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Mitarbeiter von Berry Bramlage fordern bei Protestaktion mehr Lohn

Die IG Metall pocht bei der Kundgebung vor dem Büro des Geschäftsführers auf den Neuabschluss des Tarifvertrages. 120 Beschäftigte kamen bei der Aktion zusammen.

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Hoffen auf mehr Gehalt: Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Berry Bramlage. Foto: Bernhardt

Hoffen auf mehr Gehalt: Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Berry Bramlage. Foto: Bernhardt

"Malochen bis zum Umfallen? Ohne uns", riefen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Mittwoch vor dem Firmengebäude von Berry Bramlage in Lohne. Unmittelbar vor dem Fenster des Geschäftsführers schlug die Gewerkschaft IG Metall ihr Lager auf, bei dem sich im Laufe des Tages über 120 Beschäftigte des Unternehmens versammelten. Die Gewerkschaft IG Metall fordert im Rahmen der Aktionswoche in der Holz- und Kunststoffindustrie 4,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt für 12 Monate, ein Extra-Plus für Auszubildende und einen Neuabschluss des Tarifvertrages Demografie, der besonders für das Thema der Altersteilzeit steht. Einige Beschäftigte dokumentierten ihre Solidarität per Unterschrift auf einer Tafel.

In der ersten Verhandlung am 10. September legten die Arbeitgeber in Niedersachsen ein erstes Angebot vor. Dieses beinhaltete für die ersten 6 Monate keine Gehaltserhöhung. Aber: Ab März 2022 sollen die Gehälter um 1,2 Prozent steigen - ein Jahr später um weitere 1,3 Prozent.  Der Vertreter der IG Metall, Paul Naujoks, hält das Angebot für untragbar für alle Beschäftigten. "Es beinhaltet nicht nur einen klaren Reallohnverlust, sondern auch ein deutliches Nein zum Tarifvertrag Demografie und damit zum Thema Altersteilzeit", wettert der Vertreter. Besonders die Kunststoff verarbeitenden Betriebe, wie Berry Bramlage, würden erfolgreich wirtschaften und hätten volle Auftragsbücher. Unter diesen aktuellen Bedingungen seien die Forderungen mehr als gerechtfertigt.

Will vor der Verhandlung noch einmal Druck aufbauen: der Vertreter der IG Metall, Paul Naujoks.   Foto: BernhardtWill vor der Verhandlung noch einmal Druck aufbauen: der Vertreter der IG Metall, Paul Naujoks.   Foto: Bernhardt

Die Verlängerung des Tarifvertrages Demografie lehnen die Arbeitgeber bislang ab. Darin geht es vornehmlich um die sogenannte Altersteilzeit, ein Modell zur Arbeitszeitverkürzung vor der Rente, bei der die verbleibende Arbeitszeit halbiert wird. Bei diesem Modell stockt der Arbeitgeber das reduzierte Gehalt auf und zahlt zusätzliche Rentenversicherungsbeiträge. Für die Gewerkschaft sei die Altersteilzeit ein wichtiges Mittel, um den demografischen Wandel in den Betrieben zu stoppen. Das Problem laut der IG Metall: In den kommenden 15 Jahren würden bis zu 47 Prozent der Beschäftigten aus Altersgründen aus dem Betrieb ausscheiden. Das stelle die Industrie vor nie dagewesene Herausforderungen.

Viele Arbeitnehmer können sich nicht vorstellen, bis zur Rente zu arbeiten

Hinzu käme: "Durch die körperlich anstrengende Arbeit können viele Arbeitnehmer nicht mehr bis zur Rente arbeiten. Der Rücken und die Schultern sind einfach kaputt", so Naujoks. Eine Umfrage der IG Metall bestätige dieses Bild: Dabei gaben 45,2 Prozent an, sich nicht vorstellen zu können, bis zur Rente durchzuhalten. 29 Prozent gaben an, für sie sei es eher schwierig. Deshalb werde die Gewerkschaft einen Tarifabschluss ohne das Werkzeug der Altersteilzeit nicht akzeptieren. 

Mit der am Montag gestarteten Aktionswoche will die Gewerkschaft zusammen mit den Mitarbeitern noch einmal Druck vor der bevorstehenden 2. Verhandlung am Freitag aufbauen. Auf Seiten der Arbeitgeber wird dort auch der Geschäftsführer von Berry Bramlage sitzen. Dort wollen Naujoks und Hansjürgen Katzer, Vorsitzender des Betriebsrates von Berry Bramlage, dem Geschäftsführer eine Art "Denkzettel" verpassen: Sie werden ihm die Unterschriftensammlung der eigenen Mitarbeiter überreichen. 

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