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Niedriger Preis erst an der Kasse sichtbar

Nahezu überall wird die Mehrwertsteuersenkung an die Kunden weitergegeben. Um Arbeit zu sparen, verzichten die Händler jedoch oft darauf, die Produkte neu auszuzeichnen.

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Ungewohnte Preise: Die elektronischen Preisschilder übernehmen die neuen, reduzierten Preise direkt aus dem Warenwirtschaftssystem. Kaum ein Preis endet mehr mit den gewohnten 99 Cent hinter dem Komma.    Foto: Stix

Ungewohnte Preise: Die elektronischen Preisschilder übernehmen die neuen, reduzierten Preise direkt aus dem Warenwirtschaftssystem. Kaum ein Preis endet mehr mit den gewohnten 99 Cent hinter dem Komma.    Foto: Stix

Seit gestern gelten die neuen Mehrwertsteuersätze von 16 statt 19 und fünf statt sieben Prozent. Die Händler sind sich weitestgehend einig darin, die Mehwertsteuersenkung an die Kunden weiterzugeben. Wer aber glaubt, jetzt überall auf neue Preisschilder zu stoßen, wird in vielen Fällen enttäuscht.

"Natürlich geben wir die Mehrwertsteuersenkung an unsere Kunden weiter", sagt Matthias Plaggenborg, Inhaber des Küchenstudios Elektro Plaggenborg. Die Preisschilder bei den Küchenutensilien sowie bei den Groß- und Kleingeräten hat er allerdings nicht geändert. "Der neue Preis wird von der Kasse automatisch berechnet", sagt Plaggenborg. "Das Ändern der Preisschilder macht einfach zu viel Arbeit, zumal wir das in sechs Monaten ja noch einmal machen müssten."

Die sichtbaren Preise haben sich zumeist nicht geändert

Eine Waschmaschine, die laut Preisschild 899 Euro kostet, wird auf dem Kassenzettel also mit 876,33 Euro ausgewiesen. "Das ist im Handel eigentlich ein weit verbreitetes Vorgehen", sagt Plaggenborg. "Wir haben in diversen Gruppen darüber lange diskutiert, die wenigsten schreiben den neuen Preis dran. Das spart unglaublich viel Arbeit."

Die Kasse macht‘s: Bei Elektro  Plaggenborg wurden die Preisschilder nicht geändert.  Foto: StixDie Kasse macht‘s: Bei Elektro Plaggenborg wurden die Preisschilder nicht geändert.  Foto: Stix

Und tatsächlich, bei den meisten Händlern hat sich an den sichtbaren Preisen nichts geändert. Selbst ein Branchenriese wie die Bünting-Gruppe, zu der auch der Friesoyther Famila-Markt gehört, hat sich für diesen Weg entschieden. "Seit Montag wird dieser Rabatt direkt beim Bezahlvorgang an der Kasse abgezogen", sagt Pressereferentin Martina Monsees.

Die Mehrwertsteuersenkung werde pro Artikel auf dem Kassenbon ausgewiesen. Das gelte für das gesamte Sortiment mit Ausnahme der Produkte, die einer gesetzlichen Preisbindung unterliegen oder mehrwertsteuerfrei sind.

Bei Edeka werden 40.000 Artikel neu ausgezeichnet

Doch keine Regel ohne Ausnahme. Bei Edeka etwa sind die Mitarbeiter damit beschäftigt, bei allen 40.000 Artikeln die Preisschilder an den Regalen auszutauschen. Das sei die Marktpolitik der Edeka-Regionalgesellschaft Minden-Hannover, sagt Jana Baumann von der dortigen Pressestelle. "Der Kunde soll direkt am Produkt sehen, was es kostet." Man wolle dadurch einer möglichen Verwirrung vorbeugen.

Damit am Tag der Mehrwertsteuerumstellung möglichst viele Produkte korrekt ausgezeichnet sind, habe man in vielen Märkten vorgearbeitet und die neuen Schilder zunächst hinter den alten versteckt. So müsse man jetzt nur noch umstecken.

Elektronische Preisschilder stellen sich automatisch um

Und auch bei Euronics finden sich Preisschilder ohne die üblichen 99 Cent hinter dem Komma. "Bei elektronischen Preisschildern wird der neue Preis automatisch aus dem Warenwirtschaftssystem übernommen", sagt Inhaber Markus Block. "Das läuft gerade durch, es wird aber sicher noch ein wenig dauern, bis alle Preise korrigiert sind."

Bei Artikeln mit gedruckten Preisschildern übernimmt auch bei Euronics derzeit noch die Kasse die Berechnung des neuen, korrekten Preises. "Wir können nicht alle 26.000 Artikel neu auszeichnen", sagt Block. "Aber natürlich geben wir die Mehrwertsteuersenkung eins zu eins an die Kunden weiter."

"Ich glaube, dass der Konsum bei höherpreisigen Produkten angekurbelt wird."Markus Block, Inhaber Euronics XXL Friesoythe

Block kann sich durchaus vorstellen, dass die Mehrwertsteuersenkung in einigen Bereichen die Kauflust steigert. "Ich glaube, dass der Konsum bei höherpreisigen Produkten angekurbelt wird", sagt er. "Da ist das ja schon eine echte Preissenkung."

Matthias Plaggenborg ist an dieser Stelle vorsichtiger. "Ich weiß nicht, ob die Leute sich wegen dieser drei Prozent jetzt ein Luxusgut kaufen, das sie schon immer haben wollten", so seine Überlegung. Klar sei aber auch, dass eine neue Küche durch die Mehrwertsteuersenkung deutlich billiger werde. "Da kann man schon mal 400 Euro sparen", sagt er. Trotzdem sei die Mehrwertsteuersenkung "definitiv keine Rettung für die Verluste, die wir in den vergangenen Monaten hatten".

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