friesoythe und St. Elisabeth Damme jetzt nach. Konkret geht es den Angaben zufolge in diesem landesweit ersten Projekt dieser Art in einer ganzen Region darum, Patienten im Oldenburger Münsterland noch schneller und kompetenter zu helfen.

Künstliche Intelligenz wertet Daten aus

Vorgesehen ist unter anderem eine telemedizinische kardiologische Fernüberwachung. Denn die Untersuchung in der Facharztpraxis oder auch im Krankenhaus sei häufig nur eine Momentaufnahme. Das Tragen von telemedizinischen Geräten – ähnlich einer Digitalarmbanduhr –  mache hingegen eine kontinuierliche Erfassung und Erkennung von Anomalitäten und Risiken möglich. Diese Daten sollen durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) ausgewertet und von einem Facharzt beurteilt werden. Wenn erforderlich, werde ein persönlicher Arztbesuch koordiniert, um die weitere Abklärung von Risiken vorzunehmen.

Damit werde Prävention betrieben, dramatischere Entwicklungen könnten vermieden werden, hieß es. Insbesondere Patienten mit einem Vorhofflimmern oder Rhythmusstörungen würden hiervon profitieren. In den Landkreisen Vechta und Cloppenburg leben laut Mitteilung insgesamt rund 45.000 Personen im Alter von 50 bis 60 Jahren. Im Durchschnitt seien fünf bis zehn Prozent dieser Altersgruppe von Vorhofflimmern betroffen. Somit weise die Region rund 4.500 potenzielle Patienten auf, die von dem Angebot profitieren können.

Hebamme berät Schwangere Online

Als weiteres Beispiel wurde ein Telehebammenservice (Beratung und Schulung) genannt: Die Sicherstellung der Versorgung in den Geburtseinrichtungen der Schwester-Euthymia-Stiftung könne durch einen Telehebammendienst weiter verbessert werden und sie wirke dem Fachkräftemangel entgegen.

So gebe es Teile der Beratung und Schulung bei der Begleitung in der Schwangerschaft, die online stattfinden könnten. Dieses ergänzende Schulungs- und Beratungsangebot müsse auch in die derzeitige Versorgungsstruktur eingebettet werden. Das Vorhaben soll durch die Schwester-Euthymia-Stiftung gemeinsam mit den Beteiligten der Geburtshilfe in der Region umgesetzt und etabliert werden.

Geschlossen werden könne mit dem Modellprojekt künftig auch eine Versorgungslücke im ambulanten Bereich der Kinderheilkunde in Cloppenburg durch "sinnvolle telemedizinische Ergänzungen der Vor-Ort-Behandlung", wie es in der Mitteilung hieß. 

Vernetzung von Einrichtungen, Rettungsdiensten und Patienten

Auch soll gemeinsam mit den Hilfsdiensten und Leitstellen des Rettungsdienstes eine Lösung entwickelt werden, um im Notfall noch schneller eine fachärztliche Beurteilung der Patientensituation zu erzielen. Dazu diene dann die digitale Übertragung von Vitalparametern oder eine Telekonsultation. So könne zeitnah im Rettungswagen entschieden werden, in welchem Krankenhaus der Patient die für ihn beste Behandlung erfahren kann.

Im Ergebnis entsteht dem Plan zufolge eine virtuelle Gesundheitsregion. Die Einrichtungen im stationären und ambulanten Bereich, Rettungsdienste sowie Patienten seien miteinander vernetzt.

Unterschiedliche Anwendungen auf Telemedizinplattform

Das Projekt helfe auch bei der digitalen Vernetzung zur Fallbesprechung. Notwendig hierfür seien nicht nur ein Videotool oder ein Messengerdienst, sondern eine Plattform, die neben diesen Funktionalitäten einen sicheren und datenschutzkonformen Zugriff auf notwendige Untersuchungsdaten ermöglicht. Eine solche Lösung sei eine sinnvolle Ergänzung zum Behandlungsverlauf und könne sich positiv auf diesen auswirken.

"Unser Ziel ist die Abbildung von unterschiedlichen Anwendungen auf einer gemeinsamen Telemedizinplattform, von der alle Beteiligten profitieren", sagt Dr. Carsten Giehoff, Leiter IT der Schwester-Euthymia-Stiftung.

Zur Antragstellung sagte Pelster: Das Land werde eine Auswahlentscheidung treffen müssen.  Und weiter: "Wir sind optimistisch, es ist uns gelungen, alle Leistungserbringer der Region zusammenzubringen und gleichzeitig Konzepte zu entwickeln, die das Oldenburger Münsterland in eine Vorreiterrolle bei der Digitalisierung bringen werden.“

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