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Neue Pläne für den C-Port: Stuke ist bei Gülle-Verwerter Kaskum raus

Eigentlich waren die Unterlagen für die Genehmigung der Anlage schon fertig. Jetzt gibt es ein neues Konzept und eine neue Geschäftsführung. Die kommt von der Goldschmaus-Gruppe mit Sitz in Garrel.

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Kaskum will sich weiter im Industriegebiet am Küstenkanal ansiedeln. Das Konzept der geplanten Anlage hat sich aber offenbar geändert. Foto: Stix

Kaskum will sich weiter im Industriegebiet am Küstenkanal ansiedeln. Das Konzept der geplanten Anlage hat sich aber offenbar geändert. Foto: Stix

Gert Stuke sitzt in seinem Wohnzimmer in Friesoythe. Auf dem Schoß hat der Ehrenpräsident der Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer einen dicken Ordner mit Plänen, Expertisen und Konzepten. Es ist der Bauantrag für die Kaskum GmbH, die sich im Industriepark C-Port am Küstenkanal niederlassen will. „Das ist technisch und architektonisch durchgeplant, komplett mit allen Gutachten“, sagt er. Der Bauantrag trägt das Datum 30. Juni 2021. Doch Stuke, der seit 2014 Geschäftsführer der Kaskum war, hat den Antrag nie beim Landkreis Cloppenburg eingereicht. Und Geschäftsführer der Kaskum ist er auch nicht mehr.

Die Gesellschaft hat eine neue Spitze – und die setzt offenbar auf eine neue Ausrichtung. Seit dem 2. November sind laut Handelsregister Josef Hempen und Karin Soika Geschäftsführer der Kaskum GmbH. Hempen ist außerdem einer der Geschäftsführer der Goldschmaus-Gruppe Erzeugergemeinschaft Bösel. Die Firma Böseler Goldschmaus aus Garrel zählt mit – nach eigenen Angaben – 1,7 Millionen geschlachteten Schweinen zu den größten Schlachtbetrieben Deutschlands. Karin Soika ist Geschäftsführerin der Erzeugergemeinschaft Bösel, Gesellschafter der Goldschmaus-Gruppe.

Der bisherige Geschäftsführer der Kaskum GmbH: Gert Stuke sagt, sämtliche Unterlagen für das Bauprojekt am C-Port seien fertig. Doch jetzt gibt es ein neues technisches Konzept. Foto: TzimurtasDer bisherige Geschäftsführer der Kaskum GmbH: Gert Stuke sagt, sämtliche Unterlagen für das Bauprojekt am C-Port seien fertig. Doch jetzt gibt es ein neues technisches Konzept. Foto: Tzimurtas

2020 wurde Goldschmaus Mitgesellschafter der Kaskum. Im Frühjahr 2021 habe die Unternehmensgruppe einen weiteren Interessenten gefunden, dessen Identität er nicht lüften dürfe, erläutert Stuke. Er habe eine Vertraulichkeitserklärung unterschrieben. Dieser Interessent komme nicht aus Niedersachsen, so weit könne er gehen. Stuke spricht von „sehr konkretem Interesse“ an der Kaskum – sowohl was das Know-how der Gülleverwertung betreffe, als auch den Standort am C-Port. Der sei attraktiv auch wegen der kurzen Wege: Das Oldenburger Münsterland ist ein Agrar-Intensivgebiet mit hoher Viehdichte. Der Rohstoff Gülle fällt in großen Mengen in direkter Nachbarschaft an.

Doch habe dieser Interessent andere technologische Vorstellungen als er, was man damit anfangen wolle, sagt Stuke. Er hatte eine Transformationsanlage bauen wollen, die aus Schweinegülle wiederverwertbare Rohstoffe und Wasser mache. Er sei kein Ingenieur, sagt der Friesoyther, sondern Autodidakt. Deshalb habe er die neue Entwicklung bei Kaskum als Anlass empfunden, einen Schnitt zu machen und aus dem operativen Geschäft auszusteigen.

Unternehmensgruppe will Bio-LNG als Kraftstoff produzieren

Mitgesellschafter sei er weiterhin. Sein Alter habe mit der Entscheidung „gar nichts zu tun“, sagt der 74-Jährige, auch nicht Lustlosigkeit oder Desinteresse. Er sei weiterhin sehr interessiert an der Gülleverwertung, die er für „unbedingt notwendig“ halte.

Muster der Produkte, die Kaskum herstellen könnte – Düngepellets, Harnstoff, Ammoniumsulfat – stehen vor Stuke auf dem Tisch. „Ich habe das Projekt von der Idee bis zur Reife eines genehmigungsfähigen Antrags gebracht“, sagt er. Doch der neue Interessent verfolge ein anderes technisches Konzept.

Es habe einen Gesellschafterbeschluss gegeben, den fertigen Bauantrag nicht einzureichen. Er gehe davon aus, sagt Stuke, dass die Kaskum unter neuer Geschäftsführung noch in diesem Jahr einen Bauantrag für die Ansiedlung am C-Port mit neuem Konzept einreiche. Stuke vermutet, dass die Goldschmaus-Gruppe ihren Schweinelieferanten eine Lösung anbieten wolle, wo die mit ihrer Gülle bleiben können.

Dazu äußert sich Dr. Gerald Otto, der bei der Goldschmaus-Gruppe für Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Der „andere technologische Weg“ führe zu einer umfassenderen Nutzung des Rohstoffes Gülle, so Otto. Die Gewinnung von BIO-LNG, also Kraftstoff, sei „dabei ein erster Schritt, noch vor den bisher geplanten Ansätzen“. Nach der Aufbereitung der Gärreste stünden Düngemittel vorwiegend in fester Form zur Verfügung. Nährstoffverluste bei der Ausbringung könnten im Vergleich zum klassischen Güllefahren verringert werden. Am Ende könnte der vollständige Verzicht auf das Ausbringen von Gülle auf die Felder stehen, stellt Otto in Aussicht. Ziel sei „CO2-Neutralität in der Schweinefleischerzeugung“.

Zu dem Interessenten, mit dem man dafür bei der Kaskum zusammenarbeiten wolle, „können wir zum jetzigen Zeitpunkt keine näheren Auskünfte geben“, teilt Golschmaus-Sprecher Otto mit. Das betreffe auch die Art der Zusammenarbeit, die angestrebt werde.

Mit der Idee der Biogas-Produktion ist die neue Kaskum-Führung nicht allein. Die Firma Revis will am C-Port eine Biomethan-Anlage bauen. Das Projekt ist umstritten.

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