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Nur das Tierwohl zählt: Aldi verspricht Verbrauchern gutes Gewissen

Der Discounter gibt die Richtung vor. Konkurrent Kaufland zieht bereits nach. Auf die Tierhalter dürften in den kommenden Jahren hohe Kosten zukommen.  Sie müssen ihre Ställe umbauen – oder aufgeben.

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Kein Billigfleisch mehr? Aldi will sein Frischfleischsortiment künftig nach Tierwohlkriterien ausrichten. Foto: dpa

Kein Billigfleisch mehr? Aldi will sein Frischfleischsortiment künftig nach Tierwohlkriterien ausrichten. Foto: dpa

Mit der Ankündigung, sein Frischfleischsortiment in den kommenden Jahren auf höhere Tierwohlhaltungsformen umzustellen, hat der Discounter Aldi für Wirbel in der Branche gesorgt. Das zur Schwarz-Gruppe (Lidl) gehörende Kaufland kündigte am Donnerstag an, ab sofort kein frisches Schweinefleisch mehr anzubieten, das nach gesetzlichem Mindeststandard (Haltungsform Stufe 1) hergestellt wurde. Folgen dürften die Entscheidungen der Handelsriesen vor allem für die Landwirte haben. 90 Prozent der Tierhalter produzieren heute auf konventionelle Weise.

Aldi orientiert sich bei seinen Planungen an der 2019 vom Handel eingeführten vierstufigen Tierhaltungs-Kennzeichnung für Fleisch. Schon 2025 will der Discounter auf Fleisch aus Haltungen verzichten, die die gesetzlichen Mindestanforderungen erfüllen. Bis 2030 dann soll das Frischfleischsortiment vollständig aus den Haltungsstufen 3 und 4 stammen.  Sie sehen unter anderem Frischluft-Kontakt (Stufe 3) und Auslaufmöglichkeiten im Freien (Stufe 4) vor.   

Aldi spricht von "wichtigem Signal"

Auf die Betriebe werden in den kommenden Jahren erhebliche Kosten zukommen, die letztlich darüber entscheiden dürften, ob sie die Umstellung mitmachen oder aus der Produktion aussteigen. Und es sieht nicht danach aus, dass Aldi den Bauern dabei finanziell unter die Arme greifen wird. Danach gefragt räumt die Konzern-Pressestelle gegenüber OM Online  ein, dass die Umstellung „hohe Investitionen für die Landwirte“ bedeute, um Haltungsbedingungen und Stallbauten zu verändern.

Die geplante Sortimentsumstellung sei „ein wichtiges Signal“. Tierwohl solle zu einer Selbstverständlichkeit werden. Dabei versteht sich Aldi nach eigenen Worten "ausdrücklich als Partner in der Wertschöpfungskette". Man gebe den Landwirten und Verarbeitern, die Aldi beliefern, über Jahre hinaus Planungssicherheit und schaffe einen "starken, langfristig verlässlichen Absatzkanal für Tierwohl-Haltungsformen". Frischfleisch der Tierwohl-Haltungsformen könne es nicht zum Preis von konventioneller Ware geben, stellt Aldi klar. Landwirte, die mehr Tierwohl umsetzen, müssten für diesen Mehraufwand honoriert werden und dieser Mehrwert müsse am Ende im Regal sichtbar werden. "Hier ist ist es besonders wichtig, den Verbrauchern zu erklären, dass ein möglicher Aufpreis nicht zuletzt den Tieren zugutekommt."

Bauernverband: Worten müssen Taten folgen

Wie sich die Preise für Fleisch-Produkte tatsächlich ändern werden, ist unklar. Was dagegen bereits läuft, ist die Werbemaschinerie. So verspricht Aldi seinen Kunden auf seiner Homepage, künftig noch einfacher und mit gutem Gewissen einkaufen zu können. Zugleich sollten sie "hochwertige Produkte zum günstigen Aldi-Preis erhalten".

Immerhin: Vorsichtig positiv kommentierte Bauernpräsident Joachim Rukwied den Aldi-Vorstoß. Den Worten müssten Taten folgen. "Aber offensichtlich ist der Lebensmitteleinzelhandel nun bereit, auch im Einkauf erhebliche Summen aufzuwenden, um mehr Tierwohl angemessen zu honorieren. Daran hat es bisher häufig gefehlt."

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