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Neustart auf dem Gänsehof Tapphorn

Der Hof von Iris Tapphorn wurde im Frühjahr 2021 von der Vogelgrippe befallen. Ein halbes Jahr später kann sie trotzdem einen Bestand von rund 4000 Gänsen vorweisen.

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Gänse soweit das Auge reicht: Landwirtin Iris Tapphorn und ihre "Mitarbeiter" sind ein gutes Team. Foto: Technow

Gänse soweit das Auge reicht: Landwirtin Iris Tapphorn und ihre "Mitarbeiter" sind ein gutes Team. Foto: Technow

Als am 18. März dieses Jahres die Vogelgrippe den Gänsehof von Iris Tapphorn in Brockdorf traf, kamen nicht nur finanzielle Hindernisse, sondern auch emotionale Schwierigkeiten auf die gelernte Steuerfachangestellte und Landwirtin zu. Es sei nicht einfach gewesen, die Tiere durch die Keulung zu verlieren, wie es das Tierseuchengesetz vorsieht. „Die Stille auf dem Hof nach der Keulung tat sehr weh“, erzählt die Landwirtin.

Der Hof sei auf den Fall einer Vogelgrippe vorbereitet gewesen, was Einiges vereinfacht und auch die Existenz gesichert habe, sagt Tapphorn. So lagen Pläne für die Durchführung einer möglichen Keulung schon vor und aufgrund von gelagertem Genmaterial in Norwegen und einigen eigenen Gänsen auf einem befreundeten Hof im Landkreis Diepholz musste die 38-Jährige sich auch keine Sorgen um den Neuaufbau ihres Bestandes machen.

Dazu kam die wirtschaftliche Absicherung durch die verschiedenen Betriebszweige des Hofes. Der Hofladen hatte beispielsweise noch genug Federn vom letzten Jahr und die hofeigene Schlachterei kann auch Gänse von anderen Höfen schlachten und verkaufen. Die Säuberung der Ställe vom Virus verlief danach ebenfalls relativ reibungslos. Dafür sei sie ihrem Team und allen Unterstützern aus dem Freundes- und Bekanntenkreis sehr dankbar.

Iris Tapphorn fühlt sich von der Landesregierung im Stich gelassen

Ein schwieriges Thema war und ist jedoch die Versicherung ihrer Gänsebestände. Laut Tapphorn erhalte sie pro Gans regulär 50 Euro von der Niedersächsischen Tierseuchenkasse (TSK) erstattet, könne aber den Höherwert des Tieres nicht versichern lassen, da kaum eine freie Versicherung ihre Branche aufnehme. „Daher mache ich am Ende ein Minus, obwohl ich eine Erstattung erhalte“, so Tapphorn. Dieses Ungleichgewicht sei in keiner anderen landwirtschaftlichen Sparte so stark ausgeprägt, wie in der Gänsezucht. In dieser Angelegenheit fehle es ihr auch vonseiten der Landesregierung deutlich an Unterstützung, merkt die Landwirtin an. Sie wünsche sich eine Lösung der Landesregierung, damit Gänsehalter finanziell besser abgesichert seien.

In der Regel gehen Züchter nicht mit Verlust aus einer Keulung, so Tapphorn. Bei ihr sei das anders. Wenn noch eine Vogelgrippe ihren Bestand treffen sollte, dann wäre die Zukunft des Hofes und somit auch ihre private Zukunft ungewiss. Daher fordert sie mehr Gerechtigkeit und Sicherheit für Gänsehalter, die momentan aufgrund der schlechten finanziellen Absicherung ein sehr großes finanzielles Risiko eingehen müssten.

4.000 Gänse und Ganter leben mittlerweile wieder auf dem Hof

Trotz der Keulung von etwa 2.400 Elterntieren hat Iris Tapphorn Anfang Mai nach eigenen Angaben einen Elterntierbestand sowie den vollen Mastbestand von rund 4.000 Gänsen zusammenbekommen, um ihren Verlust etwas aufzufangen und ihren Kunden für Weihnachten einen Gänsebraten anbieten zu können. Dabei sei ihr wichtig, dass so viel wie möglich von der Gans weiterverwertet werde, erklärt die Brockdorferin.

Um diesem Anspruch gerecht zu werden, habe ihre Mutter, Inge Tapphorn, schon vor vielen Jahren eine Daunenmanufaktur aufgebaut, in der Decken und Kissen hergestellt würden. Diese werden anschließend im eigenen Hofladen zum Kauf angeboten, erklärt die 38-Jährige. Um die Innereien zu verwerten, könne das sogenannte „Rundum-sorglos-Paket“, das Rezepte und nützliche Küchenutensilien für die Verwertung der gesamten Gans enthalte, im Hofladen erworben werden.

Die Nähe zu ihren Tieren ist Iris Tapphorn anzumerken. "Kollegen" oder "Mitarbeiter" nennt sie die Gänse gern. Die kommen jeden Tag auf eine der insgesamt 11 Hektar großen Weideflächen. Die hohe Lebensqualität ihrer Tiere komme dabei auch den Kunden zugute, versichert Tapphorn.

Am 20. September (Montag) um 18.15 Uhr können sich Interessierte in der NDR-Nordreportage ein Bild davon machen, wie es dem Hof nach der Keulung der Tiere ergangen ist. In der Doku wolle sie das Image der Landwirtschaft verbessern, die sich ihrer Meinung nach vom Kunden entfernt hat, sagt die Brockdorferin. Das liege vor allem an der ausschließlich negativen Berichterstattung durch die Medien. Sie wolle mit den Dokus ein Gegengewicht dazu schaffen und Leute für die deutsche Landwirtschaft begeistern, erklärt Tapphorn weiter.

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