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Nationaler Charolais-Gipfel im Essener Ortsteil Herbergen

Nicht die Fleisch-Preise, sondern die Unmöglichkeit, in Ost-Niedersachsen und im Diepholzer Moor Mutterkühe mit Kälbern wegen der Wolfs-Attacken weiden zu lassen, waren Thema eines Züchter-Treffens.

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Züchterstolz: Rainer Moormann präsentiert die 19-jährige Mutterkuh „Palermo“ mit ihren beiden jüngsten Töchtern. Foto: Siemer <br>

Züchterstolz: Rainer Moormann präsentiert die 19-jährige Mutterkuh „Palermo“ mit ihren beiden jüngsten Töchtern. Foto: Siemer

Wenn Landwirte sich in diesen Tagen treffen, dann beherrscht meistens ein Thema die Unterhaltung: die sinkenden Erzeugerpreise, vor allem bei den Schweinen. Da könnte auch Rainer Moormann aus Essen besser mitreden, als ihm angesichts des anhaltenden Sinkfluges lieb ist. Denn die Schweinehaltung mit mehr als 3000 Mastplätzen ist eines der beiden Standbeine seines Hofes im Ortsteil Herbergen.

Deutlich mehr Freude, gar Leidenschaft legt Moormann an den Tag, wenn er über das 2. Standbein berichtet, die Mutterkuh-Haltung mit Rindern der französischen Charolais-Rasse. Dazu hatte der Landwirt am Wochenende ausgiebig Gelegenheit. Denn die Masterind GmbH, die für die Rinderzucht und Vermarktung im Land verantwortlich ist, hatte mehr als 80 Züchter aus Niedersachsen, aber auch aus Schleswig-Holstein, Thüringen, Rheinland-Pfalz, Bayern und sogar aus dem Mutterland Frankreich, nach Herbergen zum Erfahrungsaustausch eingeladen.  

Auf mehreren Weiden, vor dem Gatter der 19-jährigen Kuh „Palermo“ und ihren beiden jüngsten Kälbern und beim Gang durch den Maststall der bis zu 450 Kilogramm schweren Schlachtbullen informierte Moormann über seine Haltung und seine Erfahrungen. Weitere Station war der Hof von Henrik Wille, wo sich die Züchter, die zumeist als Hobby- und Nebenerwerbs-Halter arbeiten, über die konventionelle Milchviehhaltung mit Holsteiner Kühen informierten. Wille ist vielfach ausgezeichneter Züchter, unter anderem von „Lady Gaga“. Anschließend gab es Burger, Bratwurst und Steaks – natürlich vom Charolais.

Schau-Erfolge mit "Majestät" und "Maradonna"

Nicht so sehr die von ihm als stabil bezeichneten Fleischpreise seien Gesprächsgegenstand gewesen, sondern Erfahrungen beim Halten der Tiere und natürlich die Probleme. Denn die Frage der Fruchtbarkeit und der Langlebigkeit spielten eine große Rolle, erläutert der Züchter. Wenn die Kuh nicht möglichst jährlich ein Kalb gebäre, verdiene man auch kein Geld. Er ist in der Region einer der wenigen Charolais-Züchter, für den die Haltung ein eigenständiger Erwerbszweig seines Hofes ist. 1986 sei das erste Rind auf den Hof gekommen, berichtet er von den Anfängen. Seitdem hat er viele Zuchterfolge auf regionalen, landesweiten und sogar bundesweiten Zuchtschauen mit den massigen, gutmütigen weißen Rinder erreicht. Wichtiger Bestandteil seiner erfolgreichen Vermarktung ist der Verkauf von jungen Bullen für die Zucht.

Keine Kälber mehr auf der Weide wegen Wolfsgefahr

Zu den jüngsten Erfolgen, noch vor Corona, gehörte der seinem Namen alle Ehre machende „Majestät“, der auf der Landesfleischrinderschau „Mister Tarmstedt“ und im selben Jahr 1a-Bundesschausieger wurde, oder „Maradonna“, der die Zuchtwertschätzung im Land anführte und bundesweit 5. war. Über ihre großen Schwierigkeiten beim wichtigsten Ziel, der Weidetier-Haltung dieser Rasse, berichteten Züchter aus Ostniedersachsen und aus dem Diepholzer Moor. Sie könnten die Mutterkühe mit ihren Kälbern nicht mehr draußen halten, weil die große Gefahr bestehe, dass der Wolf den Nachwuchs reiße, erzählt der Landwirt.

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