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Note 3 für das Weihnachtsgeschäft: Keine Katastrophe, aber nicht herausragend

Im Friesoyther Einzelhandel ist die Stimmung zwar nicht euphorisch, wirklich unglücklich ist aber auch niemand. Die Gründe dafür sind vielfältig.

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Auch Bücher gehen immer: Buchhändler Heiner Schepers (links) und HGV-Chef Frank Hanneken äußern sich zum Weihnachtsgeschäft.  Foto: Stix

Auch Bücher gehen immer: Buchhändler Heiner Schepers (links) und HGV-Chef Frank Hanneken äußern sich zum Weihnachtsgeschäft.  Foto: Stix

Ein Wort zieht sich wie ein roter Faden durch die Gespräche mit Friesoyther Einzelhändlern: Fast alle sind mit dem Weihnachtsgeschäft "zufrieden", wenn auch in Abstufungen. "Wir sind gut zufrieden", sagt etwa Karl-Heinz Tameling-Meyer vom Spiel- und Haushaltswarengeschäft Tameling. "Ganz zufrieden" ist Elisabeth Benning vom Modehaus Thien. Schmuckhändlerin Renate Pancratz entscheidet sich für ein "zufrieden" und Anika Lindner (Himmel No. 7) schreibt dem Weihnachtsgeschäft ein "zufriedenstellend" ins Zeugnis.

Für Heiner Schepers war der geschäftliche Blick auf die Weihnachtszeit ein Wechselbad der Gefühle. "Wir hatten zunächst erwartet, dass es relativ normal wird", sagt der Buchhändler. "Aber dann kam das Thema mit den Heizkosten, und da merkte man schon, dass es schwieriger wird." So habe es in den letzten Tagen immer wieder mal einen Leerlauf von einigen Minuten gegeben. "Das ist im Weihnachtsgeschäft ungewöhnlich", so Schepers, "aber letztlich nicht kriegsentscheidend." Gerade mit Blick auf Inflation und Heizkosten sei das Geschäft "keine Katastrophe, aber nicht herausragend".

Last-Minute-Geschäft steht noch bevor

Eine Änderung im Kaufverhalten haben Sylvia und Ina Stuke in ihrem Uhren- und Schmuckgeschäft festgestellt. "Es wird anders gekauft, mehr über das ganze Jahr hinweg", sagt Ina Stuke. Die Konzentration liege nicht mehr so sehr auf dem Weihnachtsgeschäft, stattdessen würden individuellere Anlässe wie etwa Geburtstage wertiger behandelt. "Es gibt beispielsweise kein Sommerloch mehr", hat Sylvia Stuke beobachtet. "Man braucht darum diese Spitze im Dezember nicht mehr." Deshalb sei es auch zu verkraften, dass das Weihnachtsgeschäft noch etwas verhalten sei. Außerdem gebe es ja noch das Last-Minute-Geschäft. "Am Freitagmittag geht es los", ist sich Ina Stuke sicher. "Schmuck geht immer."

„Die Kunden haben den Blick für schöne Dinge nicht verloren.“Anika Lindner

Das findet auch Renate Pancratz. "Der Trend geht dahin, dass die Leute etwas Schönes haben wollen", sagt die Schmuckhändlerin. Auch wenn man nicht übersehen könne, dass manche Menschen ihr Geld eher zusammenhalten – eine Beobachtung, die Anika Lindner teilt. "Man merkt eine Unsicherheit bei den Kunden, die Inflation, niemand weiß, was im nächsten Monat, im nächsten Jahr passiert." Das Augenmerk ihrer Kunden habe sich auf nützliche Dinge verschoben, auf Dinge zum Gebrauchen und Verbrauchen. Aber auch hier gilt: "Die Kunden", so Lindner, "haben den Blick für schöne Dinge nicht verloren."

Zunahme bei Geschenkgutscheinen

Nützliche Dinge hat auch Elisabeth Benning im Angebot, und die liefen ebenfalls gut. "Wir hatten beispielsweise Mützen-Schal-Sets zusammengestellt", erzählt sie. "Die waren sehr gefragt." Und ja, auch ein Modeladen habe ein Weihnachtsgeschäft. "Allerdings mehr für Kinder- und Männerbekleidung", hat sie beobachtet. Möglicherweise hätten Männer eher Hemmungen, ihrer Frau Bekleidung zu Weihnachten zu schenken. "Viele werden nicht mal die Kleidergröße ihrer Frau kennen", sagt Benning mit einem Schmunzeln. "Andersrum kaufen viele Frauen ohnehin die Sachen für den Mann."

Frank Hanneken ist mit seinem Brautmodengeschäft eher außen vor, wenn es um Weihnachten geht. Als Vorsitzender des Friesoyther Handels- und Gewerbevereins hat er allerdings einen Blick auf die Gesamtsituation. Insgesamt könne man eine Zunahme bei den Geschenkgutscheinen feststellen, sagt er. Und zumindest im Modesektor sei keine Einschränkung im Konsumverhalten erkennbar. "Das habe ich vor 3 oder 4 Monaten nicht erwartet", gesteht der Unternehmer. Ganz offensichtlich ließen sich viele Menschen nicht von der Krise beeindrucken oder würden Extrazahlungen wie etwa den steuer- und sozialabgabenfreien Inflationsausgleich in den Konsum stecken.

Elisabeth Benning hat dann noch einen Geschenktipp für Männer parat, die nicht in letzter Minute ins Schmuckgeschäft rennen wollen: "Pullover funktionieren auch gut", sagt sie. "Die muss man nicht unbedingt anprobieren." Und zur Not kann man ja auch umtauschen.

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