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Neuenkirchen-Vörden ist ein Stromerzeuger

Die Gemeinde hat Power. Dort liegt die Produktion von Strom aus erneuerbaren Energien 85 Prozent über dem Gesamtstromverbrauch im Ort. Im Bundesgebiet ist es ganz anders.

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Deutliche Überproduktion: Im Neuenkirchen-Vördener Gemeindegebiet wird nach Angaben Arthur Hamms (links) und Ansgar Brockmann 85 Prozent mehr Strom aus regenerativen Energien erzeugt als tatsächlich an Strom verbraucht wird.  Foto: Lammert

Deutliche Überproduktion: Im Neuenkirchen-Vördener Gemeindegebiet wird nach Angaben Arthur Hamms (links) und Ansgar Brockmann 85 Prozent mehr Strom aus regenerativen Energien erzeugt als tatsächlich an Strom verbraucht wird.  Foto: Lammert

In Neuenkirchen-Vörden lag im vergangenen Jahr die Menge des durch regenerative Energien erzeugten Stroms deutlich höher als die Menge des in den Haushalten, öffentlichen Einrichtungen und Betrieben verbrauchten Stroms. Das geht aus Zahlen hervor, die Bürgermeister Ansgar Brockmann sowie Arthur Hamm vom Bauamt Neuenkirchen-Vördens vorgestellt haben.

Demnach speisten die Windkraft-, Photovoltaik- und Biogasanlagen 2019 89. 532 Megawattstunden (mWh) Strom ins Netz ein. Davon entfielen nach Worten Arthur Hamms 17 .668 mWh auf den Versorgungsbereich des Energieunternehmens EWE im nordöstlichen Gemeindegebiet.  71. 864 mWh kamen im von Innogy belieferten Gebiet zusammen.

Gesamtverbrauch liegt bei 48.287 Megawattstunden

Dem standen Verbrauchszahlen von 6.826 mWh im EWE-beziehungsweise 41. 461 mWh im Innogy-Gebiet und somit insgesamt 48. 287 mWh gegenüber. Damit ergab sich eine Deckung des Energiebedarfs im EWE-Bereich von 259, im Innogybereich von 173 Prozent. Im Mittel errechnete Arthur Hamm eine Deckung von 185,42 Prozent.

Dazu nannte der Bauamtsmitarbeiter die bundesweiten Vergleichszahlen: Der Anteil der erneuerbaren Energien am Stromverbrauch betrug ungefähr 42,1 Prozent. Unter dem Strich ein Defizit von 57,9 Prozent.

Strom aus erneuerbaren Energien erzeugten nach Angaben Ansgar Brockmanns in der Gemeinde 2019 immerhin 4 Biogas- und 439 Fotovoltaikanlagen sowie 13 Windkrafträder. Während die Zahl der Biogasanlagen seit 2016 stabil geblieben ist, erhöhte sich die Zahl der Fotovoltaikanlagen um 399 auf 439, die der Windkraftanlagen aufgrund der Inbetriebnahme des Windparks „Im Bernhorn“ auf Vördener Gebiet von 6 auf 13. Insgesamt erzeugten 2019 somit 456 Anlagen Strom, während es 2016 noch 409 gewesen waren.

Installierte Gesamtleistung erreicht 49.809 Kilowatt

In dem Jahr lag die Einspeisung der Anlagen bei knapp 32,19 Millionen Kilowattstunden (kWh). Im Folgejahr, als die ersten Windräder des neuen Vördener Windparks ans Netz gingen, stieg sie auf fast 57,5 und 2018 auf zirka 85,3 Millionen kWh. Im selben Zeitraum erhöhte sich die installierte Gesamtleistung der Anlagen von 25 .450 über rund 48. 140 und fast 48. 680 auf 49. 809 Kilowatt.

Den Löwenanteil des Stroms liefern die Windkraftanlagen mit rund 69,47 Millionen kWh. Die Photovoltaikanlagen erzeugten 2019 rund 11,56 Millionen kWh, die Biogasanlagen fast 8,5 Millionen kWh Strom.
Zu denen, die in Neuenkirchen-Vörden Strom mit Photovoltaikanlagen produzieren, gehört die Genossenschaft Energiequelle.

Sie betreibt in der Gemeinde 9 Anlagen mit einer installierten Leistung von 620 kWh. Die im Jahr erzeugte Strommenge liegt bei durchschnittlich rund 548. 000 kWh.

„Wir müssen sehr aufpassen, dass wir mit den Anlagen nicht zu nah an die Wohnbebauung heranrücken."Heinrich Hoppe, IGNV-Ratsherr

Heinrich Hoppe, Vorsitzender der Arbeitsgruppe Klimaschutz des Gemeinderates, sagte, es sei noch mehr Stromerzeugung durch regenerative Energien möglich. Aber er mahnte mit Blick auf Windkraftanlagen auch: „Wir müssen sehr aufpassen, dass wir mit den Anlagen nicht zu nah an die Wohnbebauung heranrücken.“

Die Gefahr könnte nach Ansicht des IGNV-Ratsherren beim anstehenden Repowering des Windparks in Bieste mit seinen derzeit 6 Anlagen drohen. Zwar gibt es nach Worten des Bürgermeisters derzeit keinen Antrag in diese Richtung. Doch der Windpark sei inzwischen so alt, dass ein Repowering nur noch eine Frage der Zeit sei, sagte Heinrich Hoppe.

Hoppe fordert Mindestabstand von 1000 Metern

Der Mindestabstand von den Windkraftanlagen müsse wenigstens 1.000 Meter zur Wohnbebauung betragen, um die negativen Auswirkungen auf die Bürger wie die Lärmbelastung und den Schattenwurf so gering wie möglich zu halten.

Hinsichtlich der Erzeugung von Strom mit Photovoltaikanlagen wünscht sich der Kommunalpolitiker eine intensivere Förderung der Anlagen. Sie sollten zum wichtigen Faktor bei der Eigenversorgung von Haushalten mit Strom werden.

Eine klare Meinung hat Heinrich Hoppe auch zu Biogasanlagen: „Von dieser Technik müssen wir uns verabschieden.“ Die Probleme, die sie mit sich bringe, seien zu groß. So verwies der IGNV-Ratsherr unter anderem auf die Vermaisung der Landschaft, weil Mais wichtig für den Betrieb der Anlagen sei.

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